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Jesus Sirach

Jesus Sirach

Das Buch Jesus Sirach (Ben Sira, Siracides, Sophia Seirach oder Ecclesiasticus, abgekürzt Sir, auch fälschlich Ben Sirach durch Vermischung von Ben Sira und Jesus Sirach) ist ein Buch der Weisheitsliteratur, das ungefähr 180 v. Chr. von dem in Jerusalem lebenden Juden Jesus ben Eleazar ben Sira auf Hebräisch verfasst und später von seinem Enkel in Ägypten ins Griechische übersetzt wurde. Die griechische Übersetzung enthält ein Vorwort dieses Enkels. Es ist möglich, dass das Buch Jesus Sirach von der ägyptischen Lehre des Cheti beeinflusst wurde.

Obwohl das Buch nicht in den jüdischen Kanon aufgenommen wurde, wird es im Talmud zitiert, was die Hochschätzung des Buches durch die Rabbinen bezeugt. Es ist Teil der Septuaginta und wird von Katholiken und orthodoxen Christen – jedoch nicht von Protestanten und den meisten freikirchlichen Christen – als Teil der Bibel angesehen. In den Kirchen der Reformation, die das Buch Jesus Sirach nicht unter die Bücher des Alten und Neues Testaments, sondern unter die Apokryphen rechnen, war das Buch jedoch sehr beliebt und wurde unzählige Male nachgedruckt und in der Spruchunterweisung verwendet, wie Ernst Koch nachgewiesen hat.

Das Buch wurde in der lateinischen Kirche liber ecclesiasticus (Latein und latinisiertes Griech. für Kirchenbuch) genannt, weil es in der Ausbildung der Katechumenen auf die Taufe hin als Lehrbuch verwendet wurde. Heute wird statt Ecclesiasticus häufiger der Titel Jesus Sirach oder einfach Sirach benutzt. Ecclesiasticus ist nicht zu verwechseln mit Ecclesiastes, einem anderen Namen für das Buch Kohelet (Prediger Salomo).
(Quelle: Wikipedia)

Zu den deuterokanischen Schriften des AT zählende Sammlung von Verhaltensmaßregeln, Erfahrungssätzen aus allen Lebensbereichen, Glaubensermahnungen und Verheißungen mit dem Ziel, Weisheit zu vermitteln; verfaßt in Jerusalem um 190-180 v.Chr. von Jesus, dem Sohn Eleasars, des Sohnes Sirachs. Das Buch ist überliefert mit einem Vorwort des Enkels von J.S., der es um 130 v.Chr. in Ägypten ins Griechische übertrug. Die Septuaginta hat das Buch in die Reihe der Weisheitsbücher gestellt, neben Kohelet, die Sprüche und das Hohelied. Wegen seiner Bedeutung als Sittenlehre wurde es im Lateinischen "Liber Ecclesiasticus"="Buch der Kirche" genannt.

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Kapitel 1: Lob der Weisheit

Alle Weisheit kommt vom HERRN, denn bei ihm ist sie für immer zu Haus. Wer kann die Regentropfen zählen, wer die Sandkörner am Meeresstrand? Wer zählt die Tage der Ewigkeit? Wer kann messen, wie hoch der Himmel ist, wie weit die Erde, wie tief das Meer? Vor allem anderen wurde die Weisheit geschaffen, schon seit Urzeiten gibt sie Einsicht und Klugheit. Wem wurde der Ursprung der Weisheit enthüllt, wer hat ihre klugen Pläne durchschaut? Einer allein ist wirklich weise und verdient unsere tiefste Ehrfurcht: Er, der auf dem Thron des Himmels sitzt! Der HERR selber hat die Weisheit geschaffen; er hat sie geprüft, ihren Wert erkannt und alle seine Werke mit ihr erfüllt. Allen Menschen gab er daran Anteil, besonders reichlich denen, die ihn lieben.

Wer den HERRN ernst nimmt, kommt zu Ehre und Ruhm, mit Glück und Freude wird er gekrönt. Ehrfurcht vor dem HERRN erquickt das Herz, gibt fröhlichen Sinn und ein langes Leben. Wer ihn ehrt, dem geht es am Ende gut, und am Tag seines Todes wird er gepriesen. Ehrfurcht vor dem HERRN ist der Anfang der Weisheit; wer zu GOTT hält, dem ist sie angeboren. Von jeher wohnt sie bei solchen Menschen, auch bei deren Nachkommen wird sie bleiben. Ehrfurcht vor dem HERRN ist die Fülle der Weisheit, sie beglückt die Menschen mit ihren Früchten. Sie füllt die Häuser und Vorratskammern mit allem, was man sich wünschen kann. Ehrfurcht vor dem HERRN ist die Krone der Weisheit; wo sie herrscht, blühen Wohlstand und Gesundheit. Einsicht und Erkenntnis gießt sie aus wie Regen; sie mehrt den Ruhm aller, die sie bewahren. Ehrfurcht vor dem HERRN ist die Wurzel der Weisheit, und ihre Zweige sind ein langes Leben.

Selbstbeherrschung und Aufrichtigkeit

Für unberechtigtes Aufbrausen gibt es keine Entschuldigung; wer sich vom Zorn hinreißen läßt, bringt sich selbst zu Fall. Der Geduldige kann warten, bis der rechte Augenblick gekommen ist; später freut er sich darüber. Bis zum richtigen Zeitpunkt behält er seine Gedanken für sich, und alle preisen ihn für seine Klugheit.

In den Schatzkammern der Weisheit liegen einsichtsreiche Lehren; aber Sünder verabscheuen es, nach GOTTES Willen zu fragen. Willst du Weisheit erlangen, so befolge GOTTES Gebote, dann wird er dir Weisheit schenken. Den HERRN ehren und ihm gehorchen, das ist Weisheit und Bildung; über Treue und Demut freut er sich.

Höre nicht auf, den HERRN ernst zu nehmen, und tu es nicht mit geteiltem Herzen! Rede den Leuten nicht nach dem Mund, nimm deine Worte in acht! Sei nicht überheblich, damit du nicht stürzt und dich selbst in Schande bringst. Der HERR würde deine verborgenen Gedanken aufdecken und dich vor der ganzen Gemeinde bloßstellen, wenn du nicht mit Ehrfurcht vor ihn trittst, sondern mit einem Herzen voller Hintergedanken.

Kapitel 2: Treue zu GOTT in der Erprobung

Mein Sohn, wenn du dir vorgenommen hast, dem HERRN zu dienen, richte dich darauf ein, daß du auf die Probe gestellt wirst. Bleibe unbeirrt bei deinem Entschluß, und wenn es dann ernst wird, behalte die Ruhe! Bleibe ganz eng mit dem HERRN verbunden, verlaß ihn niemals; dann kannst du am Ende nur gewinnen. Nimm alles an, was dir zustößt; selbst wenn du Demütigungen erfährst, ertrage sie mit Geduld! Denke daran: Gold wird im Feuer auf seine Echtheit geprüft; und Menschen, die GOTT angenommen hat, müssen durch den Schmelzofen der Demütigung gehen. Vertrau dem HERRN, er wird dir beistehen; bleibe auf dem geraden Weg und hoffe auf ihn!

Ihr, die ihr den HERRN ernst nehmt, rechnet mit seinem Erbarmen! Wendet euch nicht von ihm ab, damit ihr nicht zu Fall kommt. Setzt euer Vertrauen auf ihn, der Lohn dafür bleibt nicht aus. Erwartet von ihm Glück, unvergängliche Freude und Erbarmen! Erinnert euch an die Generationen die vor euch waren, und fragt euch: Ist je einer enttäuscht worden, der dem HERRN vertraute? Hat er je einen verlassen, der ihm gehorsam blieb? Hat er je einen überhört, der zu ihm um Hilfe rief? Ihr wißt doch: Der HERR ist voll Liebe und Erbarmen, er vergibt Schuld und hilft im Augenblick der Not.

Weh den Zaghaften und Unentschlossenen, den Sündern, die auf zwei Wegen gleichzeitig gehen wollen! Weh den Unentschiedenen, die sich nicht an der HERRN halten; sie werden keinen Schutz finden. Weh denen, die nicht durchhalten können! Was wollen sie tun, wenn der HERR sie zur Rechenschaft zieht? Wer den HERRN ernst nimmt, widersetzt sich nicht seinen Befehlen. Wer ihn liebt, lebt so, wie der HERR es will. Wer ihn liebt und ehrt, will ihm Freude machen und hält sich an sein Gesetz. Alle, die den HERRN ernst nehmen, machen sich bereit, ihm zu begegnen. Sie beugen sich unter seine Macht und sagen: Wir wollen lieber in die Hand des HERRN fallen als in die Hände von Menschen; denn sein Erbarmen ist genauso groß wie seine Majestät.

Kapitel 3: Pflichten gegenüber den Eltern

Ihr Kinder, hört auf mich, euren Vater! Folgt meinem Rat, dann geht es euch gut. Denn der HERR hat dem Vater Autorität über die Kinder gegeben und die Rechte der Mutter gegenüber den Söhnen festgelegt. Wer seinen Vater ehrt, gleicht damit manchen Fehler aus; und wer seine Mutter achtet, kommt zu Ansehen und Wohlstand. Wer seinen Vater ehrt, dem werden die eigenen Kinder Freude bereiten, und seine Gebete werden erhört. Wer seinen Vater achtet, wird lange leben; und wer dem HERRN gehorcht, der macht das Herz seiner Mutter ruhig. Ein solcher Mensch dient seinen Eltern wie ein Sklave seinem HERRN. Mach deinem Vater Ehre mit allem, was du sagst und tust, damit sein Segen auf dich kommt. Vergiß nicht: Der Segen der Eltern festigt die Häuser der Kinder, aber ihr Fluch reißt die Mauern nieder bis auf den Grund.

Suche nie auf Kosten deines Vaters berühmt zu werden; denn die Herabsetzung deines Vaters ist keine Ehre für dich. Dein eigener Ruhm hängt von der Ehre deines Vaters ab. Und wenn eine Mutter nicht geehrt wird, ist das eine Schande für ihre Kinder. Mein Sohn, sorge für deinen Vater, wenn er alt geworden ist; mach ihm keinen Kummer, solange er lebt! Sei nachsichtig mit ihm, wenn sein Verstand abnimmt; sieh nicht auf ihn herab, weil du noch stark und kräftig bist! Der HERR wird es dir nicht vergessen, wenn du mit deinem Vater barmherzig bist; er wird es dir als Sühne für viele Verfehlungen anrechnen. Er wird wegschmelzen wie Eis an der Sonne. Wer aber seinen Vater im Stich läßt, ist genauso schlimm wie einer, der GOTT lästert. Und wer seine Mutter kränkt, über den kommt der Fluch des HERRN.

Über die Bescheidenheit

Mein Sohn, sei bescheiden bei allem, was du tust; dann wird man dich mehr lieben als einen, der Geschenke macht. Sei um so bescheidener, je angesehener du bist; damit erwirbst du dir die Gunst des HERRN. Die Macht des HERRN ist gewaltig, er wird von denen geehrt, die sich vor ihm beugen. Versuche nicht, hinter Dinge zu kommen, die deinen Verstand übersteigen; befaß dich nicht mit Fragen, die dein Wissen überfordern! Denk nach über das, was dir aufgetragen ist! Was GOTT dir verborgen hat, brauchst du nicht zum Leben. Vergeude deine Kraft nicht an Aufgaben, die zu schwer für dich sind! Schon das, was du bisher gesehen hast, ist mehr, als menschlicher Verstand erfassen kann. Viele haben sich in ihren eigenen Gedankengängen verirrt, ihr Wahnwitz hat ihr Denken durcheinander gebracht.

Über Starrsinn und Hochmut

Wer starrsinnig ist, nimmt ein böses Ende; und wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer starrsinnig ist, verschafft sich selbst viel Ärger; und ein Sünder macht seine Schuld immer größer. Nichts, was einem hochmütigen Menschen zustößt, kann ihn bessern; sein Hochmut ist ein Unkraut mit tiefen Wurzeln. Wer verständig ist, lernt aus Sprichwörtern und Beispielen; er hört aufmerksam zu, weil er klug werden will.

Über die Hilfsbereitschaft

Wie Wasser loderndes Feuer löscht, so löscht Freigebigkeit gegenüber Armen manche Verfehlung aus. Wer auf einen Hilfeschrei antwortet, denkt an seine Zukunft: Wenn er selbst in Not gerät, wird er Hilfe finden.

Kapitel 4:

Mein Sohn, bringe einen Armen nicht um das, was er zum Leben braucht. Und wenn seine Augen dich anflehen, dann laß ihn nicht vergebens warten! Laß einen Bedürftigen nicht hungern und kränke ihn nicht; er hat es schon schwer genug! Wenn jemand verbittert ist, dann verletze ihn nicht noch mehr. Laß keinen warten, der auf deine Hilfe angewiesen ist. Weise niemand ab, der sich in seiner Not an dich wendet. Sieh nicht weg, wenn ein Armer dich bittet; gib ihm keinen Grund, dich zu verfluchen! Denn wenn er so verzweifelt ist, daß er dich verflucht, wird sein Schöpfer den Fluch wahr machen.

Mach dich in der Gemeinde beliebt; verbeuge dich vor denen, die Autorität haben. Einem Armen aber höre besonders aufmerksam zu, antworte ihm freundlich und höflich! Befreie den Unterdrückten aus der Gewalt seines Unterdrückers, und sei nicht ängstlich, wenn du für das Recht eintrittst. Sorge für die Waisenkinder wie ein Vater und für ihre Mutter wie der Mann, den sie verloren hat. So erweist du dich als ein Sohn des Allerhöchsten; er wird dich mehr lieben als deine eigene Mutter.

Die Weisheit als Lehrerin

Die Weisheit bringt ihre Söhne zu Ehren; sie kümmert sich um alle, die sie suchen. Wer sie liebt, liebt das Leben. Wer ihretwegen früh aufsteht, erlebt viel Freude. Wer sie besitzt, kommt zu großen Ehren; jedes Haus, das er betritt, segnet der HERR. Alle, die der Weisheit dienen, dienen dem heiligen GOTT; er liebt jeden, der die Weisheit liebt. Wer auf sie hört, wird über die Völker zu Gericht sitzen. Wer sich an sie hält, lebt in Sicherheit. Wer ihr vertraut, erhält sie zum Besitz und wird sie an seine Kinder weitergeben.

Anfangs führt dich die Weisheit auf gewundenen Pfaden. Sie erschreckt dich so sehr, daß du Angst hast weiterzugehen. Ihre strenge Erziehung ist eine Qual für dich. Mit ihren Forderungen stellt sie dich so lange auf die Probe, bis sie dir völlig vertrauen kann. Dann aber kommt sie auf dem geradesten Weg zu dir, enthüllt dir ihre Geheimnisse und erfüllt dich mit Freude. Doch wenn du von ihrem Weg abweichst, zieht sie sich zurück und läßt dich in dein Verderben laufen.

Mut zur Wahrheit

Denke daran, in was für eine Zeit du lebst, und hüte dich, etwas Verkehrtes zu tun! Du sollst dich doch nicht vor dir selber schämen müssen! Es gibt eine Scheu, die dich schuldig werden läßt, und eine andere Scheu, die dir Ruhm und Ehre einbringt. Sei unparteiisch, sonst schadest du dir selbst. Laß dich nicht von deiner eigenen Scheu zu Fall bringen! Wenn der Augenblick es erfordert, mach den Mund auf und rede! Du brauchst dein Wissen nicht zu verstecken. Ob du Weisheit und Bildung besitzt zeigt sich an dem, was du sagst. Auf keinen Fall widersprich der Wahrheit! Scheu dich zu reden, wenn du nicht Bescheid weißt. Aber scheu dich nicht, deine Verfehlungen zu bekennen; es wäre sinnlos, den Lauf eines Flusses aufhalten zu wollen. Laß dich nicht von einem dummen Menschen beherrschen, und von einem mächtigen laß dich nicht einschüchtern! Kämpfe für die Wahrheit unter Einsatz deines Lebens; GOTT, der HERRN wird selbst den Kampf für dich führen.

Sei nicht voreilig mit Worten, aber auch nicht faul und träge mit Taten! Benimm dich vor deinen Hausgenossen nicht wie ein Löwe, aber auch nicht wie ein Gespensterseher! Wenn du die Hand zum Nehmen öffnest, dann schließe sie nicht, wenn es ums Geben geht!

Kapitel 5: Über trügerische Sicherheit

Verlaß dich nicht auf deinen Reichtum; bilde dir nicht ein, daß er dich unabhängig macht. gib nicht jedem Wunsch nach, den du dir erfüllen kannst; du mußt nicht alles haben, was du begehrst. Rede dir nicht ein, niemand habe Macht über dich. Der HERR sorgt für das Recht und wird es auch bei dir durchsetzen. Denke nicht: Ich habe zwar Unrecht begangen, aber es ist mir nichts geschehen. Der HERR läßt sich Zeit! Du solltest dir nicht so sicher sein, daß er dir alles vergibt und du deshalb ruhig Schuld auf Schuld häufen kannst. Rede dir nicht ein: Sein Erbarmen ist grenzenlos; darum wird er mir meine viele Sünden schon vergeben. Es ist wahr: Bei ihm ist viel Erbarmen - aber auch Zorn! Und den bekommen die Sünder zu spüren. Deshalb kehre schnelle wieder zum HERRN zurück! Verschieb es nicht von einem Tag auf den anderen! Sein Zorn kann dich ganz plötzlich treffen, und dann bist du verloren! Verlaß dich nicht auf deinen Reichtum, erst recht nicht, wenn du ihn durch Unrecht erworben hast. Er wird dir nichts nützen wenn GOTTES Hand zuschlägt.

Über verantwortliches Reden

Häng deinen Mantel nicht nach dem Wind und tanze nicht auf jeder Hochzeit; beides tun doppelzüngige, charakterlose Menschen. Bleibe entschieden bei deiner Überzeugung und steh zu dem, was du sagst. Sei immer bereit zu hören, aber laß dir Zeit mit der Antwort! Antworte einem anderen nur, wenn du weißt, wovon du redest; sonst halte lieber den Mund! Was du sagst, kann dir Ehre oder Schande einbringen; deine Zunge kann dir sogar zum Verderben werden. Sorge dafür, daß man dich nicht einen Verleumder nennt; stifte mit deiner Zunge kein Unheil! Ein Dieb erntet Schande; doch den Doppelzüngigen trifft ein strenges Urteil.

Kapitel 6:

Vermeide die kleinen Fehler genauso wie die großen. Wenn du jemandes Freund bist, dann begegne ihm nicht als Feind! Ein schlechter Ruf hat Schimpf und Schande im Gefolge; so geht es jedem doppelzüngigen charakterlosen Menschen. Laß dich nicht von deinen Wünschen beherrschen; sie könnten deine ganze Kraft aufzehren. Was sie dann von dir übriglassen, gleicht einem kahlen Baum, von dem alle Blätter und Früchte abgefressen sind. Böse Wünsche vernichten den, der sie hat, und machen ihn zum Gespött seiner Feinde.

Über den Umgang mit Freunden

Durch freundliche Worte gewinnst du viele Freunde, und einleuchtende Rede verschafft dir ihre Zustimmung. Menschen, die dich grüßen, solltest du viele haben; aber als Ratgeber nimm nur einen unter tausend! Wenn du jemand zu deinem Freund machen willst, dann vertrau dich ihm nicht zu schnell an; finde zuerst heraus, ob er es verdient. Mancher ist dein Freund, solange es für ihn nützlich ist; sobald du in Schwierigkeiten gerätst, ist er nicht mehr da. Es gibt Freunde, die geraten mit dir in Streit und hängen es gleich an die große Glocke; den Ärger davon hast dann du. Es gibt Freunde, die mit an deinem Tisch sitzen, solange bei dir alles zum besten steht. Sie folgen dir wie dein Schatten und befehlen deinen Dienern, als wären es ihre eigenen. Aber sobald du in Schwierigkeiten gerätst, verschwinden sie. Wenn es dir schlecht geht, wollen sie nichts von dir wissen und lassen sich nicht mehr sehen.

Halte dich fern von deinen Feinden, und nimm dich in acht vor deinen Freunden! Ein zuverlässiger Freund ist wie ein sicherer Zufluchtsort. Wer einen solchen Freund gefunden hat, der hat einen wahren Schatz gefunden. Er ist so wertvoll, daß er mit nichts zu bezahlen ist. Ein zuverlässiger Freund ist ein echtes Heilmittel; wer dem HERRN gehorcht, findet einen solchen Freund. Wer sich an den HERRN hält, der kann auch rechte Freundschaft halten; denn er wird einen Gefährten finden, der zu ihm paßt.

Wie man Weisheit erwirbt

Mein Sohn, jetzt, wo du jung bist, entscheide dich für das Lernen; dadurch wirst du bis ins hohe Alter Weisheit finden. Wenn es dir um Weisheit geht, mußt du dich anstrengen wie ein Bauer, der seinen Acker pflügt und besät; dann kannst du auch eine reiche Ernte erwarten. Es kostet einige Mühe, Weisheit zu erwerben; aber schon bald wirst du ihre Früchte genießen. Für einen Dummkopf sind ihre Anforderungen zu schwer; wer keinen Verstand hat, hält es nicht bei ihr aus. Sie kommt ihm vor wie ein großer Stein, an dem er seine Kraft messen soll; darum läßt er sie schnell wieder fallen. Die Weisheit ist, wie ihr Name sagt, nur etwas für Weise; darum bekommen nur wenige sie zu sehen.

