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Gebete

Vater unser, der du bist im Himmel
geheiligt werde dein Name
dein Reich komme
dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden
User tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie wir vergeben unseren Schuldigern
Führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit in
Ewigkeit Amen
Pater noster, qui es in caelis
sanctificetur nomen tuum
adveniat regnum tuum
fiat voluntas tua
sicut in caelo et in terra
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie
et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris
et ne nos inducas in tentationem
sed libera nos a malo
Quia tuum est regnum,
et potestas, et gloria in saecula

Heilig, heilig, heilig bist Du, Herr, Gott der Heerscharen;
Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit.
Hosanna in der Höhe!
Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
(Aus dem Missale)
Dem König der Ewigkeit, dem unsterblichen, unsichtbaren,
einzigen Gott, Ihm sei Ehre und Ruhm in Ewigkeit. Amen.
(St. Paulus)
Hochheilige Dreifaltigkeit, durch Deine Gnade
wohnst Du in meiner Seele. Ich bete Dich an.
(Aus dem Missale)
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem
Heiligen Geiste.
(Aus dem Missale)
Dich, Gott, den ungezeugten Vater, Dich, den
eingeborenen Sohn, und Dich, den Heiligen Geist,
den Tröster, die heilige, ungeteilte Dreifaltigkeit,
bekennen wir mit ganzem Herzen und mit dem
Munde, Dich preisen und loben wir.
(Aus dem Missale)
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes. Amen.
(verbunden mit dem Kreuzzeichen)

Hingabe an den Heiligen Geist

In Gegenwart des Himmels und der Erde, die voll von Deiner Herrlichkeit sind, und in Anbetung vor Deiner göttlichen Majestät opfern wir uns heute mit Leib und Seele Dir auf, Gott, ewiger Geist!
Leite unsere Gedanken, dass wir stets Deine Stimme vernehmen und Deinen sanften Eingebungen folgen. Gib uns die Gnade, o Heiliger Geist, Geist des Vaters und des Sohnes, immer und überall sagen zu können:

"Herr, sprich, Dein Diener hört!"
O Geist der Weisheit! Leite unsere Gedanken, unsere Worte und Werke, von jetzt an bis zur Stunde unseres Todes.
O Geist des Verstandes! Erleuchte und lehre uns!
O Geist des Rates! Rate uns, dass wir erkennen, was Dir gefällig ist!
O Geist der Stärke! Stärke unsere Schwachheit!
O Geist der Wissenschaft! Verscheuche unsere Unwissenheit!
O Geist der Frömmigkeit! Gib uns die Gnade, auf dem guten Wege auszuharren!
O Geist der Furcht! Erlöse uns von jedem Übel!
O ewige Liebe! Laß uns Dich lieben, wie Dich der Vater von Ewigkeit her liebt und der Sohn im Vater.

Gib uns die Kraft und die Gnade, immer und überall in Frieden und Freude, mit Geduld und Milde, Güte und Langmut, mit Sanftmut und Treue zu handeln. Gib, dass die himmlischen Früchte der Mäßigkeit, der Enthaltsamkeit und Reinheit den Tempel schmücken, den Du auserwählt hast zu Deiner Wohnung. O Geist der Heiligkeit, möge die wirkende Kraft Deiner Gnade unseren irdischen Lebenswandel heiligen und zu den ewigen Freuden uns hinführen.
Heiliger Geist, führe alle Völker zu Deiner Wahrheit! Erfülle die Glaubensboten mit Licht und Stärke, wie Du die Apostel am Pfingstfest erfüllt hast.
Gieße den Geist der Liebe allen Christenherzen ein, damit sie ein Herz und eine Seele seien,
Amen.

Versöhnung

Lieber Vater,
schenke uns die Liebe unter den Mitmenschen, wo der Hass regiert,
schenke uns Versöhnung, wo Zwietracht herrscht.
Amen.

