Thomas von Aquin (1225/26 - 1274)
Summa contra gentiles - liber primus (Summe gegen die Heiden - 1. Buch)
"Die Wahrheit sprechen wird meine Kehle, und mein Mund wird das Gottlose verwünschen" (Spr 8,7).
Der gewöhnliche Sprachgebrauch, dem Aristoteles bei der Bezeichnung
der Dinge zu folgen für gut hält, hat allgemein bewirkt, dass als Weise
die bezeichnet werden, die die Dinge richtig ordnen und gut lenken.
Deshalb wird neben anderem , was sich die Menschen unter einem Weisen
vorstellen, von Aristoteles aufgeführt , "die Aufgabe des
Weisen sei das Ordnen" (sapientis est ordinare). Für alles
aber, was auf ein Ziel hingeordnet ist, muss der Maßstab des Lenkens und
Ordnens vom Ziel her genommen werden. Dann nämlich ist jedes Ding am
besten bestellt, wenn es angemessen auf sein Ziel hingeordnet ist. Denn
das Ziel ist das Gute eines jeden Dinges. Daher sehen wir auch im Bereich
der Künste, dass die Kunst, zu der das Ziel der anderen gehört, deren
Lenkerin und gleichsam ihre Herrscherin ist. So herrscht die Heilkunst
über die Kunst der Salbenbereitung und ordnet sie, weil die Gesundheit,
mit der sich die Heilkunst befaßt, das Ziel aller Salben ist, die von der
Kunst der Salbenbereitung hergestellt werden. Etwas Ähnliches zeigt sich
im Verhältnis der Steuermannskunst zu der des Schiffbaus und im Verhältnis
der Kriegskunst zu der des Reitens und jeder Kriegsrüstung. Die Künste
nun, die über andere herrschen, werden architektonische im Sinne von
herrscherliche genannt. Deswegen nehmen auch die, die in ihnen Künstler
sind und als Architekten bezeichnet werden, den Namen Weise für sich in
Anspruch.
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