Mein Sohn, hör auf meinen Rat, schlage ihn nicht in den Wind! Leg dir selbst die Fesseln der Weisheit um die Füße und ihren eisernen Ring um den Hals! Nimm sie auf die Schultern und trage sie, ärgere dich nicht über ihre Stricke! Laß dich mit deinem ganzen Willen auf sie ein und folge ihr mit deiner ganzen Kraft! Geh ihren Spuren nach und suche sie; sie wird sich dir zu erkennen geben. Und wenn du sie ergriffen hast, dann laß sie nicht wieder los! Am Ende wirst du bei ihr Ruhe finden, und deine Mühe wird sich in Freude verwandeln. Dann werden ihre Fußfesseln für dich zum starken Schutz und ihr Halseisen zum prächtigen Gewand. Ihr Joch wird zum goldenen Schmuck und ihre Stricke zu purpurfarbenen Bändern. Wie ein Prachtgewand wirst du sie tragen und wie eine strahlende Krone.

Mein Sohn, wenn du lernen willst, dann kannst du es auch. Wenn du dazu entschlossen bist, kannst du klug und geschickt werden. Wenn du gerne zuhörst, wirst du lernen und weise werden. Geh dorthin, wo die Alten beieinander sitzen. Und wenn du einen Weisen unter ihnen findest, halte dich zu ihm! Hör aufmerksam zu, wenn von göttlichen Dingen geredet wird. Achte darauf, daß dir kein lehrreiches Wort entgeht! Wenn du einen klugen Menschen gefunden hast, dann steh früh auf und geh zu ihm! Betritt sein Haus so oft, daß seine Türschwelle abgenutzt wird. Überdenke immer wieder die Vorschriften und Gebote des HERRN! Er selbst wird dein Herz fest machen und dir die ersehnte Weisheit schenken.

Kapitel 7: Verschiedene Ratschläge

Tu nichts Böses, dann wird dir nichts Böses geschehen. Trenn dich selbst vom Unrecht, dann wird es dir fernbleiben. Säe kein Unrecht aus, sonst wächst in den Furchen eine siebenmal schlimmere Ernte.

Bitte den HERRN nicht um eine führende Stellung und den König nicht um einen Ministersessel! Versuche nicht, den HERRN von deiner Tadellosigkeit zu überzeugen, auch nicht den König von deiner Klugheit. Wünsche dir nicht, Richter zu werden, wenn du nicht genügend Kraft hast, dem Unrecht die Stirn zu bieten. Sonst würdest du dich von einem Mächtigen beeinflussen lassen und dich selbst unmöglich machen. Schädige nicht das Wohl der Stadt, sonst bringst du dich bei deinen Mitbürgern in Verruf.

Mach nicht zweimal denselben Fehler, schon das erste Mal bringt dir Strafe ein.

Rede dir nicht ein: GOTT, der Höchste, wird mir die vielen Opfergaben anrechnen, die ich ihm darbringe.

Laß dir viel Zeit zum Beten; aber beeile dich, den Armen zu helfen!

Mach dich nicht lustig über einen, der verzweifelt ist! Denk an den, der Menschen erniedrigen und erhöhen kann!

Verbreite keine Lügen über deine Brüder und Freunde. Du sollst überhaupt nicht lügen; denn die Gewöhnung daran führt zu nichts Gutem.

Rede kein dummes Zeug in der Versammlung erfahrener Männer! Und wenn du betest, sag nicht alles zweimal!

Drücke dich nicht vor der Feldarbeit oder anderer harter Arbeit; GOTT, der Höchste, hat sie uns zugeteilt.

Schließ dich nicht einem Haufen schlechter Menschen an; denk daran, daß GOTTES Strafe nicht ausbleibt!

Gib allem Hochmut den Abschied; denn was den Menschen erwartet, ist Verwesung.

Rechtes Verhalten in Haus und Familie

Tausch einen Freund nicht gegen Geld ein und einen treuen Bruder nicht einmal gegen feinstes Gold!

Wenn du eine gute und kluge Frau heiraten kannst, dann verpaß nicht die Gelegenheit! Eine liebenswürdige Frau ist wertvoller als Gold.

Einen Sklaven, der treu für dich arbeitet, oder einen Lohnarbeiter, der sich willig für dich einsetzt, darfst du nicht schlecht behandeln. Einem verständigen Sklaven begegne mit Liebe; weigere dich nicht, ihn freizulassen!

Wenn du Vieh besitzt, kümmere dich selbst darum; und wenn es dir Nutzen bringt, dann verkaufe es nicht!

Hast du Söhne? Erzieh sie und treib ihnen von klein auf den Starrsinn aus! Hast du Töchter? Nimm sie gut ich acht; geh nicht zu freundlich und nachsichtig mit ihnen um! Wenn du eine Tochter verheiratet hast, dann hast du ein großes Werk vollbracht. Aber gib sie nur einem vernünftigen Mann!

Wenn du eine Frau geheiratet hast, die deinen Vorstellungen entspricht, schick sie nicht fort! Aber einer Frau, die du nicht liebst, schenke kein Vertrauen!

Ehre deinen Vater von ganzem Herzen, und vergiß nicht die Schmerzen, die deine Mutter deinetwegen erlitten hat! Denk daran, daß du deinen Eltern das Leben verdankst! Wie könntest du ihnen jemals vergelten, was sie für dich getan haben?

Besondere Verpflichtungen

Begegne dem HERRN mit tiefer Ehrfurcht und seinen Priestern mit Verehrung! Liebe deinen Schöpfer mit aller deiner Kraft und laß seine Diener nie im Stich! Nimm den HERRN ernst und achte die Priester! Gib ihnen, was ihnen zusteht, so wie es dir befohlen ist: die ersten Früchte des Feldes und der Bäume, die Wiedergutmachungsopfer, die Vorderkeulen der Opfertiere, den Anteil an allen Gaben, die GOTT geweiht werden, und den zehnten Teil deiner Erträge.

Hilf den Armen; GOTT wird dich dafür reichlich segnen. Allen Lebenden gegenüber sei freigebig, und auch den Toten erweise die schuldige Liebe! Wende dich von den Trauernden nicht ab, sondern weine mit ihnen! Versäume nicht, die Kranken zu besuchen; sie werden dich dafür lieben. Denk bei allem, was du tust, an dein Ende; dann wirst du nie etwas Unrechtes tun.

Kapitel 8: Klugheit und Vorsicht beim Umgang mit Menschen

Fordere keinen Mächtigen heraus; du könntest in seine Gewalt geraten! Streite dich nicht mit einem Reichen; er könnte andere mit seinem Geld bestechen, gegen dich auszusagen. Gold hat schon viele ins Verderben gestürzt, sogar den Charakter von Königen hat es verdorben. Führe kein Wortgefecht mit einem Schwätzer; du würdest nur Öl in sein Feuer gießen! Scherze nicht mit einem ungehobelten Menschen; sonst beleidigt er noch deine Vorfahren. Mach einem anderen keine Vorhaltungen, wenn er sich bereits von seinen Verfehlungen abkehrt. Vergiß nicht, daß wir alle schuldig sind! Verachte keinen, weil er alt ist; auch einige von uns werden alt! Freue dich nicht über den Tod eines anderen; erinnere dich, daß wir alle sterben müssen!

Laß nicht außer acht, was erfahrene Menschen gesagt haben, sondern beschäftige dich eingehend mit ihren Lehren! Dadurch kannst du dich bilden und lernen, wie man den Großen dienen soll. Hör gut zu, wenn die Alten erzählen; auch sie haben es von ihren Vätern gehört. Durch sie gewinnst du Einsicht und lernst, wie du antworten sollst, wenn es darauf ankommt.

Gib einem gewissenlosen Menschen keine Gelegenheit, Unheil zu stiften! Damit würdest du ein Feuer anzünden, an dem du dich selber verbrennen könntest. Laß dich von einem frechen Spötter nicht aus der Fassung bringen; sonst dreht er dir aus deinen eigenen Worten einen Strick! Leihe keinem etwas, der mächtiger ist als du! Wenn du es doch tust, kannst du es gleich abschreiben. Leiste keine Bürgschaft, die dein Vermögen übersteigt! Wenn du es doch tust, richte dich darauf ein, daß du zahlen mußt! Prozessiere nicht gegen einen Richter; wegen seiner Stellung würde er den Prozeß gewinnen. Geh nicht zusammen mit einem Waghals auf Reisen! Er bringt dich von einer Schwierigkeit in die andere, weil er immer seinen Kopf durchsetzen muß; und wegen seiner Verrücktheit kommst du schließlich mit ihm um. Laß dich auf keinen Streit mit einem Jähzornigen ein, geh auch mit ihm nirgendwo hin, wo ihr allein seid! Im Jähzorn ist er sogar zum Totschlag fähig, und wenn keine Hilfe in der Nähe ist, bringt er dich um. Führe kein vertrauliches Gespräch mit einem Dummkopf; denn was du ihm sagst, kann er nicht für sich behalten. In Gegenwart eines Fremden tu nichts, was er nicht sehen soll! Du weißt ja nicht, ob er es gegen dich verwendet. Schütte nicht jedem dein Herz aus; es würde dir wenig Freude einbringen.

Kapitel 9: Über den Umgang mit Frauen

Plage die Frau, die du liebst, nicht mit eifersüchtigen Verdächtigungen; damit brächtest du sie nur auf böse Gedanken gegen dich. Liefere dich keiner Frau so weit aus, daß sie dich beherrscht! Gib dich nicht mit der Frau eines anderen ab, damit du nicht in ihr Netz gehst! Halte dich nicht bei einer Frau auf, die für dich singt und spielt und tanzt; sie könnte dich mit ihren Künsten umgarnen. Schau nicht zu lange nach einem jungen Mädchen; es könnte dich teuer zu stehen kommen. Gib dich nicht mit Prostituierten ab; sie bringen dich um Hab und Gut. Streif nicht mit suchenden Blicken durch die Gassen und abgelegenen Winkeln der Stadt! Wenn du eine schöne Frau siehst, wende deine Augen von ihr ab! Richte deinen Blick nicht auf Reize, die dir nicht gehören! Frauenschönheit hat schon viele Männer auf Abwege gebracht, denn an ihr entzündet sich die Leidenschaft wie ein Feuer. Setz dich nie zusammen mit einer verheirateten Frau zum Essen und Trinken nieder! Du könntest dein Herz an sie verlieren, und deine Leidenschaft brächte dich ins Verderben.

Über den Umgang mit anderen Männern

Gib keinen alten Freund auf; ein neuer kann ihn dir niemals ersetzen! Mit einem neuen Freund ist es wie mit dem Wein: Erst wenn er alt geworden ist, schmeckt er richtig. Beneide keinen schlechten Menschen um seinen Erfolg; du weißt nicht, wie es mit ihm ausgeht. Liebäugle nicht mit dem Glück gewissenloser Menschen; denk daran, daß sie nicht bis zum Tod straffrei bleiben! Halte gehörigen Abstand zu einem, der Macht hat, dich zu töten; dann mußt du keine Angst um dein Leben haben! Wenn du ihm aber nicht ausweichen kannst, hüte dich vor jedem falschen Schritt; sonst ist es um dich geschehen! Halte dir vor Augen, daß du auf einem Weg voller Fußangeln gehst oder wie oben auf der Stadtmauer, ein leichtes Ziel für feindliche Pfeile.

Lerne deine Mitmenschen kennen, so gut du kannst; aber Rat und Hilfe suche nur bei den Klugen! Unterhalte dich mit verständigen Leuten, und bringe das Gespräch auf das Gesetz GOTTES, des Höchsten! Männer, die GOTT gehorchen, sollen deine Tischgenossen sein; den HERRN zu ehren sei dein größter Stolz!

Über Regierende

Künstler rühmt man das Werk, das seine Hände geschaffen haben; einen Herrscher rühmst das Volk für seine einsichtigen klugen Reden. Ein Schwätzer ist in seiner ganzen Stadt gefürchtet, und wer unüberlegt redet, macht sich verhaßt.

Kapitel 10:

Ein weiser Herrscher hält sein Volk in Zucht, seine Einsicht festigt seine Autorität. Wie der Herrscher eines Volkes, so sind auch seine Minister; wie das Oberhaupt einer Stadt, so die Bewohner. Ein ungebildeter König richtet sein Volk zugrunde; ein Staatswesen hängt ab vom Sachverstand seiner Führer. In der Hand des HERRN liegt alle Regierung auf der Erde; er setzt zur rechten Zeit den richtigen Mann als Herrscher ein. Auch der Erfolg dieses Mannes liegt in der Hand des HERRN; er verleiht dem Gesetzgeber seine Autorität.

Warnung vor Überheblichkeit

Trag es einem anderen nicht ewig nach, wenn er Unrecht getan hat, und handle nie aus gekränktem Stolz! Überheblichkeit ist beim HERRN und bei den Menschen verhaßt, Ungerechtigkeit gilt bei beiden als Verfehlung. Ungerechtigkeit, Überheblichkeit und Habgier sind die Gründe dafür, daß Völker ihre Macht verlieren und andere an ihre Stelle treten. Staub und Asche ist der Mensch, schon bei Lebzeiten beginnt er zu verfaulen - worauf ist er dann so stolz? Selbst bei einer langen Krankheit macht der Arzt Scherze; doch ein Mensch, der heute noch König ist, kann morgen schon tot sein. Wenn ein Mensch stirbt, dann bleibt ihm als Besitz nichts als Würmer, Käfer und Maden.

Der Hochmut eines Menschen fängt damit an, daß er sich vom HERRN abwendet und gegen seinen Schöpfer rebelliert. Der Anfang des Hochmuts ist Auflehnung gegen GOTT, und wer sich daran gewöhnt hat, bei dem regnet es Schandtaten. Darum setzt der HERR ihm mit unerwarteten Plagen zu und richtet ihn schließlich zugrunde. Der HERR stürzt stolze Herrscher und setzt Arme und Geringe an ihre Stelle. Übermütige Völker reißt er aus dem Stumpf und Stiel und pflanzt andere dafür ein, die sich ihm unterstellen. Ganze Länder verwüstet er und wühlt sie um bis hinunter zu den Fundamenten der Erde. Manche fegt er aus dem Land und rottet sie aus, so daß sich niemand mehr an sie erinnert. GOTT hat keinen Menschen überheblich geschaffen, und keiner wird als Gewalttätiger geboren.

Wer verdient Ehre?

Wer verdient Ehre? Die Menschen! Und warum? Weil sie den HERRN ernst nehmen. Wer verdient keine Ehre? Die Menschen! Warum nicht? Weil sie GOTTES Gebote ständig übertreten. Ein Vorsteher wird von seinen Leuten geehrt; aber einer, der dem HERRN gehorcht wird vom HERRN geehrt. Ob einer reich und angesehen ist oder arm - das einzige, worauf er stolz sein kann, ist die Ehrfurcht vor dem HERRN. Es ist nicht recht, einen armen, aber verständigen Menschen zu verachten. Und es ist unpassend, einen Sünder zu loben. Angesehene Leute, Richter und Herrscher ehrt man; aber keiner von ihnen ist größer als der, der den HERRN ernst nimmt. Einem klugen Sklaven werden freie Bürger zu Diensten sein, und kein verständiger Mensch wird sich darüber aufregen.

Über Bescheidenheit und Selbstachtung

Spiel dich nicht als weiser Lehrer auf, wenn du harte Arbeit verrichten sollst! Und lobe dich nicht selbst, wenn du in Schwierigkeiten bist! Arbeiten und mehr haben, als man braucht, ist besser als müßig umherlaufen und prahlen, aber nichts zu essen haben. Mein Sohn, sei bescheiden, aber bewahre dir deine Selbstachtung! Für einen, der sich selbst ruiniert, gibt es keine Entschuldigung. Wie kann man einen achten, der keine Selbstachtung hat? Ein Armer kann durch seine Klugheit zu Ehren kommen und ein Reicher durch seinen Reichtum. Wenn einer geehrt wird, obwohl er arm ist, wieviel mehr wird man ihn ehren, wenn er reich wird? Aber wenn einer verachtet wird, obwohl er reich ist, wieviel mehr wird man ihn verachten, wenn er arm wird?

Kapitel 11:

Weisheit adelt einen Armen und gibt ihm einen Ehrenplatz unter den Großen.

Der Schein kann trügen!

Lobe niemand für sein gutes Aussehen; aber verabscheue auch niemand, wenn dir sein Anblick nicht gefällt! Verglichen mit anderen geflügelten Wesen ist die Biene ziemlich klein; aber was sie hervorbringt, ist das Beste von allen Süßigkeiten. Gib nicht an mit den Kleidern, die du trägst, und werde nicht hochmütig, wenn man dich ehrt. Denn was der HERR tut, kann der Mensch weder erkennen noch begreifen. Viele große Herrscher mußten am Ende auf dem Boden sitzen; ihre Krone trugen dann andere, die vorher niemand kannte. Viele Hochstehende sind tief gestürzt, berühmte Leute sind in die Gewalt von Geringen geraten.

Merk dir: Erst prüfen, dann tadeln; erst nachdenken, dann urteilen! Unterbrich einen anderen nicht, wenn er redet; hör ihm bis zum Ende zu, dann antworte! Streite nicht um eine Sache, die dich nichts angeht, und mach nicht mit, wo Schurken zu Gericht sitzen!

Über Arbeit und Erwerb

Mein Sohn, beschäftige dich nicht mit zu vielen Dingen! Wenn du dir zuviel vornimmst, bleibst du nicht ungeschoren. Du mühst dich ab und erreichst doch nicht das Ziel, dann willst du aufgeben und kommst nicht mehr davon los. Der eine strengt sich an und arbeitet, so hart und schnell er kann; aber es geht ihm immer schlechter. Ein anderer ist schwerfällig und immer auf Hilfe angewiesen, er hat zuwenig Kraft und zuviel Armut. Aber der HERR sieht ihn freundlich an, holt ihn aus seiner Niedrigkeit heraus und bringt ihn zu Ehren, so daß viele sich wundern. Vom HERRN kommt alles: Glück und Unglück, Leben und Tod, Armut und Reichtum. Was der HERR denen schenkt, die ihm gehorchen, hat festen Bestand; seine Huld wird sie immer auf guten Wegen führen. Mancher wird reich, weil er sein Leben lang knausert und spart. Doch was hat er davon? Er kann sich sagen: Jetzt darf ich mich ausruhen und meinen Besitz genießen. Aber er weiß nicht, wieviel Zeit ihm dafür bleibt, und dann stirbt er und hinterläßt anderen seinen Besitz.

Halte dich an das, was dir aufgetragen ist, und bleibe dabei! Du wirst bis ins Alter genug daran zu tun haben. Wundere dich nicht über das, was Sünder fertigbringen! Vertrau dem HERRN und bleibe bei deiner Aufgabe! Für den HERRN ist es eine Kleinigkeit, einen Armen ganz plötzlich reich zu machen. Mit seinem Segen belohnt er alle, die ihm gehorchen, und dieser Segen wird schnell sichtbar. Frage dich nicht: Was fehlt mir noch? Welche Annehmlichkeiten könnte ich noch gebrauchen? Sag auch nicht: Ich habe alles und bin unabhängig. Welches Unglück könnte mich jetzt noch treffen? Wenn es einem gut geht, vergißt man die schlechte Zeit. Und geht es einem schlecht, so vergißt man die Tage des Glücks. Für den HERRN ist es leicht, den Todestag eines Menschen abzuwarten, um ihm seine Taten zu vergelten. Eine einzige böse Stunde läßt das angenehme Leben vergessen, und beim Ende eines Menschen werden alle seine Taten aufgedeckt. Darum preise niemand vor seinem Tod glücklich; erst an seinem Ende erkennt man einen Menschen.

Über die Wahl von Freunden

Überleg dir genau, wen du in dein Haus einlädst; denn hinterhältige Leute haben viele Möglichkeiten, dich zu täuschen. Ein überheblicher Mensch ist gefährlich wie ein Lockvogel im Käfig; wie ein Späher lauert er auf eine Gelegenheit, dich zu Fall zu bringen. Er verdreht Gutes in Böses, sogar an der selbstlosesten Tat findet er noch etwas auszusetzen. Ein kleiner Funke setzt einen ganzen Haufen Kohlen in Brand, und ein Schurke wartet nur darauf, Blut zu vergießen. Nimm dich in acht vor Unheilstifter, sie planen nichts als Unheil und können deinen guten Ruf für immer ruinieren. Hol einen Fremden in dein Haus, und er bringt alles durcheinander; bald bist du selber für deine Familie ein Fremder.