Gebetsinhalte

Das Gebet beinhaltet nicht nur Dank und Bitte oder Fürbitte, der Bittcharakter bildet oft nur einen Aspekt des Gebetes.
Beispielsweise sehen die Mystiker im Gebet vielmehr eine Kontaktaufnahme oder gar ein Zwiegespräch mit Gott, da sie auf das Bibelwort vertrauen, dass Gott selbstverständlich genauestens weiß, was der Betende benötigt: »Denn euer Vater weiß, was ihr nötig habt, ehe ihr ihn bittet« Mt 6,8. So ist die eigentliche Grundform allen christlichen Betens Anbetung: Die alles Begreifen übersteigende Herrlichkeit Gottes erkennen.

Von der Gebetserhörung Mt 7,7

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? Oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

Vom Beten. Das Vaterunser (Mt 6,1)

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.1 [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]2 14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Litanei zum Herzen Jesu

Herr, erbarme Dich unser!
Christus, erbarme Dich unser!
Herr, erbarme Dich unser!
Christus, höre uns! - Christus, erhöre uns!
Gott Vater vom Himmel - Erbarme Dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott
Herz Jesu, des Sohnes des ewigen Vaters
Herz Jesu, im Schoße der jungfräulichen Mutter vom Heiligen Geist gebildet
Herz Jesu, mit dem Worte Gottes wesenhaft geeinigt
Herz Jesu, von unendlicher Majestät
Herz Jesu, Du Wohnung des Allerhöchsten
Herz Jesu, Du Haus Gottes und Pforte des Himmels
Herz Jesu, Du brennender Herd der Liebe
Herz Jesu, Du Gefäß der Gerechtigkeit und Liebe
Herz Jesu, voll Güte und Liebe
Herz Jesu, Du Abgrund aller Tugenden
Herz Jesu, allen Lobes würdig
Herz Jesu, Du König und Mittelpunkt aller Herzen
Herz Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft sind
Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt
Herz Jesu, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat
Herz Jesu, aus dessen Fülle wir alle empfangen haben
Herz Jesu, Du Sehnsucht der Schöpfung von Anfang an
Herz Jesu, geduldig und von großer Erbarmung
Herz Jesu, reich für alle, die Dich anrufen
Herz Jesu, Du Quelle des Lebens und der Heiligkeit
Herz Jesu, Du Sühnopfer für unsre Sünden
Herz Jesu, mit Schmach gesättigt
Herz Jesu, zerschlagen wegen unsrer Missetaten
Herz Jesu, gehorsam bis zum Tode
Herz Jesu, mit der Lanze durchbohrt
Herz Jesu, Du Quell allen Trostes
Herz Jesu, unser Leben und unsere Auferstehung
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung
Herz Jesu, Du Opferlamm für die Sünder
Herz Jesu, Du Rettung aller, die auf Dich hoffen
Herz Jesu, Du Hoffnung aller, die in Dir sterben
Herz Jesu, Du Wonne aller Heiligen
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt! Verschone uns, Herr!
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt! Erhöre uns, Herr!
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt! Erbarme Dich unser!
Jesus, sanft und demütig von Herzen.
Bilde unser Herz nach Deinem Herzen!
Laßt uns beten! Allmächtiger, ewiger Gott, schaue hin auf das Herz Deines vielgeliebten Sohnes und auf den Lobpreis und die Genugtuung, die es im Namen der Sünder Dir darbringt, und gewähre ihnen, da sie Dein Erbarmen anflehen, gnädig Verzeihung im Namen Jesu Christi, Deines Sohnes. Er lebt und herrscht mit Dir in Ewigkeit. Amen.
O Heiliger Geist, Du Seele meiner Seele, ich bete Dich an.
Erleuchte mich, führe mich, stärke mich, tröste mich!
Laß mich wissen, was ich tun soll; gib mir Deine Weisungen.
Ich verspreche Dir, mich ganz Deinen Anordnungen zu fügen und alles anzunehmen,
was mir nach Deinen Zulassungen geschehen kann.
Laß mich nur Deinen Willen erkennen.
Herr, Du bist groß und hoch zu loben;
groß ist Deine Macht und Deine Weisheit ohne Ende!
Und Dich zu loben wagt der Mensch, ein winziges Glied Deiner Schöpfung,
der Mensch, der dem Tode verfallen ist, der weiß um seine Sünde und weiß,
dass Du den Hoffärtigen widerstehst; und dennoch: Du selbst willst es so;
wir sollen Dich loben aus fröhlichem Herzen;
denn Du hast uns zu Dir geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es ruht in Dir.
(Sankt Augustinus)
"Das christliche Beten ist die persönliche, lebendige Beziehung der Kinder Gottes zu ihrem unendlich guten Vater, zu seinem Sohn Jesus Christus und zum Heiligen Geist, der in ihren Herzen wohnt." (KKK-K 534)

