Gewissensspiegel
Gewissensspiegel
Als Christ soll ich nicht nur das Böse meiden, sondern vor allem Gutes tun. Mein ganzes Leben muss mehr und mehr Ausdruck meiner Liebe zu Gott und dem Nächsten werden. Daher darf ich nicht nur nach dem Bösen fragen, das ich getan, sondern muss auch an das Gute denken, das ich unterlassen habe.
Zur Vorbereitung auf die Beichte
Du willst beichten, Deine Schuld Gott hinhalten, um im Sakrament der Beichte
die Vergebung zu erfahren. Gott kann auch außerhalb der Beichte vergeben.
Aber Dir wird es helfen, an die Vergebung Gottes zu glauben, wenn der Priester
Dir im Namen der Kirche und in der Vollmacht Christi die Sünden losspricht.
Wenn Gott Dir vergibt, dann mußt Du Dir auch selbst vergeben. Dann sollst Du
aufhören, Dich mit Schuldvorwürfen zu zerfleischen. Die Beichte will Dir helfen,
versöhnt mit Gott, mit Dir und mit den Menschen um Dich herum zu leben.
Zur Vorbereitung auf Dein Bekenntnis kannst Du Dich fragen:
Stimmt mein Leben so, wie ich es lebe? Bin ich zufrieden mit mir und
meinem
Verhalten, mit meinem Sein? Was fällt mir spontan ein, was mich am
meisten bedrückt?
Wo spüre ich in mir einen Zwiespalt? Wo lebe ich an mir und meiner
eigentlichen
Berufung vorbei?
Dann kannst Du die drei Bereiche durchgehen und überlegen, wie es Dir
damit geht:
1. Beziehung zu Gott
Lebst Du Dein Leben vor Gott oder an ihm vorbei? Bist Du in Beziehung zu
Gott oder
lebst Du nur an der Oberfläche?
Nimmst Du Dir Zeit für das Gebet, für den Gottesdienst?
Benützt Du Gott für Dich, wenn Du ihn brauchst, oder stellst Du Dich in
den Dienst
Gottes?
Welche Rituale erinnern Dich täglich an Gott und öffnen Dein Leben für
Gott?
2. Beziehung zu Dir selbst
Bist Du in Beziehung zu Dir selbst oder lebst Du einfach so dahin?
Lebst Du selbst oder wirst Du gelebt? Hörst Du auf Dich, auf Deinen
Leib, auf Deine Träume, auf die leisen Impulse Deines Herzens?
Bist Du im Einklang mit Dir selbst oder lehnst Du Dich selber ab?
Was kannst Du bei Dir selbst nicht annehmen?
Kannst Du Dich wirklich selber lieben oder rebellierst Du gegen Dich, so
wie Du bist?
Lebst Du im Augenblick?
Hast Du jeden Tag ein paar Augenblicke, in denen Du ganz Du selber bist, in
denen Du bei Dir bist und so auch bei Gott?
Hetzt Du von einem Termin zum andern?
Bist Du gehetzt? Hetzen kommt von Hassen. Haßt Du Dich selber?
Wie kommst Du mit Deinen Emotionen und Leidenschaften zurecht, mit Ärger
und Wut, mit Eifersucht und Traurigkeit,
mit Deiner Sexualität, mit dem Essen und Besitzenwollen? Wo wirst Du von
einem Trieb beherrscht, anstatt Dich von ihm zum Leben und zu Gott treiben zu
lassen?
3. Beziehung zum Nächsten
Schaue zuerst Deine Beziehung an zu den nächsten Menschen, zu Deinem Ehepartner,
Deiner Familie, Deinen Freunden! Wo hast Du einen ans diesem Kreis verletzt?
Wo bist Du wenig sensibel? Spürst Du ihre Nöte und gehst auf sie ein?
Hörst Du hin, was sie Dir sagen? Hörst Du auf die Signale, die sie Dir geben, wenn es
ihnen nicht gut geht, wenn sie häufig krank sind? Siehst Du sie ohne Vorurteile oder
hast Du für alles eine schnelle Erklärung bereit?
Wie ist Deine Beziehung zu den Arbeitskollegen, zu Mitarbeitern, zu den
Nachbarn, zu Menschen aus Deiner Gemeinde? Mit wem bist Du in Streit? Streitest Du
fair oder hast Du Dich in dan Konflikt hineingesteigert? Wie redest Du über andere?
Sprichst Du ständig über die Fehler der andern?
Was sagt Dein Sprechen über Dich selbst aus? "Was nicht in uns ist, das
regt uns auch nicht auf", sagt Hermann Hesse.
Wen hast Du verletzt? Bei wem möchtest Du Dich entschuldigen? Wem hast Du geschadet?
Du mußt in der Beichte nicht alles sagen, was Du falsch gemacht hast.
Aber was möchtest Du heute einmal besonders ansprechen? Wo möchtest Du weiter kommen?
Was möchtest Du bis zur nächsten Beichte besonders angehen? Welche
Schritte möchtest Du tun, um mit Dir und Deinem Verhalten weiter zu kommen? Welches
Programm könnte Dir dabei helfen?
Halte Gott Deine Schuld hin und vertraue darauf, dass Er Dich ganz und gar
annimmt.
Versuche, Dich nun auch selbst anzunehmen. Laß das Vergangene los und
versuche, einen neuen Anfang zu setzen! Danke Gott für die Möglichkeit, das Alte
zu lassen und von vorne zu beginnen. Vergebung heißt, dass Du nicht festgelegt bist
auf die Vergangenheit, sondern dass Du immer wieder neu beginnen kannst. Halte
Dich und Deine Schuld in die Liebe Gottes hinein und söhne Dich aus mit Dir und
Deiner Schuld! Dann wirst Du einen Schritt weiter kommen auf dem Weg der
Einswerdung mit Dir, mit Gott und mit dem Nächsten.
Quelle: Gotteslob
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