Kapitel 12:

Wenn du etwas Gutes tust, sei dir sicher, wem du es tust; dann wirst du für deine guten Taten Dank bekommen. Jede gute Tat an einem Menschen, der den HERRN achtet, wird dir belohnt; wenn nicht von ihm selbst, dann von GOTT, dem Höchsten. Wer nichts Böses im Sinn hat und keinem Armen hilft, der ist keine gute Tat wert. Hilf dem, der GOTT achtet; aber unterstütze keinen, der Unrecht tut! Tu dem Gutes, der sich vor GOTT beugt; aber dem, der sich gegen GOTT erhebt, gib nichts! Weigere dich, ihn zu ernähren, sonst wird er zu stark und bekommt dich in seine Gewalt. Für jede Wohltat, die du ihm erweist, bekommst du doppelt soviel Ärger zurück. GOTT, der Höchste, haßt die, die Unrecht tun; allen, die ihn mißachten, gibt er die verdiente Strafe. Hilf guten Menschen, aber unterstütze keinen, der Unrecht tut.

In guten Tagen braucht man den Freund nicht als Verteidiger; aber in schlechten Zeiten bleibt der Feind nicht verborgen. Wenn es einem Mann gut geht, ärgern sich seine Feinde, aber wenn es ihm schlecht geht, verläßt ihn sogar sein Freund. Trau niemals einem Feind; denn seine Bosheit ist wie Rost, der sich immer tiefer frißt. Auch wenn er unterwürfig tut und sich tief vor dir bückt, paß auf und nimm dich vor ihm in acht! Er ist wie ein Spiegel aus Kupfer: Du kannst ihn ständig polieren, und er setzt doch immer wieder Grünspan an. Hol ihn nicht an deine Seite; sonst versucht er, dich zu stürzen und deine Stelle einzunehmen. Setz ihn nicht auf den Platz rechts von dir; sonst macht er dir bald deinen eigenen Platz streitig. Am Ende mußt du mit Bedauern einsehen, daß meine Warnungen berechtigt waren.

Wenn einer Schlangen beschwört oder wilde Tiere zähmen will und dabei gebissen wird, hat keiner Mitleid mit ihm. Genauso wenig Mitleid hat man mit dem, der sich mit einem Schurken einläßt und in seine Schurkereien verstrickt wird. Ein Schurke bleibt eine kleine Weile bei dir; aber wenn du nicht gemeinsame Sache mit ihm machst, hält ihn nichts mehr in deiner Nähe. Ein Feind spricht zu dir mit honigsüßen Worten, während er überlegt, wie er dich in seine Fallgrube stürzen kann. Er kann Tränen mit dir vergießen; aber findet er eine Gelegenheit, so vergießt er dein Blut. Wenn dir ein Unglück zustößt, wartet er schon an Ort und Stelle auf dich, und unter dem Vorwand, dir zu helfen, stellt er dir ein Bein. Dann zeigt er sein wahres Gesicht! Er reibt sich die Hände, nickt beifällig mit dem Kopf und streut Gerüchte über dich aus.

Kapitel 13:

Wer Pech anfaßt, wird schmutzig; und wer mit überheblichen Leuten Umgang pflegt, wird wie sie. Versuche keine Last zu tragen, die zu schwer für dich ist! Suche keinen Umgang mit Leuten, die mächtiger oder reicher sind als du! Man hängt keinen Tontopf neben einen eisernen Kessel über das Feuer, wenn der Kessel an ihn stößt, zerbricht der Topf. Der Reiche tut einem anderen Unrecht und beschimpft ihn noch dafür. Der Arme erleidet das Unrecht und muß sich dafür noch entschuldigen. Wenn du dem Reichen nützlich bist, nutzt er dich aus; doch wenn du in Not bist, läßt er dich darin sitzen. Solange du etwas hast, bleibt er bei dir und saugt dich aus - ihm selbst tut das nicht weh! Wenn er dich braucht, täuscht er dich mit lächelnden Augen und macht dir Hoffnungen. Ganz freundlich fragt er dich: Was kann ich für dich tun? Er lädt dich zum Festessen ein und verpflichtet dich dadurch zu Gegenleistungen. Nachdem er dich so zwei- oder dreimal ausgeplündert hat, macht er sich über dich lustig. Und wenn du ihm später noch einmal begegnest, kennt er dich nicht mehr und blickt in eine andere Richtung. Paß auf, daß du nicht übertölpelt und gedemütigt wirst, weil du zu arglos gewesen bist!

Wenn ein einflußreicher Mann dich zu sich einlädt, halte dich zurück! Er wird dich dafür um so häufiger einladen. Dränge dich ihm nicht auf, sonst weist er dich zurück. Bleibe aber auch nicht zu weit hinten, sonst vergißt er dich. Nimm dir nicht heraus, mit ihm wie mit deinesgleichen zu reden! Glaub auch nicht alles, was er sagt! Mit seinem Lächeln und seinen vielen netten Worten stellt er dich nur auf die Probe. Was du ihm unter vier Augen sagst, behält er nicht für sich. Erbarmungslos benutzt er es, um dich zu mißhandeln und ins Gefängnis zu bringen. Behalte deine Geheimnisse für dich und sei äußerst vorsichtig: Du bewegst dich ständig am Rand eines Abgrundes.

Vom Unterschied zwischen Reichen und Armen

Jedes Tier liebt seinesgleichen, und beim Menschen ist es nicht anders. Jedes Lebewesen gesellt sich zu anderen, seiner Art, und auch der Mensch schließt sich seinesgleichen an. Nichts verbindet den Wolf mit dem Lamm. Genauso wenig verbindet den, der GOTT gehorcht, mit dem, der GOTT mißachtet. Leben etwa Hyäne und Hund in Frieden miteinander? Welches Einverständnis gibt es zwischen dem Reichen und dem Armen? Die wilden Esel in der Steppe sind die Jagdbeute der Löwen. Genauso leben die Reichen von den Armen. Überhebliche Menschen verabscheuen die Bescheidenheit; genauso verabscheut der Reiche den Armen. Wenn der Reiche stolpert, fangen seine Freunde ihn auf. Wenn der Bedürftige hinfällt, geben seine Freunde ihn auf. Wenn ein Reicher einen Fehler macht, helfen ihm viele; wenn er Unsinn redet, geben sie ihm recht. Doch wenn ein Armer einen Fehler macht, beschimpft man ihn; und wenn er etwas Vernünftiges sagt, hört keiner hin. Wenn der Reiche spricht, schweigen alle und loben seine Rede bis in den Himmel. Doch wenn der Arme spricht, fragen sie: Wer ist denn der? Und wenn er stolpert, stoßen sie ihn vollends zu Boden. Reichtum ist etwas Gutes, wenn kein Unrecht daran klebt. Und Armut ist nichts Schlechtes, auch wenn gewissenlose Menschen das behaupten.-

Über Habgier und Geiz

Was im Herzen eines Menschen vorgeht verändert sein Gesicht und macht es fröhlich oder traurig. Ein fröhliches Gesicht ist ein Zeichen für ein glückliches Herz; aber beim Erfinden von Merksprüchen muß man viel grübeln.

Kapitel 14:

Wie glücklich ist der Mensch, der nie etwas Unbedachtes sagt und nicht von Reue über seine Verfehlungen geplagt wird! Wie glücklich ist einer, wenn ihn sein Gewissen nicht anklagt und seine Hoffnung nie zuschanden wird!

Reichtum taugt nicht für einen kleinlichen Menschen. Was fängt ein Geizhals mit Wohlstand an? Wer Schätze anhäuft und sich selbst nichts gönnt, sammelt für andere; sie werden sich mit seinem Besitz ein gutes Leben machen. Wie kann einer gut zu anderen sein, wenn er zu sich selbst schlecht ist? Er wird mit seinem Wohlstand niemals glücklich! Keiner ist schlimmer dran als einer, der sich selbst nichts gönnt. Solche Schlechtigkeit trägt ihre Strafe in sich. tut er doch einmal etwas Gutes, dann nur aus Versehen; und hinterher wird seine ganze Verkehrtheit sichtbar. Wer gierige Augen hat, ist ein schlechter Mensch; denn wenn er andere in Not sieht, wendet er sich einfach ab. Er ist nie zufrieden mit dem, was er hat; seine Habgier trocknet seine Gefühle aus. Mancher geizt sogar mit dem eigenen Brot, darum sitzt er hungrig an seinem Tisch.

Der richtige Umgang mit Besitz

Mein Sohn, tu dir selbst etwas Gutes, soweit du dazu in der Lage bist, und bringe dem HERRN die Opfergaben, die ihm zustehen! Denk daran, daß der Tod nicht lange auf sich warten läßt und du den festgesetzten Tag nicht kennst. Tu deinem Freund Gutes, bevor du stirbst; gib im so großzügig, wie du kannst! Laß dir keinen einzigen Freudentag entgehen! Wenn du zu etwas Lust hast und es recht ist, dann tu es! Du mußt ja doch anderen hinterlassen, was du durch deine Mühe erworben hast. Dann wird es durch das Los unter die Erben aufgeteilt. Darum hab deine Freude daran, anderen zu geben und auch für dich selbst zu nehmen; in der Totenwelt ist keine Freude mehr zu finden! Wir alle altern und nutzen uns ab wie ein Gewand; es ist ein uraltes Gesetz: Du mußt sterben! Die Blätter an einem Laubbaum welken und fallen ab, dann wachsen neue nach. Genauso sind wir Menschen: Eine Generation stirbt, und eine neue wird geboren. Alles, was Menschenhände schaffen, vergeht und verschwindet, und mit ihnen geht der, der es gemacht hat.

Auf der Suche nach Weisheit

Wie glücklich ist der Mensch, der sich eifrig mit der Weisheit befaßt und beim Denken seinen Verstand gebraucht! Er denkt über die Wege der Weisheit nach und lernt ihre Geheimnisse kennen. Er eilt ihr nach wie ein Jäger und lauert ihr überall auf. Er späht durch ihre Fenster und lauscht an ihrer Tür. Er lagert gleich neben ihrem Haus, seine Zeltpflöcke schlägt er in ihre Mauer, um sein Zelt in ihrer Nähe zu haben, bei der Wohnung des Glücks. Er stellt seine Kinder unter ihren Schutz und bleibt unter ihren Zweigen, wo er Schatten findet vor der Hitze. Er darf in ihrem Glanz wohnen.

Kapitel 15:

So handelt jeder, der den HERRN ehrt und ihm gehorcht. Wer sich im Gesetz auskennt, erlangt Weisheit. Sie kommt ihm entgegen wie eine Mutter, sie nimmt ihn auf wie eine junge Braut. Einsicht ist das Brot, das sie ihm zu essen gibt, und Klugheit das Wasser, mit dem sie ihn tränkt. Er stützt sich auf sie und wankt nicht; er hält sich an sie und wird nicht enttäuscht. Sie macht ihn angesehener als seine Nachbarn. Wenn er in der Gemeinde spricht, legt sie ihm die Worte in den Mund. Sie erfüllt ihn mit Freude und Jubel und macht ihn für alle Zeiten berühmt.

Aber unzuverlässige Leute werden die Weisheit nie erlangen; Menschen, die Unrecht tun, bekommen sie gar nicht zu Gesicht. Von Eingebildeten hält sie sich fern; in den Gedanken der Lügner kommt sie nicht vor. Wer sich gegen GOTT auflehnt, kann ihm keine Loblieder singen; der HERR legt ihm keine in den Mund. Loblieder gibt es nur da, wo Weisheit ist, und der HERR selbst schenkt Gelingen dazu.

Über die Freiheit des Menschen

Sag nicht: Der HERR ist schuld, daß ich Unrecht getan habe. Er veranlaßt niemals etwas, das er haßt! Sag nicht: Er selbst hat mich in die Irre geführt. Zur Ausführung seiner Pläne braucht er keine Sünder. Der HERR haßt alles, was abscheulich ist, darum kann keiner so etwas lieben, der ihn ernst nimmt. Am Anfang, als der HERR den Menschen schuf, hat er ihm die Freiheit zu eigener Entscheidung gegeben. Wenn du willst, kannst du seine Gebote befolgen. Von deiner Entscheidung hängt es ab, ob du ihm die Treue hältst. Er hat Feuer und Wasser vor dich gelegt; du selbst hast die Wahl, welches von beiden du nehmen willst. Du kannst wählen zwischen Leben und Tod und bekommst, was du wählst. Die Weisheit des HERRN und seine Macht sind groß, und er sieht alles. Er weiß alles, was ein Mensch tut. Freundlich blickt er auf die, die ihm gehorchen. Er hat keinem befohlen, schlecht zu sein, und keinem erlaubt, Unrecht zu tun.

Kapitel 16: Über die Folgen des Unrechts

Viele Kinder sind nur dann etwas, was du dir wünschen solltest, wenn sie etwas taugen! Auf mißratene Söhne kannst du nicht stolz sein. Und wenn sie noch so zahlreich sind, freue dich nur dann über sie, wenn sie den HERRN ernst nehmen! Verlaß dich nicht darauf, daß sie lange leben, rechne auch nicht mit ihrer großen Anzahl! Ein Kind, das auf GOTT hört, ist besser als tausend andere. Sogar kinderlos sterben ist besser, als Kinder zu haben, die sich gegen GOTT auflehnen.

Durch die Klugheit eines einzigen Mannes nimmt die Bevölkerung einer Stadt zu; aber eine Bande von Gottvergessenen macht sie menschenleer. Dafür habe ich viele Beispiele gesehen, und noch treffendere habe ich gehört: In einer kleinen Versammlung von Sündern wird GOTTES flammender Zorn entzündet, und dann wendet er sich gegen das ganze ungehorsame Volk. Er hat den Riesen der Vorzeit nicht vergeben, die sich im Vertrauen auf ihre Stärke gegen ihn empörten. Die Stadt, in der Lot wohnte, hat er nicht verschont, weil er den Übermut ihrer Bewohner verabscheute. Er hatte kein Erbarmen mit dem todgeweihten Volk der Kanaaniter, sondern vernichtete es wegen seiner Schuld. Ebenso erging es den sechshunderttausend Mann in der Wüste, die starrsinnig waren und sich zusammenrotteten.

Selbst wenn es nur einen einzigen Starrsinnigen gäbe, es wäre ein Wunder, wenn seiner Strafe entginge. Der HERR ist voll Erbarmen, aber er kann auch zornig werden. Er hat die Macht, zu vergeben und zu vernichten. So groß wie sein Erbarmen, so schwer ist auch seine Strafe, und er beurteilt jeden nach seinen Taten. Kein Verbrecher entkommt mit seiner Beute; aber wer dem HERRN die Treue hält, dessen Geduld wird nicht enttäuscht. Für jede gute Tat schafft der HERR die Gelegenheit, und jeder bekommt den Lohn für seine Taten.

Sag nicht: Ich werde mich vor dem HERRN verstecken, keiner da oben wird an mich denken. Unter so vielen Leuten kann mich niemand erkennen. Wer bin ich denn als einzelner in der ganzen riesengroßen Welt? Wenn der HERR nach seiner Schöpfung schaut, dann fängt alles an zu beben: der Himmel mit seinen höchsten Höhen, die Erde und der tiefste Abgrund. Die Berge und die Fundamente der Erde zittern, wenn er sie anblickt. Doch darüber denkt mancher nicht nach. Wer achtet schon auf das Tun des HERRN? Das meiste davon ist für den Menschen ebenso unsichtbar wie der Wind. Wer verkündet die gerechten Taten des HERRN? Wer erwartet noch welche? Die Zeit, als er den Bund mit uns schloß, ist schon so lange her! So denkt nur einer, der wenig Verstand hat. So urteilt jemand, der durch seine Dummheit irregeführt ist.

Ein Lied auf GOTTES Weisheit in der Schöpfung

Hör mir zu, mein Sohn! Achte auf meine Worte, damit du etwas lernst. Ich will dir abgewogene Unterweisung geben und genau erforschtes Wissen mitteilen:

Als der HERR am Anfang seine Werke schuf, da bestimmte er jedem seinen Platz. Er gab den Gestirnen die ewige Ordnung und legte ihren Auftrag für immer fest. Sie ermatten nicht werden nicht müde, nie lassen sie ihre Arbeit im Stich. Keines von ihnen verdrängt das andere, nie widerstreben sie seinem Befehl. Dann schaute der HERR die Erde an und füllte sie mit vielen guten Dingen. Er bedeckte sie mit jeder Art von Tieren, und sie alle kehren zurück in den Staub.

Kapitel 17:

Aus Erde formte der HERR die Menschen, auch sie schickt er wieder zu ihr zurück. Er gab ihnen abgezählte Tage und setzte die Zeit ihres Lebens fest, und doch übertrug er ihnen die Herrschaft über alles, was auf der Erde ist. Er schuf sie nach seinem eigenen Bild und gab ihnen teil an seiner Macht. Auf alle anderen Lebewesen ließ er Furcht vor den Menschen fallen, die herrschen sollten über Tiere und Vögel. Er gab ihnen Zunge, Auge und Ohr und einen Verstand, um nachzudenken. Mit Einsicht und Wissen erfüllte er sie und leitete sie durch Beispiele an, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Er lehrte sie, ihn ernst zu nehmen, und zeigte ihnen die Größe seiner Werke, ihn, den Heiligen, sollen sie preisen und die Größe seiner Werke verkünden!

Doch nicht nur Einsicht schenkte er ihnen, sondern auch das Gesetz, den Weg zum Leben. Er schloß mit ihnen einen ewigen Bund und verkündete ihnen seine Gebote. Sie sahen den Glanz seiner Herrlichkeit und hörten seine gewaltige Stimme. Er warnte sie ernstlich vor jedem Unrecht, und für ihr Leben miteinander gab er ihnen klare Weisung.

GOTT entgeht nichts

Der HERR sieht jederzeit, was die Menschen tun; nichts kann seinen Augen entgehen. Über jedes Volk hat er einen Herrscher gesetzt; aber Israel ist das Eigentum des HERRN. Alle Taten der Menschen liegen vor ihm wie im hellsten Sonnenlicht; ständig beobachtet er, was sie tun. Kein Unrecht entgeht ihm, jede Verfehlung ist ihm bekannt. Jede Hilfe, die einem Armen geleistet wird, ist vor dem HERRN so wertvoll wie ein Siegelring; jede Freundlichkeit ist für ihn kostbar wie ein Auge. Zuletzt spricht er den Verbrechern das Urteil und verhängt die volle Strafe über sie. Doch denen, die umkehren, gewährt er Zutritt zu sich. Er spricht all denen Mut zu, die nicht genug Kraft zum Durchhalten haben.

Aufruhr zur Umkehr

Kehr um zum HERRN und hör auf, Unrecht zu tun! Bete zu ihm und verringere deine Schuld! Wende dich hin zu GOTT, dem Höchsten, und wende dich ab vom Unrecht! Hasse mit aller Kraft, was er verabscheut! Gibt es in der Totenwelt einen, der den Höchsten preist? Es ist Sache der Lebendigen, ihm mit Lobliedern zu danken. Solange einer lebt und gesund ist, kann er den HERRN preisen; wenn er stirbt und nicht mehr da ist, hören die Danklieder auf. Groß ist das Erbarmen des HERRN! Groß ist seine Nachsicht mit allen, die zu ihm umkehren. Bei Menschen ist keine Vollkommenheit zu finden, denn kein Mensch ist unsterblich. Nichts ist heller als die Sonne, doch sogar sie kann sich verfinstern. Noch leichter wird das Denken des vergänglichen Menschen durch das Böse verfinstert. GOTT zieht das ganze Heer der Gestirne zur Rechenschaft, wieviel mehr dann die Menschen, die doch nur Staub und Asche sind!

Kapitel 18: GOTTES Größe und die Nichtigkeit des Menschen

Er der ewig lebt, hat alles geschaffen, ausnahmslos alles! Der HERR allein behält am Ende recht. Keinem hat er die Fähigkeit verliehen, seine Taten hinreichend zu schildern; keiner kann seine ganze Größe erforschen. Wer kann seine gewaltige Macht ermessen? Wer kann alle Erweise seines Erbarmens aufzählen? Man kann nichts davon wegnehmen, man kann auch nichts hinzufügen. Es ist unmöglich, die Wunder des Herrn zu ergründen. Wenn einer meint, er sei am Ende mit seinem Bericht, dann ist noch ganz am Anfang. Und wenn er aufhört, dann nur, weil er nicht mehr weiter weiß.

Was ist der Mensch? Wozu ist er zu gebrauchen? Was ist gut an ihm, und was ist schlecht? Wenn er sehr alt wird, dann allenfalls hundert Jahre. Was ist das, verglichen mit der Ewigkeit? Ein Wassertropfen im Meer, ein Sandkörnchen am Strand, nein, noch nicht einmal das. Deshalb hat der HERR auch soviel Geduld mit den Menschen und ist so freigebig mit seinem Erbarmen. Er sieht sie an und weiß, wie elend ihr Ende ist. Darum ist er so nachsichtig mit ihnen. Ein Mensch hat Mitgefühl mit einem, der ihm nahesteht; aber das Mitgefühl des HERRN gilt allen Menschen. Er weist sie zurecht, er erzieht und belehrt sie, und die Verirrten holt er zurück wie ein Hirt seine Schafe. Er hat Erbarmen mit allen, die sich von ihm führen lassen und willig auf seine Entscheidung hören.