"Das innerliche Gebet ist ein Gespräch mit einem Freund, mit dem man oft und gern allein zusammenkommt, um mit ihm zu reden, weil man sicher ist, dass Er uns liebt ..." (hl. Teresa von Ávila) Ziel des Betens ist also die größere Liebe zu Gott und den Menschen.

Das Gebet ist das frei machen unserer Seele zu Gott, in der Absicht, Gott besser lieben, danken und dienen zu können und seine Hilfe zu erbitten, um durch diesen Dienst, zu seiner Ehre, ein besserer und vollkommenerer Mensch zu werden.
Neben dem Stundengebet (besonders der Kleriker und Ordensleute) und dem Rosenkranz gibt es u. a. noch: die Eucharistische Anbetung, Litaneien, das Jesusgebet (auch: immerwährendes Gebet), Novene, Ignatianische Exerzitien und viele andere, von der Kirche gutgeheißene Andachtsweisen, auch Bittprozessionen, Bussgottesdienste und der Kreuzweg gehören dazu. Die Höchstform unseres Betens ist die Heilige Messe, die (Eucharistiefeier).

Der Katechismus der Katholischen Kirche nennt drei verschiedene Arten des Betens:

1. Mündliches Gebet.
2. Betrachtendes Gebet.
3. Inneres Gebet.

Mündliches Gebet

Unter Mündlichem Gebet versteht man jedes Gebet, das man mit Worten an Gott richtet, sei es in Gedanken, oder laut ausgesprochen. Man kann z.B. den Rosenkranz und das Stundengebet als "mündliche Gebet" bezeichnen, aber auch Andachten, alle Arten der aufgeschriebenen Gebete und persönliche Gebete. Der Begriff „mündliches“ Gebet sagt nichts über die Tiefe des Gebetes aus, sondern bezeichnet eine Ausdrucksform des Betens.

Betrachtendes Gebet

Das betrachtende Gebet bezieht das Denken, Gefühle, die Vorstellungskraft, den Willen und das Verlangen des Beters mit ein. Der Betende wendet seine Vorstellungskraft an, um das, was er betrachtet, gläubig mit der Wirklichkeit seines Lebens zu verbinden. Er nimmt sich z.B. einen Abschnitt des Evangeliums, um ihn zu betrachten. Nehmen wir an, es handelt sich um eine Heilungsgeschichte, so kann er sich vorstellen, wie die belebten Straßen ausgesehen haben, er kann nachempfinden, wie es wäre, selber mit einer Krankheit unter den Menschen zu sein, von Jesus angerufen, berührt und geheilt zu werden. Diese Betrachtung berührt die Gefühle, den Willen und das Verlangen des Beters. Durch Nachdenken versucht er, das Betrachtete auf sein Leben zu beziehen, um daraus zu leben.

Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt über das betrachtende Gebet:

2705 Das betrachtende Gebet, die Meditation, ist vor allem ein Suchen. Der Geist sucht das Warum und das Wie des christlichen Lebens zu erfassen, um dem, was der Herr verlangt, zustimmen und antworten zu können. Dazu bedarf es der Aufmerksamkeit, die sich aber nur schwer beherrschen läßt. Man nimmt gewöhnlich ein Buch zu Hilfe. Die christliche Überlieferung bietet eine reiche Auswahl: die Heilige Schrift, besonders die Evangelien, Ikonen, die für den Tag vorgesehenen liturgischen Texte, die Schriften der geistlichen Väter, das geistliche Schrifttum, das große Buch der Schöpfung und jenes der Geschichte, besonders die Seite, die heute aufgeschlagen ist.