Die rechte Art zu helfen

Mein Sohn, wenn du einem anderen hilfst, dann mach ihm nicht gleichzeitig Vorwürfe! Begleite deine Gabe nicht durch Worte, die ihn verletzen! Ein Wort kann mehr aufmuntern als eine Gabe, genauso wie der Tau an heißen Tagen Erleichterung schafft. Ja, ein gutes Wort ist wertvoller als ein reiches Geschenk. Und wer wirklich helfen will, gibt beides! Nur ein Dummkopf macht lieblose Vorwürfe, und eine Gabe, die ungern gegeben wird, macht niemand Freude.

Über kluge Voraussicht

Erst unterrichte dich, danach kannst du reden! Kümmere dich um deine Gesundheit nicht erst, wenn du krank bist! Erforsche dich selbst, bevor GOTT dich zur Rechenschaft zieht. Wenn dieser Augenblick dann gekommen ist, wirst du bei ihm Vergebung finden. Beuge dich vor GOTT nicht erst, wenn du krank geworden bist! Kehr zu ihm um, sobald du dich verfehlt hast! Wenn du dem HERRN ein Versprechen gegeben hast, laß dich durch nichts davon abhalten, es rechtzeitig zu erfüllen. Warte nicht bis zu deinem Tod, um die Sache in Ordnung zu bringen. Aber bevor du ihm etwas versprichst, überdenke es genau! Versuche nicht, den HERRN auf die Probe zu stellen! Denk nach! Soll er am Ende deines Lebens zornig auf dich sein? Soll er sich dann von dir abwenden und dich bestrafen? Wenn du mehr als genug zu essen hast, denk an den Hunger, der kommen kann! Wenn du reich bist, denk an Armut und Not! Zwischen Morgen und Abend kann sich vieles ändern, und der HERR handelt schnell! Ein kluger Mensch ist jeder Zeit vorsichtig. Wenn Unrechttun an der Tagesordnung ist, hütet er sich vor jeder Nachlässigkeit. Wer Verstand hat, erkennt die Weisheit und ehrt jeden, bei dem er sie sieht. Menschen, die gut mit Worten umgehen können, haben vorher selbst etwas gelernt. Nun können sie viele treffende Worte weitergeben.

Über Selbstbeherrschung

Laß dich nicht von deinen Begierden und Leidenschaften hinreißen, sondern halte sie in Schranken! Wenn du dir erlaubst, jedem Wunsch nachzugeben, machst du dich bei deinen Feinden und Freunden lächerlich. Such nicht dein Vergnügen bei üppigen Schwelgereien - die Kosten würden dich ruinieren! Mach dich nicht arm durch Festgelage, wenn du dir das Geld dafür leihen mußt, weil du selbst nicht genug im Beutel hast.

Kapitel 19:

Ein Arbeiter, der dem Alkohol verfällt, wird nicht reich. Wer nicht auf die kleinen Ausgaben achtet, richtet sich langsam aber sicher selbst zugrunde. Wein und Weiber bringen vernünftige Leute auf Abwege, und wer sich mit Prostituierten abgibt, verliert schließlich jede Hemmung. Seine Tollheit bringt ihm den Tod; dann werden die Würmer seinen faulenden Körper fressen.

Über unverantwortliches Reden

Wer anderen zu schnell etwas anvertraut, ist leichtsinnig. Wer diesen Fehler begeht, hat selber den Schaden davon. Wer Vergnügen an Schlechtigkeiten hat, verurteilt sich dadurch selbst. Wer sich aus Klatschereien heraushält, erspart sich manchen Ärger. Erzähl nie ein Gerücht weiter, dann kann dir auch kein Schaden daraus entstehen. Rede über keinen, weder Freund noch Feind! Du darfst nur dann etwas bekanntmachen, wenn du durch Schweigen schuldig würdest. Wenn du über jemand redest und er erfährt es, dann traut er dir nicht mehr, und bald haßt er dich. Wenn du ein Gerücht hörst, nimm es mit ins Grab! Hab keine Angst, du wirst nicht davon platzen! Ein Schwachkopf, der etwas verschweigen soll, leidet darunter wie eine Gebärende, die ihr Kind zur Welt bringen will. Jedes Wort, das er in sich behalten muß, schmerzt ihn wie ein Pfeil, der in seinem Oberschenkel steckt.

Wenn du hörst, dein Freund habe etwas Falsches getan, dann stell ihn deswegen zur Rede! Wenn er es wirklich getan hat, soll er es nicht wieder tun! Wenn du hörst, dein Nachbar habe etwas Verkehrtes gesagt, dann stell ihn deswegen zur Rede! Wenn er es wirklich gesagt hat, soll er es nicht noch einmal sagen! Wenn du etwas Schlimmes über deinen Freund hörst, frag ihn selbst! Glaub nicht gleich alles, was man dir sagt; denn oft genug ist es eine Verleumdung. Mancher sagt etwas Falsches ohne böse Absicht. Wem ist das noch nicht passiert? Wenn du über einen anderen in Zorn geraten bist, dann drohe ihm nicht gleich, sondern stelle ihn zur Rede! richte dich nach dem Gesetz GOTTES, des Höchsten!

Weisheit und was manche dafür halten

Den HERRN ernst nehmen, das ist die ganze Weisheit. Bei ihr geht es immer darum, das Gesetz zu befolgen. Sich in allem Schlechten auszukennen, ist keine Weisheit, und dem Rat von Verbrechern zu folgen, ist keine Klugheit. Manche handeln mit einer Art von Schlauheit, die man nur verabscheuen kann; andere handeln wie Schwachköpfe, weil sie nicht genug Klugheit besitzen. Einer, der nicht viel Wissen hat, aber Ehrfurcht vor GOTT, ist besser als ein überaus schlauer Kopf, der sich über das Gesetz hinwegsetzt. Es gibt eine Schlauheit, die so durchtrieben ist, daß sie unehrlich wird. Und es gibt eine Freundlichkeit, die einer nur heuchelt, um zu bekommen, was er will.

Gewisse üble Leute sehen aus, als drücke sie der Kummer zu Boden, aber ihr Herz ist voller Hinterlist. Sie schlagen die Augen nieder und stellen sich taub; aber wenn du am wenigsten damit rechnest, übervorteilen sie dich. Manchmal schieben sie ihr böses Vorhaben auf, weil sie es noch nicht schaffen können; aber bei der ersten passenden Gelegenheit setzen sie es in die Tat um. An seinem Aussehen kann man einen Menschen erkennen; an seinem Auftreten erkennt man, ob er Verstand hat. Seine Kleidung, sein Lächeln und sein Gang sagen, wer er ist.

Kapitel 20: Über Reden und Schweigen zur rechten Zeit

Zurechtweisung muß zur rechten Zeit geschehen; manchmal ist es klüger zu schweigen. Es ist besser, einen anderen zur Rede zu stellen, als den Ärger in sich aufzustauen. Wer sich zu seiner Tat bekennt, dem bleibt Schaden erspart. Wer mit Gewalt das Recht durchsetzen will, gleicht einem Eunuchen, der darauf brennt, ein Mädchen zu verführen. Manchen hält man für weise, weil er nicht redet; und manchen kann man nicht leiden, weil er zuviel redet. Einer schweigt, weil er nichts zu sagen weiß; ein anderer schweigt, weil er die rechte Zeit zum Reden abwarten kann. Ein kluger Mensch schweigt bis zum richtigen Augenblick; ein Prahlhans oder Dummkopf weiß nicht, was der richtige Augenblick ist. Wer zuviel redet, den kann man nicht ausstehen. Wer Sonderrechte für sich beansprucht, macht sich verhaßt.

Widersprüchliches

Machmal hat man Glück im Unglück, und manchmal wird aus Gewinn Verlust.

Das eine Mal machst du ein Geschenk und erreichst nichts, das andere Mal bringt es dir das Doppelt ein.

Machnmal führt eine Ehrenstellung zur Degradierung, und manchmal steigt einer aus dem Nichts zu hohen Ehren auf.

Manchmal glaubt man, für wenig Geld viel bekommen zu haben, und hat doch siebenmal mehr bezahlt, als es wert war.

Ein kluger Mensch weiß sich mit ein paar Worten beliebt zu machen; aber die Liebenswürdigkeiten eines dummen Schwätzers sind vergebliche Liebesmühe.

Wenn ein unverständiger Mensch dir etwas schenkt, hast du nichts davon; denn mit einem Auge gibt er, und mit vielen Augen wartet er auf die Gegenleistung. Er gibt wenig, aber er schimpft über vieles mit lauter Stimme wie ein Marktschreier. Heute leiht er dir etwas, und morgen schon will er es zurückhaben. Solche Leute sind ekelhaft! Und dann sagt solch ein Dummkopf: Niemand mag mich! Keiner weiß meine Wohltaten zu schätzen! Sie lassen sich von mir füttern und reden schlecht von mir. Oft und viel wird über ihn gelacht.

Mit der Zunge ausgleiten ist schlimmer als auf dem Pflaster ausgleiten. Genauso schnelle gleiten die Unheilstifter aus und stürzen.

Ein Mensch ohne Benehmen gleicht einer schlecht angebrachten Geschichte, wie man sie so oft von Unwissenden Leuten hört.

Wenn ein Dummkopf ein kluges Wort zitiert, nimmt ihn niemand ernst; denn er gebraucht es nicht im richtigen Zusammenhang.

Mancher ist zu arm um zu sündigen; er kann sich mit einem ruhigen Gewissen schlafen legen.

Mancher richtet sich selbst zugrunde, weil er sich scheut, einem Dummkopf die Stirn zu bieten.

Mancher verspricht einem Freund etwas, weil er sich scheut, nein zu sagen; so macht man sich unnötig Feinde.

Lügen sind häßliche Flecken auf dem Charakter eines Menschen; aber von unverständigen Leuten hört man sie immer wieder. Ein Dieb ist nicht so schlimm wie ein Gewohnheitslügner; aber beide laufen ins Verderben. Ein Lügner hat keine Ehre im Leib, seine Schande wird er nicht mehr los.

Weisheit verpflichtet

Wer seine Worte klug gebraucht, kommt im Leben voran; ein verständiger Mensch gewinnt die Gunst seiner Vorgesetzten.

Wer seinen Acker bebaut, kann hinterher viel Getreide anhäufen; und wer die Gunst der Mächtigen hat, kann viel Unrecht abbauen.

Geschenke und Bestechungen können sogar einen Verständigen blind machen; wie ein Maulkorb verhindern sie den Tadel.

Weisheit, die man für sich behält, ist wie ein vergrabener Schatz: beide sind nutzlos. Einer, der seine Dummheit versteckt, handelt besser als einer, der seine Weisheit versteckt.

Kapitel 21: Warnung vor dem Unrecht

Mein Sohn, hast du Unrecht begangen? Tu es nicht wieder! Und wegen deiner bisherigen Verfehlungen bitte um Vergebung! Flieh vor der Sünde wie vor einer Schlange; denn wenn du ihr zu nahe kommst, schnappt sie mit ihren Zähnen zu wie ein Löwe. Dann ist es um dein Leben geschehen! Jedes Unrecht wirkt wie ein zweischneidiges Schwert: Es hinterläßt Wunden, für die es keine Heilung gibt.

Frechheit und Vermessenheit lassen den Reichtum schwinden; so bringen überhebliche Menschen sich um Hab und Gut. Wenn die Armen beten, hört es GOTT, und schnell verhilft er ihnen zum Recht.

Wer die Zurechtweisung ablehnt, tritt in die Fußstapfen des Sünders; wer aber den HERRN ernst nimmt, nimmt auch die Zurechtweisung zu Herzen.

Wenn einer gut reden kann, merkt es jeder; aber wenn er etwas Falsches sagt, merkt es nur der Erfahrene.

Wer mit fremdem Geld sein Haus baut, ist wie einer, der Steine für seinen eigenen Grabhügel sammelt.

Eine Rotte von gewissenlosen Menschen ist wie ein Haufen Zunder, und ihr Ende ist loderndes Feuer. Der Weg, auf dem Sünder gehen, ist ein bequeme Straße; aber sie führt in den Abgrund der Totenwelt.

Weisheit und Torheit

Wer das Gesetz befolgt, der hat seine Gedanken in der Gewalt; den HERRN in jeder Hinsicht ernst zu nehmen, das ist Weisheit. Wer ungeschickt ist, den kann man nicht bilden; aber es gibt eine Geschicktheit, die viel Erbitterung hervorruft.

Das Wissen des Klugen wächst an wie ein Strom; sein Rat ist wie eine Quelle, die Leben spendet. Aber der Verstand eines gottesvergessenen Hohlkopfs ist wie ein gesprungener Krug: Er behält kein Wissen zurück.

Wenn ein Mann von Verstand einen klugen Ausspruch hört, dann sagt er: Das war gut! und fügt noch andere hinzu. Doch ein oberflächlicher Mensch findet keinen Geschmack daran und vergißt den Spruch, sobald er ihn gehört hat. Einem Dummkopf zuhören ist wie Wandern mit schwerem Gepäck; aber die Worte eines Klugen sind eine Wohltat. Was der Kluge zu sagen hat, darauf wird in der Gemeinde gehört; über seine Worte wird gründlich nachgedacht.

Dem Unwissenden erscheint Weisheit so nutzlos wie ein zerfallenes Haus; aber was er für Wissen hält, sind zusammenhanglose Sätze. Der Unvernünftige hält Bildung für ebenso hinderlich wie Handschellen und Fußeisen. Für den Verständigen ist Bildung wie ein schmückender goldener Armreif. Der Unwissende lacht lauthals, wo der Kluge leise lächelt. Ein unerzogener Dummkopf steckt den Kopf durch die Tür und rennt gleich ins Haus. Wer erfahren ist und sich benehmen kann, wartet bescheiden, bis er zum Eintreten aufgefordert wird. An der Tür lauschen ist ein Zeichen von Ungezogenheit; ein vernünftiger Mensch würde sich schämen, so etwas zu tun. Schwätzer wiederholen nur, was andere gesagt haben; erfahrene Leute wägen ihre Worte genau ab. Dummköpfe haben das Herz auf der Zunge; kluge Menschen denken, bevor sie reden.

Wenn ein Unheilstifter den Satan verflucht, dann verflucht er sich selbst. Wer über andere schlecht redet, verdirbt seinen eigenen Ruf; in seiner Nachbarschaft kann ihn keiner ausstehen.

Kapitel 22: Über Faulenzer und mißratene Kinder

Einen Faulpelz kann man mit einem schmutzverklebten Stein vergleichen: Wer ihn sieht, schüttelt sich vor Ekel. Auch mit einem Mistklumpen kann man ihn vergleichen: Wer ihn berührt hat, schüttelt sich die Hand ab.

Einen mißratenen Sohn zu haben, ist für jeden Vater eine Schande; aber bei einer Tochter ist der Schaden noch größer. Eine vernünftige Tochter kriegt einen Mann, aber eine schändliche macht ihrem Vater viel Kummer. Eine Frau, die sich nicht zu benehmen weiß, macht ihrem Mann und ihrem Vater Schande; keiner von beiden kann noch Achtung vor ihr haben.

Seine Kinder zu belehren, ist manchmal genauso unangebracht wie lustige Musik zur Zeit der Trauer; aber strenge Erziehung und eine Tracht Prügel sind immer angebracht.

Über die Unbelehrbarkeit dummer Menschen

Wer versucht einen Uneinsichtigen zu belehren, ist wie einer, der die Scherben eines Kruges zusammenleimen oder jemand aus tiefem Schlaf aufwecken will. Mit einem Dummkopf kann man sich ebenso gut unterhalten wie mit einem, der gerade einschläft: Wenn man aufhört zu reden, fragt er: Ja - was ist?

Über einen Toten weint man, weil sein Lebenslicht erloschen ist; über einen Dummkopf muß man weinen, weil sein Verstand erloschen ist. Über einen Toten muß man nicht so viel weinen, denn er hat wenigstens Ruhe gefunden; aber das Leben eines Dummkopfs ist schlimmer als der Tod. Die Trauer um einen Toten dauert eine Woche; über einen gottvergessenen Narren trauert man, solange er lebt.

Verschwende deine Worte nicht an einen, der keinen Verstand hat! Meide den Umgang mit einem, der sich aufführt wie ein Schwein. Komm ihm nicht zu nahe, sonst hast du nur Ärger und wirst schmutzig, wenn er seinen Dreck abschüttelt. Geh ihm aus dem Weg; dann hast du Ruhe und mußt dich nicht über seine Verrücktheiten aufregen. Was ist eine schwerere Last als Blei? Darauf gibt es nur eine Antwort: Der Dummkopf! An Sand, Salz und Eisen hat man schwer zu tragen; aber ein Uneinsichtiger ist untragbar.

Holzbalken, die man beim Hausbau fest miteinander verbindet, werden auch von einem Erdbeben nicht auseinandergerissen. So ist einer, der gelernt hat, seine Entschlüsse genau zu überlegen: In schwierigen Augenblicken kann ihn nichts erschüttern. Entscheidungen, die sich auf einsichtsvolle Überlegungen gründen, sind wie ein schöner Verputz, der fest auf der geglätteten Mauer sitzt. Holzpfähle, die man auf einer Anhöhe aufstellt, halten nicht stand, wenn der Wind dagegen bläst. So geht es einem, der durch dumme Überlegungen ängstlich geworden ist: Jeder Schrecken wirft ihn um.

Über Freundschaft und Treue

Wer ein Auge verletzt, bringt Tränen hervor; wer ein Herz verletzt, bringt dessen wahre Gefühle zum Vorschein. Wer mit einem Stein nach Vögeln wirft, verscheucht sie; und wer einem Freund beleidigende Vorwürfe macht, zerstört die Freundschaft. Wenn du deinem Freund harte Worte gesagt hast, selbst wenn du gegen ihn das Schwert gezogen hast, ist noch nicht alles verloren; du kannst mit ihm wieder ins Reine kommen. Aber kein Freund bleibt bei dir, wenn du ihn beschimpfst, ihn von oben herab behandeltest, seine Geheimnisse ausplauderst oder ihm in den Rücken fällst.

Gewinne das Vertrauen deines Nachbarn, solange er arm ist; dann läßt er dich nicht verhungern, wenn es ihm besser geht. Halt ihm in Notzeiten die Treue; dann teilt er mit dir, wenn er zu Wohlstand kommt.

Rauch und Qualm sieht man früher als das Feuer: Erst hört man Schimpfworte, dann fließt Blut.

Ich will mich nie scheuen, einen Freund zu verteidigen; ich werde mich ihm nie entziehen, wenn er mich braucht. Wenn mir seinetwegen Schaden entsteht, werden alle, die es erfahren, sich vor ihm in acht nehmen.

Ein Gebet um Hilfe zur Selbstbeherrschung

Ich wünsche, jemand stellte einen Posten ans Tor meiner Lippen und verschlösse meinen Mund mit einem sicheren Siegel! Dann würde ich nichts Verkehrtes reden, und meine Zunge könnte mich nicht ins Verderben bringen.

Kapitel 23:

GOTT, mein Vater, HERR meines Lebens, liefere mich nicht den Neigungen meiner Lippen aus, laß mich nicht durch sie zu Fall kommen! Stell doch jemand mit einem Stock neben mich, damit er meine Gedanken und Wünsche in weise Zucht nimmt! Er dürfte mir keine Torheit durchgehen lassen, keine Verfehlung sollte ungestraft bleiben! Dann würden meine Fehler sich nicht häufen und meine Sünden nicht immer mehr werden. Ich würde nicht vor meinen Feinden erniedrigt werden, und sie hätten keinen Anlaß, sich hämisch über mich zu freuen.

HERR, mein Vater, GOTT meines Lebens, bewahre meine Augen vor gierigen Blicken, laß keine bösen Wünsche in mir aufkommen! Laß mich weder der Freßsucht noch der Unzucht verfallen, und gib mich nicht der Schamlosigkeit preis!

Über unnötiges Schwören und zuchtloses Reden

Kinder, hört, was ich euch über das Reden zu sagen habe! Wer es beachtet, verfängt sich nicht in gefährlichen Schlingen. Durch seine eigenen Worte kommt der Sünder zu Fall, ebenso der Lästerer und der Hochmütige.

Gewöhne dich nicht ans Schwören, und nenne nicht bei jeder Gelegenheit den heiligen Namen GOTTES! Ein Sklave, dem man ständig auf die Finger schaut, ist nie frei von Striemen. Genauso ist einer, der ständig schwört und den heiligen Namen ausspricht, nie frei von Schuld. Ein Mann, der viel schwört, sündigt viel; darum weichen die Plagen nie von seinem Haus. Schwört er unbedacht, so macht er sich schuldig. Schwört er leichtfertig, so macht er sich doppelt schuldig. Schwört er einen Meineid, so kann er keine Nachsicht erwarten, und seine Familie wird harte Zeiten erleben.