2706 Über Gelesenes nachsinnen heißt, diesem begegnen und es sich aneignen. So wird das Buch des Lebens aufgeschlagen: Dies ist der Übergang von den Gedanken zur Wirklichkeit. Der Demut und dem Glauben entsprechend werden darin die Bewegungen des Herzens wahrgenommen und beurteilt. Man muß die Wahrheit tun, um zum Licht zu kommen. "Herr, was willst du? Was soll ich tun?"

2707 Die Methoden betrachtenden Gebetes sind so unterschiedlich wie die geistlichen Lehrer. Ein Christ soll regelmäßig meditieren. Andernfalls gleicht er dem Weg, dem felsigen oder dem dornenüberwachsenen Boden aus dem Gleichnis vom Sämann [Vgl. Mk 4,4-.7.15-19]. Eine Methode aber ist nur ein Führer. So ist es wichtig, mit dem Heiligen Geist auf Christus Jesus, dem einzigen Weg des Gebetes, voranzuschreiten.

2708 Das betrachtende Gebet macht vom Denken, von der Einbildungskraft, von der Gefühlsbewegung und vom Verlangen Gebrauch. Dieser Einsatz ist notwendig, um die Wahrheiten des Glaubens zu vertiefen, die Umkehr des Herzens anzuregen und den Willen zur Nachfolge Christi zu stärken. Das christliche Gebet bemüht sich vor allem, über die „Mysterien Christi" nachzusinnen, wie das bei der Schriftlesung, der „lectio divina", und beim Rosenkranz geschieht. Diese Form betenden Nachdenkens ist von großem Wert; aber das christliche Gebet soll noch mehr erstreben: die liebende Erkenntnis Christi und die Vereinigung mit ihm.

Inneres Gebet

Manches ist schon über das innere Gebet geschrieben worden. Die Hl. Therese vom Kinde Jesu nennt ihr Gebet einen "liebenden Aufschwung des Herzens" zu Gott. Vom Hl. Pfarrer von Ars wird berichtet, dass er lange Zeit vor dem Allerheiligsten nur in stiller Versenkung gekniet sei.

Meist wird das innere Gebet aus dem betrachtenden Gebet herausgeläutert - aber im Unterschied dazu lebt es nicht aus den Kräften der Phantasie und der Emotionalität, sondern direkt aus der Liebe heraus. Inneres Gebet kann man nicht machen, nur ersehnen, es wird von Gott geschenkt. Das innere Gebet braucht (fast) keine Worte mehr und erfüllt sich darin, einfach in Ruhe vor Gott zu sein, und sich von Ihm ganz hineinnehmen zu lassen in Seine Wesenheit, in Seine Liebe. Der Beter schaut nicht mehr auf sich selbst, sondern gibt Gott alle Freiheit über sich. Begegnung von Herz zu Herz kann geschehen, und das Gebet bleibt nun nicht mehr auf die Gebetszeit beschränkt, sondern wird Herzenshaltung, die auch tagsüber präsent bleibt, Kuss der Liebe.
Das Gebet (abgeleitet von dem deutschen Substantiv Bitte) bezeichnet eine zentrale Glaubenspraxis vieler Religionen. Es ist eine rituelle Zuwendung an ein transzendentes Wesen (Gott, Gottheit, Göttin).

In theistischen Religionen unterscheidet sich das Gebet durch seine persönliche und kommunikative Komponente von anderen religiösen Praktiken wie Meditation, Beschwörung oder Magie. Im Buddhismus und Hinduismus entspricht ein Gebet oftmals einer Meditation. Im Konfuzianismus und Taoismus spielen Gebete eine eher untergeordnete Rolle. In indigenen Religionen, zum Beispiel Australiens, sind Gebetspraktiken bisher kaum erforscht worden.

Religionsgelehrte und Theologen, die an eine Vorherbestimmung glauben, sehen ein Paradoxon darin, den unveränderlichen Willen der Gottheit durch menschliche Gebete ändern zu wollen. Sie meinen, dass der göttliche, das Gute erstrebende Wille nicht zu ändern ist, dass aber die Gebetstätigkeit in der Lage ist, den Willen des Menschen zu stärken, seine Seele zu läutern und somit eine ganzheitliche Änderung zum Guten zu bewirken.

Gebetet werden kann im Gottesdienst, in einer Gruppe oder allein. Ganze Gottesdienste können als Gebet verstanden werden, wie der jüdische Gottesdienst am Shabbat in der Synagoge, die Eucharistiefeier der orthodoxen Kirchen, das christliche Stundengebet oder das Freitagsgebet der Muslime. Viele Religionen kennen festgesetzte Gebetszeiten.

Gebete können gesungen, laut ausgesprochen oder im stillen für sich formuliert werden. Es gibt dabei je nach Religion und Konfession unterschiedliche Körperhaltungen und Gesten: stehen, knien, niederwerfen, den Kopf senken, die Hände erheben oder falten. Ebenso mag die Haltung individuell völlig frei gewählt werden. Im Zusammenhang mit Gebeten werden oftmals Symbole verwendet, wie zum Beispiel der Rosenkranz im katholischen Gottesdienst, im Islam und Buddhismus oder das Kreuz in christlichen Gebeten.

Es gibt tradierte liturgische Gebete mit feststehenden Wortfolgen, manchmal mit Rede und Antwort in Form einer Litanei, Gebete mit Vorlagen oder spontan formulierte Gebete.

Das Gebet gehörte von Anfang an zu den wichtigsten Ausdrucksformen des christlichen Glaubens.

Bereits im Neuen Testament sind viele verschiedene Gebetsformen erwähnt: Psalmen, Bitte, Dank, Fürbitte, Anbetung. Einige der am häufigsten gebrauchten christlichen Gebete stammen aus dem Neuen Testament, z. B. das Vaterunser und das Magnificat. Besonders viele Lobeshymnen sind in der Offenbarung des Johannes enthalten.

Biblische Grundlagen

Entscheidend für das christliche Gebet, auch im Hinblick auf seine Erhörung, ist der Einklang des Beters mit dem Willen Gottes. Denn alles sei möglich nur für den, der glaube[1], also auf Gott vertraue. Dann gelte: „Bittet, so wird euch gegeben“[2]. Aber man strebe eben zuerst nach der Herrschaft Gottes, dann werde einem alles das, worum sich der Mensch sorge, zufallen[3]. Herrschaft Gottes bedeutet wohl, Jesus als Herrn[4] anzuerkennen, denn er und Gott seien eins[5]. So fordert Jesus zur Liebe zu Gott und dem Nächsten auf[6], den Menschen das zu tun, was man von ihnen erwarten würde[7]. Andererseits muss sich der Mensch, wenn er hierin versagt, wohl nicht zu sehr fürchten. Denn Versagen sei normal[8] und der „gute Hirte“ Jesus stehe für den (zweifelnden Liebes-) Versager gerade[9] und wolle ihn stets zurückgewinnen [10]. Also kann der Mensch wohl mit seinen Nöten immer wieder im Gebet mit Gott, vermittelt durch Jesus (Joh 14, 6 LUT), ins Gespräch kommen und ihn um alles das bitten, was er täglich benötige. Er müsse sich nur Jesus als seinem Herrn und Anwalt vor Gott anvertrauen. In Mt 10, 33 LUT sagt Jesus: „… wer immer mich aber vor den Menschen verleugnet, den will auch ich vor meinem Vater verleugnen, der in den Himmeln ist …“ Dies zeigt an, das zur Gebetserhörung tätiger Glaube erforderlich ist.

Gebetsformen

Das Christentum kennt viele Gebetsformen.