Es gibt eine Art zu reden, die schlimm ist wie der Tod - möge sie nie in Israel gehört werden! Menschen, die GOTT ernst nehmen, hüten sich vor solchen Reden, sie wälzen sich nicht im Dreck! Gewöhne dir keine gemeine, schmutzige Redeweise an; du würdest nicht frei von Schuld bleiben! Denk an deine Eltern, wenn du mit wichtigen Leuten zusammensitzt. Du könntest dich sonst vergessen und aus Gewohnheit etwas Unpassendes sagen, wodurch du dich unmöglich machen würdest. Dann würdest du wünschen, nie geboren zu sein, und den Tag deiner Geburt verfluchen. Wer sich einmal an anstößiges Reden gewöhnt hat, kann es sich sein Leben lang nicht wieder abgewöhnen.

Über Unzuchtsünden

Zwei Sorten von Menschen häufen Sünde auf Sünde, und auch die dritte fordert GOTTES Zorn heraus; denn ihre Leidenschaft brennt wie ein Feuer und hört erst auf, wenn sie ausgebrannt ist:

der Mann, der nur seinem Geschlechtstrieb folgt und nicht zur Ruhe kommt, bevor das Feuer erloschen ist;

der Mann, den jede Frau reizt und der nicht genug bekommt, bis er tot ist;

der Mann, der seiner eigenen Frau untreu wird.

Ein solcher Mann denkt: Kann mich einer sehen? Es ist dunkel hier, die Wände verbergen mich. Nein, niemand kann mich sehen. Warum mache ich mir nur Gedanken? Der da oben bemerkt es gar nicht, wenn ich sündige. Dieser Mann hat nur Angst vor den Augen anderer Leute und vergißt, daß die Augen des HERRN zehntausendmal so hell sind wie die Sonne und alles sehen, was die Menschen tun. Sie durchdringen auch die verborgensten Winkel. Der HERR hat alle Dinge gekannt, bevor er sie schuf, und er kennt sie genauso, seitdem sie da sind. Jener Sünder wird ertappt, wo er es am wenigsten erwartet, und bekommt seine Strafe in aller Öffentlichkeit.

Dasselbe gilt für eine Frau, die ihrem Mann untreu wird und ihm einen Erben unterschiebt, der von einem anderen Mann stammt. Zum ersten hat sie das Gesetz übertreten, das GOTT, der Höchste, gegeben hat. Zweitens ist sie ihrem Mann gegenüber schuldig geworden. Drittens hat sie in ihrer Hurengesinnung Ehebruch begangen und von einem anderen Mann Kinder bekommen. Sie selbst wird vor das Gericht der Gemeinde gestellt, aber unter ihrer Verfehlung haben auch die Kinder zu leiden. Sie werden von der Gemeinde nicht anerkannt und dürfen keine Familien gründen. Die Frau selbst wird ihre Schande nicht mehr los, und wenn sie stirbt, wird man sie noch in der Erinnerung verfluchen. Alle, die noch leben, werden daran erkennen, daß es nichts Besseres gibt, als den HERRN ernst zu nehmen, und nichts Schöneres, als seine Gebote zu befolgen.

Kapitel 24: Die Weisheit stellt sich vor

Inmitten Israels, ihres eigenen Volkes, besingt die Weisheit ihren Ruhm. In der Gemeinde GOTTES, des Höchsten, und vor allen seinen Mächtigen singt sie ihr Lied:

Aus dem Mund des Höchsten ging ich hervor; und wie ein Nebel bedeckte ich die Erde. Im hohen Himmel war meine Wohnung, auf einer Wolkensäule stand mein Thron. Allein umschritt ich den Kreis des Himmels und ging umher in den Tiefen des Abgrundes. Ich herrschte über das wogende Meer, über alle Länder und alle Völker, und suchte überall nach einem Ruheort. Wo war das Land, in dem ich bleiben konnte? Da gab der Schöpfer aller Welt mir Weisung, er, der auch mich geschaffen hat, befahl: In Israel nimm deinen festen Wohnsitz, die Nachkommen Jakobs sollen dir gehören! Am Anfang schuf er mich, vor aller Zeit, und bis in Ewigkeit werde ich nicht vergehen. Ich diente ihm in seinem heiligen Zelt, dann wurde der Zionsberg mein fester Platz. In Jerusalem, der geliebten Stadt, ließ er mich ein Zuhause finden, dort übe ich jetzt meine Herrschaft aus.

Ich schlug Wurzeln bei dem vielgerühmten Volk, das der HERR sich zum Eigentum erwählt hat. Wie die Libanonzeder wuchs ich empor, wie eine Zypresse hoch auf dem Hermon; ich wuchs wie die Palmen in En-Gedi, wie Oleanderbüsche in Jericho, wie ein prächtiger Ölbaum im ebenen Land, wie eine Platane wuchs ich empor. Der lieblichste Duft ging von mir aus, wie Duft von Zimt, Gewürzrohr und Myrrhe, wie der von Galbanum, Onyx und Stakte, von den Weihrauchwolken im heiligen Zelt. Ich breitete mich aus wie eine Eiche mit stattlichen, wunderschönen Zweigen. Wie ein Weinstock trieb ich herrliche Ranken, aus meinen Blüten wurde reiche, beste Frucht. Kommt alle her, die ihr mich haben wollt! Kommt, eßt euch satt an meinen Früchten! Wenn einer sich an mich erinnert, denkt er an etwas Süßeres als Honig. Doch wer mich als festen Besitz erwirbt, bekommt noch Besseres als besten Honig. Eßt mich, dann habt ihr Hunger nach mehr; trinkt mich, dann habt ihr Durst auf mehr! Gehorcht mir, dann werdet ihr nicht enttäuscht! tut, was ich sage, und bleibt frei von Schuld!

Die Weisheit und das Gesetz

Die ganze Weisheit zeigt sich im Buch des Bundes, den GOTT, der Höchste, mit uns geschlossen hat. Dieses Buch ist das Gesetz, das Mose uns verkündet hat, der Erbbesitz der Nachkommen Jakobs in allen ihren Gemeinden. Das Gesetz ist voll von Weisheit, randvoll wie der Pischonfluß, wie der Tigris zur Zeit der ersten Früchte. Es ist voll von Erkenntnis, überfließend wie der Euphrat, wie der Jordan zur Zeit der Ernte. Es strömt über von Unterweisung wie der Nil, wie der Gihon zur Zeit der Weinlese.

Der erste Mensch, der die Weisheit des Gesetzes erforschte, ist nie damit fertig geworden, und auch der letzte wird sie nicht ausschöpfen. Denn ihr Gedanken reichen weiter als das Meer, und ihre Einsicht ist tiefer als der tiefste Abgrund.

Ich selbst sah mich wie einen Kanal, der Wasser aus dem Fluß in einen Garten leitet. Ich wollte nur meinen Garten bewässern und meine Beete tränken. Aber der Kanal schwoll an zum Strom, und der Strom wurde zum Meer. Nun will ich weitergeben, was ich gelernt habe; es soll hinausstrahlen und weithin leuchten wie die Morgensonne. Wie ein Prophet will ich Belehrung von mir geben und sie den kommenden Generationen hinterlassen. Ihr werdet sehen: Nicht nur für mich selbst habe ich mir so viel Mühe gegeben, sondern für alle, die nach der Weisheit fragen.

Kapitel 25: Wer Lob verdient und wer nicht

An drei Dingen habe ich besondere Freude, sie gelten bei dem HERR und bei Menschen als schön: wenn Brüder einander gut verstehen, wenn Nachbarn gute Freunde sind und wenn Eheleute harmonisch miteinander leben.

Drei Arten von Menschen kann ich nicht ausstehen, weil ihre Lebensweise mich abstößt: hochmütige Bettler, betrügerische Reiche und alte Männer, die so unvernünftig sind, sich mit fremden Frauen abzugeben.

Wenn du in der Jugend keine Erfahrung gesammelt hast, kannst du im Alter nicht darauf zurückgreifen. Klares Urteil und hilfreicher Rat passen gut zu weißem Haar. Weisheit, Besonnenheit und Einsicht, das ist es, was man von Alten, angesehenen Männern erwartet. Die Krone alter Menschen ist ihre Erfahrung, aber ihr größter Stolz kann nur die Ehrfurcht vor dem HERRN sein.

Neun Beispiele von wahrem Glück kann ich aufzählen, aber am meisten preise ich das zehnte:

wenn man an seinen Kindern Freude haben kann;

wenn man den Sturz seiner Feinde erlebt;

wenn ein Mann mit einer verständigen Frau verheiratet ist;

wenn Mann und Frau ein besseres Gespann abgeben als Ochse und Esel;

wenn einer nie durch seine Worte schuldig wird;

wenn man nicht für jemand arbeiten muß, der weniger kann als man selbst;

wenn man einen wirklichen Freund findet;

wenn einer beim Reden aufmerksame Zuhörer hat

und wenn einer Weisheit erlangt hat. Dann ist er wahrhaftig groß geworden.

Aber keiner übertrifft den, der den HERRN erst nimmt! Ein solcher Mensch ist mit niemand zu vergleichen, denn die Ehrfurcht vor dem HERRN ist größer und wichtiger als alles!

Über Frauen

Keine Wunde ist schlimmer als verwundete Liebe. Keine Schlechtigkeit ist größer als die, zu der Frauen fähig sind. Kein Angriff ist gefährlicher als ein Angriff von Menschen, die hassen. Keine Vergeltung ist grausamer als die Vergeltung der Feinde. Kein Gift ist tödlicher als Schlangengift, und kein Zorn ist schlimmer als der Zorn einer Frau.

Lieber mit einem Löwen oder Drachen zusammenwohnen als mit einer bösen Frau! Die Laune einer Frau verändert ihr Gesicht, bis sie dreinschaut wie ein grimmiger Bär. Ihr Mann muß bei den Nachbarn essen gehen; dort sitzt er am Tisch und seufzt, ohne es zu wollen. Jeder Ärger ist klein, verglichen mit dem Ärger, den eine Frau bereiten kann. Das Schicksal der Sünder soll sie treffen!

Eine Frau, deren Zunge nie stillsteht, ist für einen ruhigen Mann genauso anstrengend wie ein steiler Sandhügel für die Füße eines Greises.

Fall nicht auf die Schönheit einer Frau herein! Begehre auch keine zur Frau, nur weil sie Vermögen hat. Ein Mann, der sich von seiner Frau ernähren läßt, muß sich auf Wutausbrüche, Unverschämtheiten und große Schande gefaßt machen. Ein niedergedrücktes Gemüt, ein saures Gesicht und ein gebrochenes Herz - das ist das Werk einer schlechten Frau. Kraftlose Hände und zitternde Knie bekommt ein Mann, der mit seiner Frau nicht glücklich ist. Mit einer Frau hat die Sünde angefangen, ihretwegen müssen wir alle sterben. Gib dem Wasser in deiner Zisterne keinen Abfluß, und einer bösen Frau erlaube keine Unverschämtheit! Wenn sie dir nicht auf Wort und Wink folgt, dann schick sie weg!

Kapitel 26:

Wer eine gute Frau hat, ist ein glücklicher Mann; er lebt doppelt so lange. Eine tüchtige Frau macht ihrem Mann Freude; er wird seine Lebensjahre in Frieden vollenden. Eine gute Frau ist ein großes Geschenk; der HERR gibt sie denen, die ihn ernst nehmen. Gleichgültig, ob ein solcher Mann reich oder arm ist, er ist zufrieden, und sein Gesicht ist immer fröhlich.

Drei Dinge machen mich unruhig; aber vor dem vierten habe ich schreckliche Angst: übler Klatsch in der Stadt, zusammengelaufene Volksmassen und Verleumdung - sie alle sind schlimmer als der Tod. Aber am meisten Kummer und Verdruß macht eine Frau, die auf eine andere eifersüchtig ist. Bei allen diesen Übeln ist die Zunge beteiligt und richtet Unheil an.

Eine böse Frau ist wie ein hin und her zerrendes Ochsengespann; wer sie halten will, gleicht einem, der einen Skorpion in die Hand nimmt. Eine trunksüchtige Frau ist ein großes Ärgernis; sie kann ihre Schamlosigkeit nicht verbergen. Eine zuchtlose Frau erkennt man an ihrem herausfordernden Blick, ihr Augenaufschlag verrät sie.

Auf eine hemmungslose Tochter mußt du scharf aufpassen; sie nutzt jeden unbewachten Augenblick aus. Achte genau auf ihren schamlosen Blick, und wundere dich nicht, wenn sie dich hintergeht. So wie ein durstiger Wanderer jedes Wasser trinkt, das er findet, wird sie sich vor jedem Pflock niedersetzen und für jeden Pfeil den Köcher öffnen.

Lob der guten Ehefrau

Eine anmutige, liebenswürdige Frau entzückt ihren Mann, ihre Tüchtigkeit erhält ihn gesund und stark. Eine Frau, die schweigen kann, ist ein Gottesgeschenk, und eine mit guter Erziehung ist unbezahlbar. Es gibt nichts Schöneres als eine Frau mit Schamgefühl; eine, die sich selbst in der Gewalt hat, ist von unschätzbarem Wert. Die Schönheit einer guten Frau in einem sauberen, schmucken Heim ist wie die Sonne, die an GOTTES Himmel strahlt. Wie eine helle Lampe auf dem heiligen Leuchter, so erscheint ihr schönes Gesicht auf einem wohlgeformten Körper. Wie goldene Säulen auf silbernen Sockeln, so sind ihr schlanken Beine auf kräftigen Füßen.

Betrübliche Feststellungen

Zwei Dinge machen mich traurig, aber das dritte bringt mich in Wut: wenn ein Soldat nicht einmal das Nötigste zum Leben bekommt, wenn kluge Leute wie Dreck behandelt werden und wenn sie einer vom Recht zum Unrecht wendet. Der HERR wird ihn mit dem Tod bestrafen!

Kapitel 27:

Einem Händler wird es kaum gelingen, sich von Verfehlungen frei zu halten. Viele sind in Sünde geraten, weil sie auf Gewinn aus waren. Wer reich werden will, nimmt es nicht so genau. Zwischen zwei Steinen kann man einen Pflock eintreiben; zwischen Kauf und Verkauf schleicht sich das Unrecht ein. Wer nicht fest dabei bleibt, den HERRN ernst zu nehmen, dessen Haus wird bald ein Trümmerhaufen sein.

Deine Sprache verrät dich!

Wenn man ein Sieb schüttelt, bleibt zum Schluß der Abfall darin übrig; ebenso zeigen sich die Fehler eines Menschen, wenn er seine Überlegungen ausspricht. Ob ein Tongefäß gelungen ist, stellt sich im Brennofen heraus; ob ein Mensch etwas taugt, zeigt sich, wenn man mit ihm spricht. Die Pflege eines Baumes erkennt man an seinen Früchten und die Gesinnung eines Menschen an seinen Worten. Lobe niemand, bevor du ihn reden gehört hast; denn daran kannst du einen Menschen erkennen.

Wenn du dich bemühst, das Rechte zu tun, wird es dir gelingen; du wirst dich damit schmücken wie mit einem Festgewand. Nur Vögel gleicher Art nisten zusammen; so kommt auch die Ehrlichkeit nur zu denen, die mit ihr leben wollen. Wie ein Löwe auf Beute lauert, so lauert die Sünde auf alle sie sich mit Unrecht abgeben.

Was ein Mensch sagt, der GOTT ehrt, ist immer wohlbegründet. Einer, der GOTT mißachtet, gleicht dem Mond; er wechselt ständig seine Meinung. Im Kreis von Unverständigen geize mit deiner Zeit; im Kreis von Verständigen aber nimm dir Zeit! Das Gerede dummer Leute bringt Verärgerung, und ihr Gelächter ist die Ausgelassenheit von Sündern. Beim Gerede von Leuten, die alles mit Schwüren beteuern, stehen einem die Haare zu Berge, und wenn sie miteinander zanken, kann man sich nur die Ohren zuhalten. Der Streit übermütiger Menschen führt oft zu Blutvergießen; schon ihren Schimpfreden zuzuhören, ist eine Qual.

Über den Umgang mit Geheimnissen

Wer Anvertrautes ausplaudert, zerstört das Vertrauen und findet nie einen wahren Freund. Liebe deinen Freund und bewahre dir sein Vertrauen! Wenn du seine Geheimnisse verrätst, kannst du ihn als Freund vergessen. Dann hast du seine Freundschaft genauso endgültig verloren wie einen Toten. Du bist deinen Freund los und bekommst ihn nicht wieder, genauso wenig wie du einen Vogel wieder einfangen kannst, den du aus deiner Hand entkommen läßt. Es ist nutzlos, ihm nachzulaufen; er ist schon zu weit fort, wie eine Gazelle, die aus der Schlinge freigekommen ist. Wunden kann man verbinden, und nach Beleidigungen kann man sich aussöhnen; aber wer Anvertrautes ausplaudert, für den gibt es keine Hoffnung mehr.

Über Heuchelei und Falschheit

Wer mit den Augen zwinkert, führt Böses im Schilde, und niemand kann ihn davon abbringen. Wenn er bei dir ist, schmeichelt er dir mit freundlichen Worten und begeistert sich für alles, was du sagst. Aber hinter deinem Rücken redet er ganz anders, da dreht er dir aus deinen Worten einen Strick. Es gibt vieles, was ich nicht ausstehen kann, am wenigsten einen solchen Menschen, und auch der HERR verabscheut ihn.

Wer einen Stein in die Luft wirft, wird selbst davon getroffen; und ein heimtückischer Schlag verletzt auch den Schläger. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein; und wer anderen Schlingen legt, fängt sich selbst darin. Wer Unheil stiftet, wird davon überfallen und ahnt nicht, woher es kommt.

Überhebliche Menschen haben für andere nichts als Hohn und Spott; aber die Vergeltung lauert auf sie wie ein Löwe. Wer schadenfroh über den Sturz rechtschaffener Menschen jubelt, der läuft in eine Falle und bekommt seine Strafe, noch ehe er stirbt.

Kapitel 28: Vergebung statt Rachsucht

Rachsucht und unbeherrschter Zorn sind abscheulich; aber Sünder sind Meister darin. Der HERR übersieht kein Unrecht; wer sich rächt, muß mit der Rache des HERRN rechnen. Wenn jemand dir Unrecht getan hat, verzeih ihm! Dann wird der HERR auch deine Schuld vergeben, wenn du ihn darum bittest. Aber wenn du einem anderen gegenüber unversöhnlich bleibst, kannst du beim HERRN keine Vergebung erwarten. Wenn du kein Erbarmen hast mit einem anderen Menschen, einem Sünder wie du selbst einer bist, wie kannst du dann um Vergebung deiner Schuld beten? Wer soll deine Verfehlungen aus der Welt schaffen, wenn du anderen ihre Fehler nachträgst, obwohl du ein vergänglicher Mensch bist? Denk an dein Ende, an Tod und Verwesung, die dich erwarten; hör auf zu hassen und halte dich an die Gebote! Denk an die Vorschriften des Bundes, den GOTT, der Höchste, mit uns geschlossen hat! Anstatt einem Mitmenschen nachzutragen, was er dir angetan hat, übersieh es!

Warnung vor Streitsucht

Halte dich aus Streitereien heraus, dann hast du weniger Gelegenheit, Unrecht zu tun. Denn einer, der sich in Zorn redet, facht den Streit an. Ein boshafter Mensch bringt Freunde auseinander, er stiftet Feindseligkeit zwischen Leuten, die sich gut verstehen. Je mehr Brennstoff, desto heißer das Feuer; je größer der Starrsinn, desto hitziger der Streit; und je mächtiger und reicher einer ist, desto mehr kann er sich erlauben, wütend zu werden. Eine unvorhergesehene Meinungsverschiedenheit kann ein Feuer entflammen, und ein hitziger Streit führt leicht zu Blutvergießen. Du kannst einen Funken anblasen, dann wird er zur Flamme; du kannst auch darauf spucken, dann verlöscht er - und beides machst du mit demselben Mund!

Warnung vor der bösen Zungen

Fluch über die Verleumder und Lügner! Sie haben schon viele, die im Frieden miteinander lebten, ins Unglück gestürzt. Viele sind durch verleumderische Zungen in Schwierigkeiten geraten, viele mußten ihre Heimat verlassen; feste Städte sind durch Verleumdung zerstört worden, und angesehene Männer haben ihre Häuser verloren. Verleumder sind schuld, daß tüchtige Frauen fortgejagt und um den Ertrag ihrer mühevollen Arbeit gebracht wurden. Wer auf Verleumdung achtet, hat keine ruhige Minute mehr; um seinen Frieden ist es geschehen. Mit einer Peitsche kann man Striemen schlagen, mit der Zunge kann man Knochen zerschlagen. Durch scharfe Zungen sind mehr Menschen ums Leben gekommen als durch scharfe Schwerter. Du kannst dich freuen, wenn du ihr eisernes Joch nie auf dem Nacken und ihre schweren Ketten nie an den Füßen gespürt hast! Der Tod, den sie bringt, ist schlimm; aber tot sein ist besser, als unter ihrer Gewalt zu leben.

Über Menschen, die GOTT ernst nehmen, hat sie keine Macht; sie können nicht von ihren Flammen versengt werden. Aber alle, die den HERRN verlassen, fallen ihr zum Opfer. Sie flammt unter ihnen auf und verlischt nicht mehr. Sie wirft sich auf sie wie ein Löwe und reißt sie in Stücke wie ein Leopard.