* Im Gottesdienst: Bei fast allen Konfessionen gehört das Vaterunser zum Gottesdienstablauf, entweder vom Liturgen oder gemeinsam gesprochen. Daneben gibt es je nach Konfession liturgische Gebete, oft im Wechsel zwischen Einzelnen und der Gemeinde, freie oder vorformulierte Gebete des Gottesdienstleiters oder gemeinsames freies Gebet der Gemeinde.
* In Gruppen oder als Gebet des Einzelnen: Es gibt feststehende Gebetsformen, z. B. das Trisagion der orthodoxen Kirche, den Angelus in der katholischen Kirche, oder das Stundengebet. Im März gibt es jedes Jahr einen ökumenischen Weltgebetstag, an dem im Gottesdienst überall dieselben Texte gebetet werden, die von Frauen eines bestimmten Landes zusammengestellt wurden. Die Evangelische Allianz hat im Januar jeweils eine Gebetswoche und regelmäßige überkonfessionelle Gebetsabende, die reihum in den Gemeinden der Allianz stattfinden.
* In der Familie: In vielen christlichen Familien sind Tischgebete üblich, häufiger gibt es ein Nachtgebet mit den Kindern. Gemeinsame Familienandachten sind heute eher selten. In manchen Familien werden die Herrnhuter Losungen oder eines christlichen (Kinder-)Kalenders wie z. B. die „Helle Straße“ vorgelesen, andere Familien beten zusammen die Komplet des Stundengebets oder den Rosenkranz.
* Kindergebete: meist in Reimform formulierte Gebete wie z. B.: „Ich bin klein, mein Herz mach (ist) rein, soll niemand darin wohnen als Jesus (Gott) allein.“ Doch beten Kinder oft auch selbst formulierte Gebete.
* Tischgebete
* Abendgebete dienen dazu den Tag mit Gott zu beschließen.
* Bibeltextbeten: Hierbei werden Bibeltexte, vorwiegend die Psalmen aus dem AT oder Gebete aus den Briefen des NT, im Wortlaut oder in eigene Worte übertragen als Gebet an Gott rezitiert. Zu den bekanntesten Bibeltextgebeten gehören das Benedictus, das Magnifikat und das Nunc dimittis, die auch im Stundengebet täglich gesungen werden.
* Gebetslieder wurden schon zu biblischer Zeit gesungen und sind in den Psalmen überliefert. Lobpreis sind an Gott gerichtete Lieder, die ihn und seine Eigenschaften und Taten preisen.
* Thematische Gebete: Es gibt ebenfalls zahlreiche Gebetsgruppen, darunter auch solche, die für besondere Anliegen beten, etwa Friedensgebete.
* Gebete per E-Mail: Vorgefertigte Gebete werden per E-Mail verschickt (z. B. Mailgebet) und können von den Lesern mit einem Internetanschluss überall gebetet werden; häufig dient es der Besinnung mitten im Alltag oder der kurzen Auszeit zwischendurch.
* 24-Stunden-Gebet: Vorwiegend im Umfeld der charismatischen Bewegung im Rahmen des Wächterrufs, aber auch in der Herrnhuter Brüdergemeine. Verschiedene Beter schließen sich zu einem Verbund zusammen, so dass an jedem Tag zu jeder Stunde „in Schichten“ gebetet wird.
* Einzelne: Hier reicht das Spektrum von einem Vaterunser vor dem Einschlafen über eine tägliche Stille Zeit, dem Beten des Stundengebets (ganz oder einzelne Horen, den Exerzitien des Ignatius von Loyola; oder völlig freiem Gebet.

Gebetsinhalte

Das Gebet beinhaltet nicht nur Anbetung, Dank und Bitte oder Fürbitte, der Bittcharakter bildet oft nur einen Aspekt des Gebetes. Gebetsinhalte sollten keine oberflächliche Bitten um bequeme Dinge sein, die man sich gerade wünscht. Auch kann man nicht gegen den anderen beten.

Der Betende nutzt das Gebet um nach seiner Ansicht in Kontakt mit seinem Gott (oder einem anderen spirituellen Wesen) zu treten. Für ihn ist es ein Zwiegespräch und er vertraut darauf, dass sein Gott weiß, was der Betende benötigt.

Gebetshaltung/Symbole

In der Kirche wird meistens stehend (Ausdruck des Respekts) oder kniend (Ausdruck der Unterwerfung) gebetet, während im persönlichen Gebet (im Kämmerlein, außerhalb der Kirche) keine bestimmte Körperhaltung verbindlich ist. Für das christliche Beten im Gottesdienst gibt das Zeremoniale mancherlei Anregungen im Blick auf die äußeren Formen, die in der jeweiligen Kirche üblich sind.

Typisch für das christliche Beten der Alten Kirche ist das freie, selbstbewusste Stehen vor Gott mit geöffneten Armen, erhobenen Händen und Augen. In späterer Zeit ist im Abendland das Falten der Hände üblich geworden. Diese Geste soll verdeutlichen, dass sich der Beter nur auf Gott konzentriert und nicht mit anderen Dingen beschäftigt ist. Die aneinander gelegten offenen Handflächen entsprechen der Haltung bei der Huldigung des Lehnsherren im mittelalterlichen Feudalsystem und wird etwa seit dem 11. Jahrhundert praktiziert. Das Gebet mit zusammengeballten Händen kam erst in der Reformation auf. Daneben gibt es noch seltenere, ältere Formen, wie das Kreuzen der Hände vor der Brust. Das Ausstrecken der Arme im Gebet stammt sogar aus dem vorchristlichen Mittelmeerraum und Orient, es geht auf die Körperhaltung der Bettler zurück. Das Beten mit erhobenen Händen wird in der katholischen Kirche von Bischöfen und Priestern geübt, wenn sie als Vorsteher der liturgischen Versammlung zu Gott sprechen, daneben regional von allen Mitfeiernden beim Beten des Vaterunsers. Es wird häufiger von Christen der charismatischen Bewegung oder der Pfingstbewegung praktiziert und geht auf eine jüdische (z. B. Klagelieder 3,41) Gebetshaltung zurück.

Katholische Christen beginnen das persönliche Gebet stets mit den der Taufformel entnommenen Worten „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Außerdem bezeichnen sie sich bei Beginn und Abschluss eines jeden Gebetes mit dem Zeichen des Kreuzes. Orthodoxe Christen bekreuzigen sich ebenfalls, wobei bei ihnen sogar die Haltung der Finger eine wesentliche Rolle spielt (siehe Kreuzzeichen). Im Protestantismus ist das Kreuzzeichen kaum noch verbreitet.

Mit dem Anzünden einer (Opfer-)Kerze kommt Licht in das Dunkel. Es ist ein Hoffnungszeichen und soll das Gebet für einen anderen Menschen oder für ein persönliches Anliegen verlängern, auch wenn der Betende beispielsweise die Kirche bereits wieder verlassen hat. Es existiert hierbei die Vorstellung, dass, solange die Kerze brennt, das Gebet zu Gott aufsteigt.

Gebetsgemeinschaften

Es gibt auch Gebetsgemeinschaften, z. B. den Rosenkranzsühnekreuzzug. Am 2. Februar 1947 gründete der Franziskanerpater Petrus Pavlicek in Wien eine „Ewige Rosenkranzgemeinschaft“, die bald in „Rosenkranz-Sühnekreuzzug“ umbenannt wurde …

Christliches Gebet um Heilung

Im Christlichen Bereich findet Gebet um Heilung in sehr unterschiedlichem Rahmen statt:

* Privat für sich oder als Fürbitte für den Nächsten im Besonderen für Familienangehörige und enge Freunde
* in der Seelsorge (z. B. Krankenhausseelsorger)
* durch die Ältesten der eigenen Kirchengemeinde nach Sündenbekenntnis (Beichte) und Ölsalbung (Jakobus Kapitel 5) (besonders verbreitet in evangelikalen Gemeinden)
* in Messen (Katholisch)
* sog. Heilungsgottesdiensten (nicht immer, aber oft charismatisch, mit Predigern bei welchen die Gabe (das Charisma) der Heilung angenommen wird.)
* in Angeboten überkonfessioneller Gruppen, die sich speziell dem Thema Gesundheit/Heilung widmen

Zur Wirkung von Fürbitten auf die Genesung, siehe Fürbitte.