Deinen Grundbesitz umgibst du mit einer Dornenhecke; du solltest auch für deinen Mund eine Tür mit Schloß und Riegel machen! Dein Geld schließt du sorgfältig ein. Geh genauso sorgfältig mit deinen Worten um, leg jedes von ihnen auf die Waage! Paß auf, daß du nicht über deine eigenen Worte stolperst und gerade dem vor die Füße fällst, der schon darauf wartet!

Kapitel 29: Über Darlehen

Wer mit seinem Nachbarn fühlen kann, ist auch bereit, ihm etwas zu leihen. Wer anderen aus der Not hilft, befolgt die Gebote GOTTES. Wenn der andere etwas braucht, dann leih es ihm; und wenn du ihm etwas schuldest, dann zahl es ihm pünktlich zurück! Halte, was du versprochen hast! Dann hat man Vertrauen zu dir und leiht dir jederzeit, was du brauchst.

Manche betrachten ein Darlehen als einen glücklichen Fund, den man behalten kann, und bringen die in Schwierigkeiten, die ihnen ausgeholfen haben. Bevor solch einer das Geld eines anderen kriegt, küßt er ihm die Hand und redet im unterwürfigsten Ton. Doch wenn es ans Zurückzahlen geht, schiebt er es immer wieder hinaus und sagt, wie leid es ihm tut, aber die Zeiten seien gerade so schlecht. Kann er zurückzahlen, so bringt er kaum die Hälfte und tut, als brächte er etwas Gefundenes zurück. Kann er es nicht, so ist der Gläubiger sein Geld los. Dafür bekommt er einen ungewollten Feind, der ihn mit Flüchen, Schimpfworten und Verachtung belegt, statt ihm zu danken. Darum wollen viele nicht mehr leihen. Sie sind nicht hartherzig, sie wollen nur nicht unnötig betrogen werden.

Über die Hilfsbereitschaft

Trotzdem: Sei großherzig gegenüber dem Bedürftigen, laß ihn nicht auf deine Hilfe warten! Unterstütze den Armen, wie der HERR es befohlen hat; schick ihn in seiner Not nicht mit leeren Händen zurück! Gib dein Geld lieber für einen Bruder oder Freund aus, als es unter irgendeinem Stein zu vergraben, wo es verrottet! Verwende deinen Reichtum, wie GOTT, der Höchste, es angeordnet hat; das bringt dir mehr ein als dein Gold. Wohltaten, die du anderen erwiesen hast, kannst du als Juwelen in deiner Schatzkammer betrachten; sie werden dir aus jedem Unglück heraushelfen. Sie werden dich besser gegen deine Feinde verteidigen als der festeste Schild und der schwerste Spieß.

Über Bürgschaften

Ein guter Mensch übernimmt die Bürgschaft für die Schulden seines Nachbarn. Nur einer, der jedes Anstandsgefühl verloren hat, läßt ihn im Stich. Wenn einer dir den Gefallen getan hat, für dich zu bürgen, vergiß es ihm nicht! Er hat sich selbst für dich aufs Spiel gesetzt. Nur ein Schurke ruiniert seinen Bürgen, nur wer keine Dankbarkeit kennt, läßt seinen Retter im Stich. Bürgschaft hat schon viele Wohlhabende zugrunde gerichtet und sie wie Wellen im Meer hin und her geworfen, von einer Schwierigkeit in die andere. Einflußreiche Männer haben dadurch Haus und Heimat verloren und mußten in fremden Ländern umherirren. Ein schlechter Mensch, der sich in Bürgschaften stürzt, weil er damit Geschäfte machen will, sieht sich auf einmal in Prozesse verwickelt. Hilf deinen Mitmenschen, so gut du kannst; aber paß auf, daß dich keiner hereinlegt!

Über das Leben zu Hause und unter Fremden

Das Wichtigste, das man zum Leben braucht, sind Wasser, Brot, Kleidung und ein Heim, wo man für sich sein kann. Lieber ein Leben in Armut unter dem eigenen Bretterdach, als ein Schlemmerleben in fremden Häusern. Sei zufrieden mit dem wenigen oder vielen, das du hast; dann hörst du von niemand den Vorwurf, ein fremder Eindringlich zu sein. Von Haus zu Haus ziehen zu müssen, ist kein Leben. Und weil du fremd bist, darfst du nirgendwo den Mund aufmachen. Du lädst andere zum Essen und Trinken ein, und keiner dankt dir dafür. Im Gegenteil, du bekommst noch herabsetzende Worte zu hören: Los, Fremder, deck den Tisch!" Bringe her, was du zu essen hast! Verschwinde, Fremder! Ich erwarte einen wichtigen Gast. Mein Bruder kommt mich besuchen, da brauche ich das Haus.

Als Fremder beschimpft und als Darlehensgeber auch noch beleidigt zu werden, das ist für einen empfindsamen Menschen schwer zu ertragen.

Kapitel 30: Über Kindererziehung

Wer seinen Sohn liebt, gibt ihm häufig den Stock zu spüren; dann kann er sich später über ihn freuen. Wer seinen Sohn gut erzieht, wird seine Freude an ihm haben und kann im Kreis der Bekannten stolz auf ihn sein. Wer seinem Sohn etwas beibringt, macht seine Feinde neidisch, und seinen Freunden gegenüber strahlt er vor Glück. Stirbt der Vater, so ist es, als sei er gar nicht gestorben; den er hat sein wahres Ebenbild hinterlassen. Solange er lebt, freut er sich beim Anblick seines Sohnes, und wenn er stirbt, hat er nichts zu bereuen. Er hinterläßt einen, der ihn an seinen Feinden rächen kann und seinen Freunden die verdiente Dankbarkeit erweist.

Wer seinen Sohn verwöhnt, muß ihm ständig unnötige Wunden verbinden, und beim kleinsten Schrei fährt ihm der Schreck in die Glieder. Ein gebändigtes Pferd wird störrisch, und ein Sohn, dem man die Zügel schießen läßt, wird unberechenbar. Sei zu zärtlich mit deinem Kind, und du wirst böse Überraschungen erleben. Mach dauernd Scherze mit ihm, und es wird dir Kummer machen. Deshalb lach nicht zuviel mit ihm, sonst mußt du später seinetwegen weinen oder vor Ärger mit den Zähnen knirschen. Solange es Kind ist, laß ihm nicht seinen Willen! Solange es klein ist, gib ihm tüchtig was hinten drauf, sonst wird es widerspenstig und gehorcht dir nicht mehr. Erzieh deinen Sohn und mach etwas Gutes aus ihm, damit er dir keine Schande macht!

Über die Gesundheit

Arm sein, aber gesund und kräftig, ist besser als reich sein, aber an allen möglichen Krankheiten leiden. Ein gesunder Körper ist besser als Gold und ein fröhlicher Sinn besser als Perlen. Kein Reichtum ist mehr wert als die Gesundheit und kein Glück größer als ein fröhliches Herz. tot sein und für immer Ruhe haben ist besser als ein elendes Leben mit nicht endender Krankheit. Was soll das beste Essen, wenn man zu krank ist, um den Mund aufzumachen? Ebensogut könnte man es auf ein Grab stellen. Was soll ein Götzenbild mit einem Speisopfer anfangen? Es kann doch weder essen noch riechen! Genauso geht es einem, dem der HERR mit Krankheit zusetzt. Er sieht das schöne Essen und seufzt, wie ein Eunuch, der ein Mädchen umarmt.

Gib dich nicht dem Trübsinn hin, quäle dich nicht selbst mit nutzlosem Grübeln! Freude und Fröhlichkeit verlängern das Leben des Menschen und machen es lebenswert. Überrede dich selbst zur Freude, sprich dir Mut zu und vertreibe den Trübsinn! Der hat noch nie jemand geholfen, aber viele hat er umgebracht. Eifersucht und Ärger verkürzen das Leben, und Sorgen machen vorzeitig alt. Ein fröhliches Herz sorgt für guten Appetit und auch für gute Verdauung.

Kapitel 31: Über die Gefahren des Reichtums

Sorgen um den Reichtum vertreiben den Schlaf, und Schlaflosigkeit zehrt am Körper. Ständiges Sorgen läßt nicht zur Ruhe kommen und verhindert den Schlaf wie eine schwere Krankheit.

Der Reiche müht sich ab mit dem Sammeln von Geld und Gut, und wenn er sich ausruht, genießt er seinen Reichtum. Der Arme müht sich ab, um schlecht und recht leben zu können, und wenn er sich ausruht, muß er hungern.

Wer das Geld liebt, bleibt nicht schuldlos; wer immer reicher werden will, wird vom Reichtum verführt. Das Gold ist schon manchem zum Verhängnis geworden, ganz plötzlich sah er sich ruiniert. Für alle, die ihm verfallen sind, ist es eine Falle; jeder Unverständige gerät hinein.

Wie glücklich ist einer, der reich wird, ohne schuldig zu werden, weil er nicht hinter dem Geld her ist! Wo ist solch ein Mensch? Wir möchten ihm gratulieren; denn er hat ein Wunder vollbracht, das noch keinem gelungen ist. Wer diese Prüfung bestanden hat, darf stolz sein. Hat er eine Gelegenheit zum Sündigen gehabt und sie nicht genutzt? Konnte er jemand betrügen und hat es nicht getan? Dann wird sein Glück von Dauer sein, und in der Gemeinde wird man seine Wohltaten aufzählen.

Vom Maßhalten beim Essen und Trinken

Wenn du an einem reich gedeckten Tisch sitzt, dann laß nicht vor Staunen den Mund offenstehen und sag auch nicht: Das ist mehr, als ich essen kann! Denk daran, wie häßlich gierige Augen sind! von allem, was geschaffen wurde, ist nichts schlimmer als das Auge. Darum muß es auch so oft weinen! Streck nicht die Hand aus nach etwas, worauf dein Tischnachbar blickt; sonst stößt du mit seiner Hand in der Schüssel zusammen. Laß dir von deinem eigenen Gefühl sagen, was der andere empfindet, und überlege dir genau, was du tust! Was man dir vorsetzt, das iß wie ein Mensch! Schling es nicht in dich hinein, das kann niemand ausstehen! Zeig, daß du dich benehmen kannst, und hör als erster auf zu essen! Stopf dich nicht voll, sonst fällst du unangenehm auf! Wenn du mit mehreren zusammen bei Tisch sitzt, dann sei nicht der erste, der zulangt! Einer, der sich benehmen kann, braucht nicht viel, um genug zu haben. Wenn er sich dann schlafen legt, hat er auch keine Atembeklemmungen. Wer sich den Magen vollschlägt, bekommt Bauchschmerzen und kann nicht schlafen. Wer beim Essen bescheiden ist, hat einen gesunden Schlaf, wacht am Morgen früh auf und fühlt sich wohl. Wenn man dich genötigt hat, mehr zu essen, als du verträgst, geh nach draußen und brich es aus, dann fühlst du dich besser. Hör auf mich, mein Sohn, schlage meinen Rat nicht in den Wind! Eines Tages wirst du mir recht geben. Bei allem, was du tust, sei vernünftig, dann wirst du auch nicht krank!

Ein glänzender Gastgeber wird von allen gepriesen, ein ausgezeichneter Ruf ist ihm gewiß. Über einen knauserigen Gastgeber hingegen schimpft die ganze Stadt, sein Ruf ist genauso schlimm wie er selbst.

Spiel beim Weintrinken nicht den starken Mann; der Wein hat schon viele schwach gemacht. Wie der Glühofen gehärteten Stahl erprobt, so zeigt der Wein den Charakter überheblicher Menschen, die sich streiten. Der Wein kann dem Menschen Leben einflößen, wenn er ihn mäßig trinkt. Was wäre das Leben ohne Wein? Er war doch von Anfang an da, um uns zu erfreuen! Zur rechten Zeit und mäßig getrunken, gibt der Wein eine heitere Stimmung und ein fröhliches Herz. Doch im Übermaß getrunken, versetzt er in schlechte Laune, macht gereizt und streitsüchtig. Wenn ein Dummkopf betrunken ist, steigert sich sein Ärger zum öffentlichen Ärgernis. Sein Rausch nimmt ihm alle Kraft und bringt ihm außerdem noch Schläge ein. Wenn du zusammen mit einem anderen trinkst, mach ihm keine Vorhaltungen! Spotte nicht über ihn, wenn er in Stimmung geraten ist! Beschimpfe ihn nicht und komm ihm vor allem nicht mit den Schulden, die er dir zurückzahlen soll!

Kapitel 32: Richtiges Verhalten bei einem Festmahl

Wenn man dir bei einem Festmahl den Vorsitz überträgt, dann spiele dich nicht auf! Benimm dich wie jeder andere Gast auch! Kümmere dich um das Wohl der anderen, bevor du dich selber hinsetzt. Nachdem du alle deine Pflichten erfüllt hast, kannst du deinen Platz einnehmen und dich über die Zufriedenheit der anderen freuen. Zum Dank für dein vorbildliches Verhalten werden sie dir den Ehrenkranz aufsetzen.

Bist du älter als die anderen Gäste, so steht es dir zu, das Wort zu ergreifen. Sprich nur über Dinge, die du genau kennst, aber verhindere nicht die Musik! Wo es Musik und Gesang zu hören gibt, halte keine langen Reden! Es wäre der schlechteste Augenblick, dein Wissen anzubringen. Musik zu einem Festmahl mit Wein ist wie ein Rubin in einem goldenen Schmuckstück. Wie ein Smaragd in einem goldenen Siegelring, so ist eine schöne Melodie zusammen mit einem gutem Wein.

Wenn du jung bist, sprich nur, wenn es nötig ist; aber höchstens zweimal und nur, wenn man dich etwas fragt! Faß dich kurz, sag viel mit wenig Worten! Zeig, daß du Bescheid weißt und trotzdem schweigen kannst! Wenn du unter angesehenen Leuten bist, halte dich nicht für ebenso wichtig! Und wenn Ältere da sind, solltest du nicht viel reden! Einem bescheidenen Menschen geht ein guter Ruf voraus, genauso sicher wie der Blitz dem Donner.

Wenn es Zeit ist zu gehen, mußt du nicht der letzte sein! Geh schnell nach Hause und werde unterwegs nicht ausgelassen! Zu Hause kannst du dich nach Herzenslust vergnügen; aber versündige dich nicht durch lästerliche Reden! Und für alles danke deinem Schöpfer, der dich mit so vielen guten Gaben erfreut!

Mit dem Gesetz leben

Wer den HERRN ernst nimmt, der nimmt auch seine Weisung an. Alle, die schon frühmorgens nach ihm fragen, erfahren seine Liebe. Wer das Gesetz erforscht, entdeckt seine ganze Fülle. Aber wer unaufrichtig mit ihm umgeht, wird von ihm in die Irre geführt. Wer den HERRN ernst nimmt, findet heraus, was recht ist. Seine guten Taten werden sichtbar wie das Licht. Ein Sünder läßt sich nicht zurechtweisen; er legt sich das Gesetz so zurecht, wie es ihm paßt.

Ein einsichtiger Mensch beachtet jede andere Meinung, aber der Hochmütige nimmt auf nichts Rücksicht. tu nichts ohne Überlegung, dann hast du hinterher nichts zu bereuen. Geh keiner Tätigkeit nach, die vollen Gefahren ist; dann machst du auch nicht mehr denselben Fehler. Fühle dich aber auch nicht zu sicher, wenn alles ganz einfach aussieht. Sogar deinen Kindern gegenüber sei vorsichtig! Bei allem, was du tust, verlaß dich auf dein eigenes Gewissen; auch das gehört zum Befolgen der Gebote. Wer dem Gesetz vertraut, beachtet seine Vorschriften. Und wer sich auf den HERRN verläßt, wird keinen Schaden erleiden.

Kapitel 33:

Wer den HERRN ernst nimmt, den trifft kein Unheil. Gerät er in Schwierigkeiten, so hilft der HERR ihm heraus. Ein kluger Mensch hat niemals Abscheu vor dem Gesetz; aber wer seine Liebe zum Gesetz nur heuchelt, gleicht einem Boot, das vom Sturm geschüttelt wird. Ein verständiger Mensch verläßt sich auf das Gesetz; für ihn ist es so zuverlässig wie eine Entscheidung der heiligen Lose.

Wenn du willst, daß man dir zuhört, dann bereite deine Rede gut vor! Nimm all dein Wissen zusammen, bevor du etwas sagst! Die Gefühle und Gedanken eines Dummen sind wie ein Wagenrad auf seiner Achse: sie drehen sich immerfort im Kreis. Ein Freund, der über jeden spottet, ist wie ein Hengst, der unter jedem Reiter wiehert.

Über die Ungleichheit

Warum sind manche Tage wichtiger als die anderen, wo doch alle Tage des Jahres ihr Licht von derselben Sonne bekommen? Der HERR hat sie in seiner Einsicht ausgesondert und sie als Festzeiten und Feiertage bestimmt. Diese Tage hat er zu herausragenden und heiligen Tagen gemacht, die anderen gelten als gewöhnliche Tage.

Alle Menschen sind aus Erde, genauso wie Adam, der aus Erde geschaffen wurde. Und doch hat der HERR sie in seiner großen Weisheit alle verschieden gemacht und ihnen unterschiedliche Aufgaben zugewiesen. Manche hat er gesegnet und zu hohen Ehren gebracht, manche hat er geweiht und zum Dienst in seiner Nähe bestimmt. Andere hat er verflucht und erniedrigt und sie von ihrem hohen Posten heruntergeholt. Wie Ton, den der Töpfer mit seinen Händen formt, wie es ihm gefällt, so sind die Menschen in der Hand ihres Schöpfers: Er bestimmt, was er mit jedem einzelnen macht.

Dem Guten steht das Böse gegenüber und dem Leben der Tod. So steht der Sünder dem gegenüber, der GOTT ehrt. Sieh dir alles an, was GOTT, der Höchste, geschaffen hat: Alles kommt paarweise vor, eins das Gegenteil vom anderen.

Ich selber habe als Letzter meinen Dienst angetreten, wie einer, der nach den Winzern durch den Weinberg geht und Nachlese hält. Mit dem Segen des HERRN bin ich mit meiner Arbeit durchgekommen und habe meine Weinpresse gefüllt wie ein Winzer. Versteht meine Absicht: Nicht für mich allein habe ich mir so viel Mühe gegeben, sondern für alle, die nach Bildung fragen. Hört mir zu, ihr Führer des Volkes! Ihr Vorsteher der Gemeinde, achtet auf das, was ich sage!

Unabhängig bleiben

Solange du lebst, laß niemand Gewalt über dich bekommen, weder Sohn noch Frau, weder Bruder noch Freund! Übergib auch keinem dein Vermögen! Du könntest es bedauern und müßtest es dann zurückfordern. Solange noch ein Hauch von Leben in dir ist, laß keinen Menschen über dich bestimmen! Es ist besser, wenn deine Kinder dich um etwas bitten müssen, als wenn du von ihnen abhängig bist. Bei allem, was du tust, behalte du die Zügel in der Hand, damit niemand deine Autorität in Frage stellt! Erst am Ende deines Lebens, in deiner letzten Stunde, verteile deinen Besitz an die Erben!

Über den Umgang mit Sklaven

Ein Esel braucht sein Futter, seine Last und den Stock; ein Sklave braucht sein Brot, seine Arbeit und strenge Zucht. Wenn du deinen Diener bei der Arbeit hältst, hast du deine Ruhe. Aber wenn du ihm nichts zu tun gibst, sucht er seine Freiheit. Mit Zaumzeug und Joch, kann man Zugtiere zähmen; einen widerspenstigen Sklaven zähmt man mit Stock und Peitsche. Stell ihn an die Arbeit, damit er nicht herumlungert. Wer nichts zu tun hat, dem kommen alle möglichen schlechten Gedanken. Gib ihm Arbeit, denn die braucht er. Und wenn er dir nicht gehorcht, leg im Fußeisen an! Aber geh bei keinem zu weit; tu nichts, was gegen das Recht verstößt!

Wenn du einen einzigen Sklaven hast, dann behandle ihn wie deinesgleichen; denn du hast ihn mit sauer verdientem Geld erworben. Einen solchen Sklaven behandle wie einen Bruder; denn er ist für dich so wichtig wie dein eigenes Leben. Wenn du ihn mißhandelst, läuft er dir davon. Wo willst du ihn dann suchen?

Kapitel 34: Über die Sinnlosigkeit von Träumen

Leere, trügerische Hoffnungen sind etwas für Leute ohne Verstand, nur sie lassen sich von Träumen aufregen. Wer auf Träume achtet, ist wie einer, der Schatten fangen will oder dem Wind nachjagt. Was man im Traum sieht, ist nur eine Spiegelung, so unwirklich wie das Spiegelbild eines Gesichtes, verglichen mit dem Gesicht selbst. Etwas Unreines kann nichts Reines hervorbringen; ebensowenig kann der Schein die Wirklichkeit hervorbringen. Wahrsagereien, Zeichendeutungen und Träume sind alle gleich sinnlos, genauso wie die Phantasien einer Gebärenden. Darum schenke einem Traum keine Beachtung, es sei denn, GOTT, der Höchste, hätte ihn dir zur Warnung geschickt. Träume haben schon viele in die Irre geführt; sie haben sich Hoffnungen gemacht und sind enttäuscht worden. Das Gesetz geht ohne solchen Betrug in Erfüllung, und die Weisheit erweist ihre Vollkommenheit durch den Mund vertrauenswürdiger Menschen.

Über die Nützlichkeit des Reisens

Wer viel herumgekommen ist , hat viel gelernt; er hat reiche Erfahrungen gesammelt und redet von Dingen, die er kennt. Wer keine Erfahrungen gemacht hat, kann nicht viel wissen; wer aber viel herumkommt, erwirbt sich große Gewandtheit. Bei meinen eigenen Reisen habe ich viel gesehen und mehr gelernt, als ich mit Worten ausdrücken kann. Oft genug bin ich in Lebensgefahr gewesen, aber meine Erfahrungen haben mir jedesmal herausgeholfen.

Den HERRN ernst nehmen

Alle, die den HERRN ernst nehmen, werden am Leben bleiben; denn sie setzen ihre Hoffnung auf den, der sie retten kann. Wer Ehrfurcht vor dem HERRN hat, hat nichts anderes zu fürchten. Er verliert nie den Mut, denn der HERR ist seine Hoffnung. Wie glücklich ist jeder, der den HERRN ernst nimmt! Er weiß, wem er vertraut und wer ihm zur Seite steht. Der HERR blickt freundlich auf alle, die ihn lieben. Er ist ihr Beschützer und starker Helfer, ihre Zuflucht bei glühendem Wind, ihr Schatten bei sengender Mittagshitze. Er bewahrt sie davor, zu straucheln und zu stürzen. Er füllt ihr Herz mit Freude und läßt ihre Augen strahlen. Er beschenkt sie mit seinem Segen, mit Gesundheit und Leben.

Über Opfergaben und Gebete

Wer als Brandopfer ein Tier darbringt, das er sich durch Unrecht angeeignet hat, der bringt ein fehlerhaftes Opfer. Gaben von solchen, die das Gesetz übertreten, nimmt der HERR nicht an. GOTT, der Höchste, hat keine Freude an Opfern von Menschen, die ihn mißachten. Wenn er Schuld vergibt, dann liegt es nie an der Zahl der Opfer. Wer einem Armen ein Tier wegnimmt, um es als Opfer darzubringen, handelt wie einer, der einen Sohn in Gegenwart seines Vaters tötet. Das Leben der Armen hängt an ihrer dürftigen Nahrung; wer sie ihnen nimmt, ist ein Mörder. Wer seinem Mitmenschen wegnimmt, wovon er lebt, der bringt ihn um. Auch der ist ein Mörder, der einem Arbeiter nicht den verdienten Lohn auszahlt.

Wenn einer baut und ein anderer niederreißt, dann haben beide viel Mühe gehabt; sonst ist nichts dabei herausgekommen. Wenn einer segnet und ein anderer verflucht, auf welchen von ihnen soll der HERR dann hören? Wenn jemand durch die Berührung eines Toten unrein geworden ist und sich durch ein Bad gereinigt hat, darauf aber den Toten wieder berührt, welchen Wert hat dann sein Bad? So ist es auch mit dem, der wegen seiner Verfehlungen fastet und anschließend dasselbe Unrecht wieder begeht. Was bringt ihm seine Demutsübung ein? Wer soll eigentlich auf sein Gebet hören?

Kapitel 35:

Das Gesetz befolgen ist ebensoviel wert wie viele Opfergaben. Wer sich nach den Geboten richtet, bringt damit ein Mahlopfer dar. Eine Wohltat erweisen ist wie ein Speiseopfer, und den Armen helfen ist wie ein Dankopfer. Wer sich von allem Bösen fernhält, macht dem HERRN Freude; und wer Unrecht meidet, bringt ihm damit ein Sühneopfer dar. Komm trotzdem nicht mit leeren Händen in den Tempel des HERRN; denn alle diese Opfer hat er angeordnet. Wenn einer, der dem HERRN gehorcht, sein Opfer darbringt und das Fett auf dem Altar verbrannt wird, steigt der Wohlgeruch hinauf zu GOTT, dem Höchsten. Der HERR wird sein Opfer annehmen und den Teil, der für ihn verbrannt wird, nicht übersehen. Ehre den HERRN durch großzügige Opfergaben; sei nicht kleinlich mit dem Besten vom Ertrag deiner Arbeit! Bringe ihm alle deine Gaben mit einem fröhlichen Gesicht; und wenn du für ihn den Zehnten entrichtest, tu es mit Freude! Gib GOTT, dem Höchsten, so wie er dir gegeben hat; tu es freigebig und nach Vermögen! Der HERR wird es dir vergelten, siebenfach wird er es dir zurückgeben.

GOTT sorgt für das Recht

Versuche nicht, den HERRN mit Opfergaben zu bestechen, er nimmt sie nicht an! Verlaß dich nicht auf Opfer, die du durch Unrecht erworben hast; denn der HERR sorgt für das Recht. Vor ihm sind alle gleich. Er ist nicht voreingenommen gegen den Armen, und wenn jemand Unrecht geschehen ist, hört er auf sein Gebet. Niemals überhört er den Hilferuf der Waisen oder die Klage einer Witwe. Er sieht die Tränen, die über ihre Wangen laufen, und hört ihren Schrei, ihre Anklage gegen den, der die Tränen verursacht hat.

Wer dem HERRN so dient, wie es vor ihm recht ist, der wird angenommen, und seine Bitten erreichen den Himmel. Das Gebet dessen, der sich selbst geringachtet, durchdringt die Wolken. Er gibt sich erst zufrieden, wenn er sein Ziel erreicht hat. Er läßt nicht nach, bis GOTT, der Höchste, eingreift und seinem Volk Recht verschafft.

Der HERR läßt nicht auf sich warten. Er hat nicht lange Geduld mit den Verbrechern, den Grausamen wird er die Knochen zerschmettern. Er wird den fremden Völkern ihr Tun vergelten; alle Vermessenen wird er ausrotten und die Macht seiner Feinde zerbrechen. Jedem Menschen wird er geben, was er aufgrund seiner Taten und Absichten verdient. Er wird sein Erbarmen zur Freude führen. In Zeiten der Not sehnt man sich nach seinem Erbarmen wie nach einer Regenwolke in einem dürren Sommer.

Kapitel 36: Gebet um Hilfe für Israel

Hab Erbarmen mit uns, du HERR und GOTT der ganzen Welt! Stürze alle Völker in Angst und Schrecken! Streck deine Hand aus zum Kampf gegen die fremden Völker, damit sie deine Macht erkennen! Du hast die Völker an uns sehen lassen, wie heilig du bist. Laß sie erkennen, wie wir es erkannt haben, daß es keinen anderen GOTT gibt, nur dich, HERR! Zeig uns neue Wunder, wiederhole deine mächtigen Taten! Mach den Ruhm deiner starken Hand noch größer! Fach deinen Zorn an wie ein Feuer, schütte ihn aus über unsere Feinde, um sie zu vernichten! Laß bald die Zeit kommen, die du bestimmt hast, mach deinen Schwur wahr, damit man überall von deinen gewaltigen Taten spricht! Im Feuer deines Zorns sollen alle umkommen, die sich bis jetzt noch retten konnten! Sie, die dein Volk gequält haben, sollen den Untergang finden! Zerschmettere die Köpfe der feindlichen Herrscher, die behaupten: Außer uns zählt niemand!

Bring die Stämme der Nachkommen Jakobs wieder zusammen! Gib ihnen ihr Land wieder, das du ihnen am Anfang als Besitz zugeteilt hast. HERR, hab Erbarmen mit Israel, dem Volk, das deinen Namen trägt, das du deinen erstgeborenen Sohn genannt hast. Hab Mitleid mit Jerusalem, der Stadt, in der dein Heiligtum steht und die du erwählt hast, um dort zu wohnen. Erfülle die Zionsstadt mit deinem Ruhm und deinen Tempel mit deiner Herrlichkeit! Bekenne dich zu deinem Volk, das du am Anfang geschaffen hast! Laß die Zusagen in Erfüllung gehen, die in deinem Namen ausgesprochen wurden! Belohne alle, die auf dich warten, damit deine Propheten als zuverlässige Boten bestätigt werden. HERR, erhöre die Bitte deiner Diener; du warst doch immer gut zu deinem Volk. Dann werden alle auf der Erde erkennen, daß du der HERR bist, der ewige GOTT.

Über die Wahl der Ehefrau

Der Magen verträgt zwar alle möglichen Speisen; aber die einen sind besser als die anderen. Wie der Gaumen einen Wildbraten sofort herausschmeckt, so kann ein kluger Verstand Lügen herausfinden. Ein hinterlistiger Kopf macht den anderen das Leben schwer; aber ein erfahrener Mann weiß, wie er es ihm heimzahlt.

Eine Frau muß jeden Mann nehmen, der sie heiraten will; aber ein Mann kann unter den Mädchen das bessere auswählen. Die Schönheit einer Frau bringt das Gesicht des Mannes zum Strahlen, für seine Augen gibt es keinen schöneren Anblick. Wenn sie dazu noch freundlich und bescheiden redet, gehört ihr Mann zu den wenigen ganz glücklichen Männern. Wer eine solche Frau gewinnt, gewinnt das Beste, das er je bekommen kann: eine Hilfe, wie er sie braucht, und eine feste Stütze.

Wo der Zaun fehlt, kann jeder Dieb das Grundstück plündern. Wo eine Frau fehlt, irrt der Mann klagend umher. Niemand vertraut einem flinken Räuber, der von einer Stadt zur anderen eilt. Genauso wenig vertraut man einem Mann, der kein Heim hat und jede Nacht dort schläft, wo er sich gerade befindet.

Kapitel 37: Über wahre und falsche Freunde

Jeder kann sagen: Ich bin dein Freund. Aber mancher ist es nur dem Namen nach. Der Schmerz, den man empfindet, wenn ein vertrauter Freund zum Feind wird, ist so schlimm wie der Tod. Die Neigung zum Bösen in uns, wie konnte sie nur entstehen? Wie konnte sie die Erde mit Falschheit überschwemmen? Da genießt einer alle Freuden am Tisch seines Freundes; aber sobald es dem Freund schlecht geht, wendet er sich gegen ihn. Solange er etwas für seinen Bauch bekommt, ist er bereit, mit seinem Freund zu leiden. Doch wenn es zum Kampf kommt, verschwindet er hinter seinem Schild. Einen Freund darfst du nie vergessen, erst recht nicht, wenn du reich wirst.

Der gute und schlechte Ratgeber

Jeder Ratgeber hält seinen Plan für den besten; aber mancher sucht mit seinem Rat nur den eigenen Vorteil. Sei vorsichtig, wenn dir einer gute Ratschläge geben will! Finde heraus, was er damit bezweckt; denn für sich selbst plant er zuerst. Dann zieht er für dich das schlechte Los und sagt: Es sieht gut für dich aus. In sicherem Abstand bleibt er stehen und wartet ab, was mit dir geschieht.

Hol dir keinen Rat bei einem, der dir nichts gönnt! Und einem, der neidisch auf dich ist, sag nichts von deine Plänen! Berate dich nie mit einer Frau über ihre Rivalin, mit einem Feigling über den Krieg, mit einem Händler über ein gutes Geschäft, mit einem Käufer über das Verkaufen, mit einem Geizhals über Dankbarkeit, mit einem Unbarmherzigen über Güte, mit einem Faulenzer über irgendeine Arbeit, mit einem Gelegenheitsarbeiter über ein Werk vieler Jahre, mit einem trägen Diener über eine schwierige Aufgabe. Erwarte von keinem dieser Leute einen brauchbaren Rat!

Halte dich vielmehr an einen, der GOTT ernst nimmt und von dem du weißt, daß er die Gebote befolgt, jemand, der so denkt und fühlt wie du und dem es genauso weh tut wie dir, wenn dir etwas mißlingt. Und verlaß dich auf dein eigenes Gewissen, es ist dein zuverlässigster Ratgeber! Dein eigenes Empfinden sagt dir gewöhnlich mehr als sieben Wächter, die auf einer Anhöhe Ausschau halten. Vor allem aber bitte GOTT, den Höchsten, dich immer auf den richtigen Weg zu bringen.

Über Weisheit und nutzloses Wissen

Der Anfang einer jeden Tat ist das Gespräch; vor jedem Unternehmen kommt die Unterredung. Die Entscheidung, die einer trifft, kann in vier verschiedene Richtungen führen: zum Guten oder zum Bösen, zum Leben oder zum Tod. Und deine Zunge kann andere in jede dieser Richtungen lenken.

Mancher ist so klug, daß er andere belehren kann, aber nicht klug genug, um sich selber zu helfen. Mancher kann geschickt mit Worten umgehen; aber er muß hungern, weil ihn keiner leiden kann. Der HERR hat ihm keine Liebenswürdigkeit geschenkt, weil von wirklicher Weisheit nichts bei ihm zu finden ist. Mancher ist nur für sich selber weise, und von seinem Wissen hat nur er den Nutzen. Ein wirklich weiser Mann belehrt sein Volk, und seine Belehrung hat beständigen Nutzen. Ein solcher Mann wird von allen gerühmt; alle, die ihn kennen, preisen ihn glücklich. Ein Mensch lebt nur eine bestimmte Zahl von Jahren; aber die Lebensjahre Israels kann man nicht zählen. Ein Weiser gewinnt das Vertrauen seines Volkes, und sein Name wird für alle Zeiten fortleben.

Mein Sohn, während deines Lebens prüfe dich selbst! Wenn du merkst, daß dir etwas nicht bekommt, dann verweigere es dir! Nicht jeder kann alles vertragen, und nicht alles ist für alle gleich gut. Sei maßvoll bei jeder Art von Genuß, stürze dich nicht gierig auf das Essen! Zuviel Essen macht krank, und Maßlosigkeit führt nur zu Bauchschmerzen. Gefräßigkeit hat schon viele umgebracht: wer sie vermeidet, lebt länger.

Kapitel 38:

Gib dem Arzt die Ehre, weil du ihn brauchst; denn auch ihn hat der HERR eingesetzt. GOTT, der Höchste, gibt dem Arzt das Wissen, und der König belohnt ihn mit Geschenken. Sein Können gibt ihm großes Ansehen, sogar mächtige Leute bewundern ihn.

Der HERR bringt auch die Heilmittel aus der Erde hervor. Ein vernünftiger Mensch wird deshalb nicht zögern, sie zu gebrauchen. Hat nicht ein Stück Holz einmal bitteres Wasser trinkbar gemacht und dadurch GOTTES Macht erwiesen? GOTT hat den Menschen das Wissen um diese Heilmittel gegeben, damit sie ihn für diese Wunder preisen. Der Apotheker mischt daraus die Arzneien, und der Arzt benutzt sie, um den Kranken zu helfen und ihre Schmerzen zu lindern. So führt GOTT sein Schöpfungswerk weiter und gibt den Menschen auf der Erde Gesundheit.

Mein Sohn, wenn du krank wirst, nimm es nicht auf die leichte Schulter! Bete zum HERRN, er wird dich wieder gesund machen. Hör auf, Unrecht zu tun; tu, was recht ist; entferne jede Art von Sünde aus deinem Herzen! Bringe ein Brandopfer dar, das dem HERRN Freude macht, und auch den Teil des Speisopfers, der für den HERRN verbrannt wird! Gib reichlich Öl dazu, mehr als üblich ist. Dann laß den Arzt kommen; denn auch ihn hat der HERR eingesetzt. Er soll an deiner Seite bleiben, du brauchst ihn! Es gibt Augenblicke, in denen deine Wiederherstellung von seiner Kunst abhängt. Auch er betet zum HERRN, daß er es ihm gelingen läßt, Schmerzen zu lindern und das Leben zu erhalten.

Wer gegen seinen Schöpfer sündigt, der verdient es, krank zu werden und den Arzt nötig zu haben!

Über das Verhalten bei Todesfällen

Mein Sohn, wenn jemand stirbt, dann weine und klage über ihn wie einer, der einen schweren Verlust erlitten hat. Gib ihm das Begräbnis, das ihm zusteht, und vernachlässige sein Grab nicht! Klage laut über seinen Tod und vergieß heiße Tränen! Halte die Trauerzeit ein, die ihm zukommt, einen Tag oder zwei, um das Gerede der Leute zu vermeiden. Dann aber fasse dich wieder in deinem Schmerz! Die Trauer kann dir alle Kraft nehmen und dir sogar den Tod bringen. Bei großer Not ist auch die Trauer da, und ein Leben im Elend empfindet man als Fluch. Darum überlaß dich nicht deiner Trauer, schüttle sie ab und denk daran, daß auch dein Ende kommt. Vergiß nicht, daß du den Toten nicht zurückholen kannst. Ihm kannst du nicht mehr nützen, aber dir selbst kannst du schaden. Erinnere dich daran, daß sein Schicksal auch deines ist: Gestern er - morgen du! Wenn einer zur letzten Ruhe gelegt worden ist, dann laß auch die Erinnerung an ihn zur Ruhe kommen! Wenn der Lebensgeist ihn verlassen hat, tröste dich über den Verlust!

Über die Unterschiede der Berufe

Um Weisheit zu erlangen, braucht ein Weisheitslehrer viel Zeit zum Studieren. Die aber hat er nur, wenn er sich nicht mit anderen Arbeiten abgeben muß. Wie kann einer Weisheit erlangen, der ständig den Pflug führt und dessen ganzer Stolz der Stock ist, mit dem er seine Zugtiere antreibt - der sich nur um die Arbeit seiner Rinder kümmert und sich nur mit seinen Stierkälbern unterhält? Seine Aufmerksamkeit richtet er darauf, gerade Furchen zu ziehen, und bis in die Nacht hinein ist er damit beschäftigt, seine Kühe zu füttern.

Ebenso geht es dem Handwerker oder dem Künstler. Tag und Nacht denkt er an nichts anderes, als Siegel zu gravieren oder unermüdlich seine bunten Webmuster zu wechseln. Seine Aufmerksamkeit richtet er darauf, naturgetreue Abbilder zu schaffen, und bis in die Nacht hinein arbeitet er an der Vollendung seines Werkes.

Ebenso geht es dem Schmied an seinem Amboß. Seine Gedanken sind bei dem Stück Eisen, das er bearbeitet. Der glühende Atem des Feuers läßt seinen Körper dahinschmelzen, ständig hat er mit der Hitze zu kämpfen. Vom Dröhnen des Hammers werden seine Ohren taub, seine Augen hängen an dem Modell, das er nachbilden soll. Seine Aufmerksamkeit richtet er darauf, seine Arbeit zu vollenden, und bis in die Nacht hinein arbeitet er daran, sie bis zur Vollkommenheit zu verbessern.

Ebenso geht es dem Töpfer, der an seiner Arbeit sitzt und mit den Füßen die Scheibe dreht. Andauernd ist er in Sorge, ob ihm das Stück gelingt und wie viele er schaffen kann. Mit den Füßen macht er den zähen Ton geschmeidig, um ihn mit den Händen formen zu können. Seine Aufmerksamkeit richtet er darauf, eine tadellose Glasur zu erreichen, und bis in die Nacht hinein ist er damit beschäftigt, seinen Brennofen zu reinigen.

Sie alle vertrauen auf ihre Hände, und jeder ist ein Könner in seinem Beruf. Ohne sie würden keine Städte gebaut, niemand könnte darin wohnen oder dorthin reisen. Aber in der Ratsversammlung fragt man nicht nach ihrer Meinung. In der Gemeinde erreichen sie niemals eine ehrenvolle Stellung. Sie sitzen nicht auf dem Stuhl des Richters und kennen sich nicht aus den Bestimmungen des Rechtes. Für Bildung und Rechtswesen ist von ihnen nichts zu erwarten, kluge Worte kann man von ihnen nicht hören. Aber sie halten diese Welt in Gang, und ihr Gebet besteht in der Ausübung ihres Berufs.

Kapitel 39:

Ganz anders steht es mit dem, der sich der Erforschung des Gesetzes widmet, das GOTT, der Höchste, gegeben hat. Er untersucht die Weisheit aller früheren Lehrer und befaßt sich mit den Worten der Propheten. Er bewahrt die Reden berühmter Männer im Gedächtnis und folgt dem Gang ihrer Überlegungen. Er erforscht den verborgenen Sinn der Sprichwörter und geht den Rätseln der Gleichnisse auf den Grund. Einflußreiche Leute nehmen seinen Dienst in Anspruch, Regierende rufen ihn zu sich. In ihrem Auftrag bereist er fremde Länder, denn er kennt aus Erfahrung die guten und schlechten Seiten der Menschen.