Gebet in den Konfessionen

Bis heute hat das Gebet einen zentralen Platz in der Praxis aller christlichen Konfessionen.

Alle kennen das Vaterunser und die Psalmen ebenso wie persönlich formulierte Gebete und Kirchenlieder in Gebetsform. Die orthodoxen, katholischen und anglikanischen Kirchen haben eine reiche Tradition von vorformulierten Gebeten für den liturgischen und persönlichen Gebrauch (siehe liturgische Gebete), im Pietismus und im freikirchlichen Raum sind die Gebete in der Regel spontan formuliert.

Alle christlichen Konfessionen wenden sich im Gebet direkt an Gott und gehen davon aus, dass Gott Gebete hört. Christen wenden sich im Gebet an den Dreieinigen Gott, beten zu Gott dem Vater, zu Jesus Christus und manche auch direkt zum Heiligen Geist, wobei es in den meisten Konfessionen, von fest formulierten liturgischen Gebeten abgesehen, dem einzelnen überlassen ist, an wen er sich im Gebet wendet. In der katholischen und der orthodoxen Kirche können Gebete auch an Maria und an Heilige gerichtet werden, wobei diese Gebete eine Bitte um Fürsprache beim dreieinigen Gott sind.

Christen glauben, dass Gott Gebete erhört, wobei es über die Art und Häufigkeit der Gebets-Erhörung sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt.

Ebenso glauben viele Christen, dass Gott im Gebet durch den Heiligen Geist zum Betenden reden kann. Dabei kann es sich um Prophetie, Erleuchtung und persönliche Eingebungen handeln, aber ebenso um alltägliches, wie dass Gott z. B. die Aufmerksamkeit auf einen Bibelvers lenkt, der in die Situation passt, oder ein allgemeines Gefühl des Getröstetseins gibt. Praktisch alle Konfessionen, bei denen Prophetie oder Erleuchtung als Geistesgabe anerkannt sind, haben allerdings gewisse Sicherheitsregeln, um allzu wilde Fantasie in Grenzen zu halten, z. B. Beurteilung durch erfahrene Christen oder Gemeindeleiter, Beurteilung durch die Gemeinschaft anhand der Bibel, Beurteilung durch die kirchliche Lehre, vor allem aber Beurteilung vom Willen Gottes her: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (Mt 22,34–40). Was mit der Liebe (agape) nicht vereinbar ist, kann nicht Gottes Wille sein.

Lateinisch

Verbum Domini. Deo gratias.
Dominus vobiscaum. Et cum spiritu tuo.
Lectio sancti Evangelii secundum N...
Gloria tibi Domine.
Verbum Domini. Laus tibi Christe.
V... exaudire digneris. Te rogamus, audi nos.
Dominus vobiscum. Et com spiritu tuo.
Surdum corda. Habemus ad Dominum.
Gratias agamus Domino Deo nostro. Dignum et iustum est.
Mysterium fidei. Mortem tuam annuntiamus, Domine, et tuam resurrecti onem confitemur, donec venias.
... per omnia saecula saeculorum. Amen.
... Salvatoris nostri Jesu Christi.
Quia tuum est regnum, et potestas, et gloria in saecula.
Pax Domini sit semper vobiscum. Et cum spiritu tuo.
Ite, missa est. Deo gratias.
Gloria in excelsis Deo.
Et in terra pax hominibus bonae voluntatis. Laudamus te.
Benedicimus te. Adoramus te.
Glorificamus te. Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam.
Domine Deus, Rex caelestis, Deus Pater omnipotens. Domine Fili unigenite, Jesu Christe.
Domine Deus, Agnus Dei, Filius Patris. Qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Qui tollis peccata mundi, suscipe deprecationem nostram. Qui sedes ad dexteram Patris, miserere nobis.
Quoniam tu solus sanctus. Tu solus Dominus. Tu solus Altissimus, Jesu Christe. Cum Sancto Spiritu, in gloria Dei Patris. Amen.
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