Schon frühmorgens widmet er seine ganze Aufmerksamkeit dem HERRN, seinem Schöpfer. Er wendet sich im Gebet an GOTT, den Höchsten, und bittet ihn im Vergebung seiner Schuld. Wenn es dem HERRN, diesem großen GOTT, gefällt, wird er von Verständnis erfüllt. Dann strömen einsichtsreiche Worte aus ihm hervor, und mit seinem Gebet preist er den HERRN. Er hat klares Wissen und gute Einsicht und ergründet die Geheimnisse GOTTES. In der Unterweisung, die er gibt, zeigt sich die Erziehung, die er bekommen hat. Sein ganzer Stolz ist das Gesetz, das der HERR seinem Volk gegeben hat, als er den Bund mit ihm schloß. Viele rühmen die Einsicht eines solchen Mannes; sie wird niemals vergessen werden, denn über Generationen hin werden sich Mensch an ihn erinnern. Fremde Völker werden von seiner Weisheit reden, und die Gemeinde wird seinen Ruhm ausbreiten. Wenn er ein langes Leben hat, wird sein Name berühmter als die Namen von tausend anderen. Und wenn er sich zur letzten Ruhe legt, kann er zufrieden sein.

Ein Lied zur Ehre des HERRN

Nachdem ich weiter nachgedacht habe, gleiche ich dem vollen Mond: Ich bin voller Gedanken, die ich aussprechen muß. Hört auf mich, meine treuen Söhne, dann werdet ihr wachsen wie ein Rosenstock am Bachufer. Wie der Weihrauch werdet ihr Duft verströmen, wie Lilien werdet ihr blühen. Singt gemeinsam mit lauter Stimme, preist den HERRN für alle seine Taten! Verkündet seinen Ruhm, ehrt ihn mit euren Liedern! Schlagt die Harfen und singt dazu:

Wie gut ist alles, was der HERR gemacht hat! Was er befiehlt, geschieht zur rechten Zeit. Man braucht nicht zu fragen: Was ist denn dies? und auch nicht zu fragen: Wozu ist das gut? Denn jedes ist nötig zu seiner Zeit. Er sprach, und das Wasser türmte sich zu Haufen: er befahl, und es sammelte sich in Speichern. Sein Befehl läßt geschehen, was ihm gefällt, und wenn er hilft, kann niemand es hindern. Er sieht alles, was die Menschen tun, vor seinem Blick kann sich keiner verstecken. Alles behält er genau im Auge, von Urzeiten an bis zum letzten Ende; nichts ist für ihn fremd und unbegreiflich. Darum soll man nicht fragen: Was ist denn dies? und auch nicht: Wozu ist das da gut? Denn alles, was er schuf, hat seinen Zweck.

Sein Segen bedeckt das Land wie ein Strom, wie eine Flut tränkt er den trockenen Boden. Doch die Völker bekommen seinen Zorn zu spüren, wie damals, als er wasserreiches Land zu einer salzigen Wüste machte. Für die Seinen sind seine Wege eben, doch für Verbrecher voll von Hindernissen. Gleich am Anfang schuf er Gutes für die Guten und ebenso Schlechtes für die Sünder. Was der Mensch vor allem zum Leben braucht, ist Wasser und Feuer, Eisen und Salz, feines Weizenmehl und Milch und Honig, Wein, Olivenöl und Kleidung. Das alles dient den Treuen zum Guten, doch für die Sünder verwandelt es sich in Schlechtes.

Die Stürme hat GOTT zur Vergeltung geschaffen, ihr Wüten gleicht schweren Geißelhieben. Wenn die Zeit der Bestrafung gekommen ist, zeigen sie ihre ganze Gewalt, bis der Zorn ihres Schöpfers sich wieder legt. Feuer und Hagel, Hunger und Pest, auch sie hat GOTT zum Strafen geschaffen. Reißende Tiere, Skorpione und Schlangen, das Schwert, das die Verbrecher vernichtet, sie gehorchen mit Freuden seinem Befehl. Sie stehen für ihn auf der Erde bereit, bis ihr Augenblick gekommen ist; dann tun sie unfehlbar, was er verlangt.

Dies alles stand von Anfang an für mich fest. Deshalb habe ich darüber nachgedacht und es schließlich niedergeschrieben:

Alles, was der HERR geschaffen hat, ist gut. Wenn etwas fehlt, dann schafft er es herbei. Von dem, was er tut, kann niemand behaupten, das eine sei schlechter als das andere; denn zur rechten Zeit hat jedes seinen Wert. Darum singt nun und jubelt mit Herz und Mund und preist den Namen eures HERRN!

Kapitel 40: Über das Schicksal des Menschen

Viel Unruhe ist jedem Menschen in die Wiege gelegt worden. Auf allen liegt eine schwere Last von dem Tag, an dem sie aus dem Schoß der Mutter hervorkommen, bis zu dem Tag, an dem sie zurückkehren in den Schoß der Erde, der Mutter aller Geschöpfe. Ihre Herzen sind voller Angst, ihr Grübeln und besorgtes Fragen kreist um das, was auf sie wartet: um den Tag ihres Todes. Darin geht es allen gleich: dem: der auf strahlendem Thron sitzt, wie dem, der in Staub und Asche kauert; dem, der Purpurgewand und Krone trägt, wie dem, der in ein Bußgewand gehüllt ist. Jeder erfährt Zorn und Eifersucht, Aufregung und Unruhe, Todesangst und Haß und Streit. Sogar nachts, wenn er auf seinem Bett Ruhe sucht, verwirren Träume seine Gedanken. Ruhe findet er so gut wie keine. Bilder schrecken ihn auf, und es geht ihm nicht besser als am hellen Tag. Aus seinem Inneren steigen sie auf und ängstigen ihn. Er sieht sich auf der Flucht vor dem Feind. Und wenn er gerade meint, es sei um ihn geschehen, wacht er auf und kann es kaum fassen, daß seine Furcht völlig grundlos war.

Alle Geschöpfe, Menschen wie Tiere, haben das gleiche Schicksal; aber die Sünder trifft es siebenfach: Tod, Blutvergießen, Streit und Krieg, Katastrophen, Hungersnot, Verwüstung und Seuche. Das alles wurde für die geschaffen, denen das Gesetz GOTTES gleichgültig ist. Ihretwegen kam auch die große Flut. Alles, was aus der Erde hervorgegangen ist, kehrt auch in die Erde zurück, so wie alles Wasser ins Meer zurückfließt.

Über Vergängliches und Bleibendes

Alles, was auf Bestechung und Unrecht gegründet ist, wird vergehen. Was aber durch Treue entsteht, bleibt für immer bestehen. Wer Unrecht tut, dessen Wohlstand ist wie ein versiegender Sturzbach oder ein verhallender Donnerschlag beim Gewitter. Er hält die Hände auf und freut sich; aber weil er das Gesetz übertritt, zerrinnt ihm am Ende alles zwischen den Fingern. Die Kinder von Menschen, die GOTT mißachten, werden nicht viele Nachkommen haben; sie gleichen Pflanzen, die auf hartem Felsen Wurzeln treiben wollen. Sie sind wie Riedgras, das am Ufer irgendeines Flusses wächst und früher ausgerissen wird als jedes andere Gras. Freundlichkeit aber ist wie ein fruchtbarer, herrlicher Garten, und Wohltaten bleiben für immer im Gedächtnis.

Die höchsten Güter

Angenehm leben kann einer von seinem Besitz oder vom Ertrag seiner Arbeit, aber noch mehr, wenn er einen Schatz entdeckt.

Wenn ein Mann Kinder hat oder eine Stadt gründet, dann bleibt sein Name bestehen, aber noch mehr, wenn er Weisheit erlangt.

Wenn einer Vieh und Äcker besitzt, wird er weithin bekannt; aber noch mehr schätzt man eine untadelige Frau.

Wein und Musik erfreuen das Herz; aber noch mehr erfreut die Liebe zur Weisheit.

Flöte und Harfe verschönern den Gesang; aber noch mehr erfreut die Gabe wohlklingender Rede.

Anmut und Schönheit entzücken das Auge; aber noch mehr entzückt junges Grün auf den Feldern.

Es ist ein guter Augenblick, wenn man einem Freund oder Gefährten begegnet, aber noch mehr gilt das, wenn Mann und Frau einander begegnen.

Brüder und Helfer stehen einem im Notfall bei; aber noch mehr Hilfe erwächst aus den Wohltaten, die man anderen erwiesen hat.

Durch Gold und Silber findet man Sicherheit, aber noch mehr durch einen guten Rat.

Durch Wohlstand und Kraft bekommt man Selbstvertrauen, aber noch mehr durch Ehrfurcht vor dem HERRN. Wer sie hat, dem fehlt nichts; er braucht keine andere Hilfe zu suchen. Die Ehrfurcht vor dem HERRN ist wie ein fruchtbarer, herrlicher Garten; sie ist ein besserer Schutz als aller Ruhm.

Über das Betteln

Mein Sohn, verbringe dein Leben nicht als Bettler! Lieber sterben als betteln! Wer stets nach fremden Tischen schielt, dessen Leben ist ein erbärmliches Leben. Er verunreinigt sich mit fremden Speisen, die jeder Mensch mit Verstand und etwas Bildung meidet. Wer kein Schamgefühl hat, dem schmeckt das erbettelte Brot süß; aber in seinem Bauch müßte es wie Feuer brennen.

Kapitel 41: Über den Tod

Tod - wie bitter ist der Gedanke an dich für einen, der zufrieden und sorgenfrei in seinem Heim lebt, dem alles gelingt und der noch genügend bei Kräften ist, um Freuden zu genießen.

Tod - wie vollkommen ist dein Urteilsspruch für einen, der in Armut lebt, dessen Kräfte schwinden, der durch hohes Alter und viele Sorgen lebensmüde geworden ist, sich gegen alles auflehnt und die Geduld verloren hat!

Hab keine Angst vor dem Urteilsspruch des Todes! Denk an alle, die dir vorausgegangen sind, und an die, die nach dir kommen. Der HERR hat dieses Urteil über alle Geschöpfe verhängt. Was nützt es, sich gegen das zu sträuben, was GOTT, dem Höchsten, gefällt? Ob du zehn, hundert oder tausend Jahre lebst, in der Totenwelt wird niemand mit dir darüber streiten.

Über das Schicksal der Sünder

Die Kinder von Sündern werden verabscheuenswerte Menschen; sie wachsen in einer Umgebung auf, wo man GOTT nicht ernst nimmt. Ihr Erbbesitz geht zugrunde, und ihre Nachkommen werden in bleibender Schande leben. Die Kinder eines Sünders werden dem Vater sein verkehrtes Leben vorwerfen, das solche Schande über sie gebracht hat.

Weh euch Männern, die ihr GOTT nicht ernst nehmt und das Gesetz des Höchsten verlassen habt! Ihr wurdet geboren, um verflucht zu werden. Und wenn ihr sterbt, wird der Fluch euch begleiten. Alles, was aus der Erde hervorgegangen ist, wird in die Erde zurückkehren. So geht es auch denen, die GOTT nicht ernst nehmen: Unter dem Fluch fangen sie an, und sie enden im Verderben.

Wenn Menschen trauern, dann gilt das dem toten Körper. Aber bei Sündern stirbt auch der Name, weil er durch nichts Gutes in Erinnerung bleibt. Darum erwirb dir einen guten Ruf; er wird dich überleben, länger als tausend goldene Schätze. Gute Tage kann man zählen; aber ein guter Name bleibt für immer.

Wovor man sich schämen soll

Kinder, richtet euch nach dem, was ich euch beigebracht habe; dann könnt ihr in Frieden leben. Weisheit, die man für sich behält, ist wie ein vergrabener Schatz: beide sind nutzlos. Einer, der seine Dummheit versteckt, handelt besser als einer, der seine Weisheit versteckt.

Deshalb will ich euch sagen, wovor ihr euch schämen sollt. Denn nicht jede Art von Scham ist angebracht, und nicht alle haben in jedem Fall ein zuverlässiges Urteil. Schämt euch:

den Eltern gegenüber, ein unzüchtiges Leben zu führen; Herrscher oder Mächtigen gegenüber, eine Lüge auszusprechen, einem Richter oder Vorsteher gegenüber, Verbrechen zu begehen, der Gemeinde oder dem Volk gegenüber, das Gesetz zu übertreten, einem Geschäftspartner oder Freund gegenüber, treulos zu handeln, den Leuten eures Wohnortes gegenüber, etwas zu stehlen.

Schäm dich davor:

einen Schwur oder Vertrag zu brechen, beim Essen die Ellbogen auf den Tisch zu stützen, beim Nehmen oder Geben den anderen zu verachten, einen Gruß nicht zu erwidern, eine Prostituierte anzusehen, die Bitte eines Verwandten abzuschlagen, jemand etwas vorzuenthalten, was ihm zusteht, die Frau eines anderen anzustarren, mit einer Sklavin anzubändeln oder gar dich ihrem Bett zu näher, deine Freunde zu beschimpfen oder es ihnen vorzuhalten, wenn du ihnen einmal etwas geschenkt hast, Gerüchte weiterzutragen, etwas Vertrauliches auszuposaunen.

In allen diesen Dingen ist Scham angebracht. Wenn du dich entsprechend verhältst, werden die Leute dich achten.

Kapitel 42: Wovor man sich nicht schämen sollte

Es gibt aber auch Fälle, in denen Scham fehl am Platz ist; da würdest du dich durch Rücksichtnahme auf andere schuldig machen. Schäme dich nicht:

dich zum Gesetz des Höchsten und zum Bund mit ihm zu bekennen, dich an das Recht zu halten, weil du sonst einen Schuldigen freisprechen könntest, mit einem Geschäftspartner oder Reisegefährten die Kosten abzurechnen, mit anderen ein Erbe zu teilen, genaue Gewichte und Maße zu benutzen, großen oder kleinen Besitz zu erwerben, beim Kaufen und Verkaufen über den Preis zu verhandeln, deine Kinder mit Strenge zu erziehen, einem boshaften Sklaven den Rücken blau zu schlagen.

Wenn du deiner Frau nicht trauen kannst oder wenn in deinem Haus zu viele Hände sind, tust du gut daran, deine Wertsachen unter Verschluß zu halten. Mach eine genaue Aufstellung von allem, was du in Verwahrung gibst oder nimmst! Schreib auch alle Ausgaben und Einnahmen auf! Schäme dich nicht, einen uneinsichtigen Dummkopf zurechtzuweisen, ebenso auch den Greis, der wegen Unzucht angeklagt ist. Durch all das zeigst du, daß du eine gute Erziehung genossen hast, und alle werden deinem Verhalten zustimmen.

Über die Sorgen mit Töchtern und Frauen

Eine Tochter hält ihren Vater ständig in Unruhe, auch wenn er es sich nicht anmerken läßt. Die Sorgen um sie rauben ihm den Schlaf. Solange sie jung ist, sorgt er sich, sie könnte vor der Heirat verblühen, und wenn sie verheiratet ist, sie könnte von ihrem Mann verstoßen werden. Wenn sie noch Jungfrau ist, hat er die Sorge, sie könnte verführt werden und ein Kind bekommen, während sie noch im Haus des Vaters wohnt. Und wenn sie einen Mann hat, sorgt er sich, sie könnte diesem untreu werden, oder es könnte sich herausstellen, daß sie keine Kinder bekommt.

Auf eine hemmungslose Tochter mußt du scharf aufpassen, sonst bringt sie es so weit, daß deine Feinde dich verspotten, die ganze Stadt über dich redet, das Volk zusammengerufen wird und du mit Schande bedeckt vor der großen Versammlung stehst.

Sieh bei keinem Menschen auf Schönheit! Setz dich nicht zum Gespräch in einen Kreis von Frauen! Denn aus einer Frau kommt Bosheit hervor, ebenso wie aus einem Kleidungsstück Motten. Selbst die Schlechtigkeit eines Mannes ist immer noch besser als die Güte einer Frau, und eine schändliche Frau bringt ihren Mann in Schande.

GOTTES Größe in der Schöpfung

Ich will an die Werke des HERRN erinnern und beschreiben, was ich gesehen habe. Durch seine Worte entstanden seine Werke. Die Sonne blickt strahlend auf alles herab, vom Glanz des HERRN ist die Schöpfung erfüllt. Selbst seine Engel sind nicht imstande, von all den Wundern zu erzählen, die der HERR der Welt fest aufgerichtet hat, so daß durch seine Macht das All besteht. Er blickt in das Meer und ins menschliche Herz und durchschaut sie beide bis auf den Grund. Denn er, der Höchste, hat alles Wissen, er kennt die Zeichen der wechselnden Zeiten.

Er tut kund, was einst war und was kommen wird; die verstecktesten Spuren deckt er auf. Nicht ein Gedanke kann ihm entgehen, kein einziges Wort bleibt ihm verborgen. Die herrlichen Werke seiner Weisheit, er hat sie alle genau geordnet. Er ist derselbe seit uralten Zeiten und wird es für immer und ewig bleiben. Nichts ist hinzuzutun, nichts wegzunehmen, nie braucht er jemand, der ihn berät. Wie wundervoll sind alle seine Werke, bis hin zum kleinsten sichtbaren Funken! Und all das lebt und besteht für immer; für alles, was nötig ist, ist gesorgt. Alle Dinge sind paarweise da, eins ist das Gegenstück zum anderen. Und keines hat er fehlerhaft geschaffen, eins macht die Güte des andern vollkommen. Kann man jemals genug sehen von dieser Pracht?

Kapitel 43:

Wie herrlich ist der Himmel anzuschauen! Wie klar und prachtvoll ist sein Gewölbe! Die Sonne verkündet´s bei ihrem Aufgang. Wie bewundernswert ist dieses Gestirn, das GOTT, der Höchste, geschaffen hat! Wenn sie am Mittag hoch oben steht, dörrt sie das Land durch ihre Strahlen aus. Wer hält ihrer glühenden Hitze stand? Zum Schmelzen und Brennen heizt man den Ofen - die Sonne brennt dreimal zu heiß auf die Berge, ihr feuriger Atem weht über die Erde, ihre flammenden Strahlen blenden das Auge. Wie groß ist der HERR! Er hat sie gemacht, auf seinen Befehl durcheilt sie ihre Bahn.

Zur bestimmten Zeit erscheint auch der Mond, ein ewiges Zeichen der wechselnden Zeiten, eine Leuchte, die abnimmt, bis sie verschwindet. Er gibt das Signal für die großen Feste, auch der Monat hat von ihm den Namen. Wie schön, wenn er wechselt und wieder wächst! Ein leuchtendes Banner der himmlischen Heere, so strahlt er vom hohen Gewölbe herab.

Herrlich ist der Himmel beim Glanz der Sterne! Welch funkelnder Schmuck an den Höhen des HERRN! Er, der Heilige, hat ihren Dienst geordnet, und nie ermüden sie auf ihrer Wacht.

Sieh den Regenbogen, wie prächtig er ist, und preise den, der ihn gemacht hat! Am Himmel erscheint sein strahlender Halbkreis, von der Hand des Höchsten dort ausgespannt.

Wenn der HERR es befiehlt, wirbelt Schnee herab, Blitze zucken und vollstrecken sein Gericht. Dazu öffnen sich auch seine Vorratskammern, und die Wolken fliegen wie Vögel heraus. Seine Kraft preßt die Wolken so fest zusammen, daß sie zu Hagelkörnern zerspringen. Sein Donner grollt, und die Erde erzittert; die Berge schwanken, wenn er sich zeigt.

Wenn er es will, weht der Wind von Süden, kommt Sturm von Norden oder Wirbelwind. Wie Vögel, die vom Himmel schweben, wie Heuschrecken, die den Boden bedecken, so läßt er den Schnee herniederfallen. Sein strahlendes Weiß bestaunen die Augen, die wirbelnden Flocken entzücken das Herz. Wie Salz streut der HERR den Reif auf die Erde; der gefriert zu feinen, spitzen Nadeln. Er läßt den kalten Nordwind blasen, und die Wasserflächen erstarren zu Eis; auf Teiche und Pfützen senkt sich die Kälte, überzieht sie mit einem Panzerhemd. Der Glutwind dörrt Berge und Steppen aus und verbrennt das Gras wie ein flammendes Feuer. Doch feuchtender Nebel bringt schnelle Heilung, und alles erquickt der kühlende Tau.

GOTT zähmte das Meer nach seinem Plan und setzte die Inseln mitten hinein. Seeleute erzählen von den Gefahren; voll Staunen hören wir ihre Geschichten: Dort im Meer gibt es riesige Ungeheuer und seltsame, wunderliche Geschöpfe. Er bringt seine Boten glücklich ans Ziel, und sein Wort hält alle Dinge zusammen.

Wir könnten noch viel mehr aufzählen und würden nie ans Ende kommen; der Schluß kann nur lauten: Er ist alles! Nie können wir ihn gebührend preisen; er ist doch größer als seine ganze Schöpfung. Der HERR ist gewaltig und ehrfurchtgebietend, unfaßbar und herrlich ist seine Macht. Rühmt ihn, erhebt ihn, so hoch ihr nur könnt - er ist höher, als man sich vorstellen kann! Preist ihn unermüdlich mit aller Kraft - ihr werdet doch nie damit fertig werden! Wer hat ihn gesehen und kann ihn beschreiben? Wer kann ihn so preisen, wie er es verdient? Wir kennen nur wenige seiner Werke, viele, noch größere, sind uns verborgen. Sie alle hat der HERR geschaffen - und den Frommen hat er Weisheit geschenkt.

Kapitel 44: Ein Lied auf die Väter Israels

Drum laßt uns die berühmten Männer preisen, unsere Vorfahren in vergangenen Zeiten! Der HERR hat ihnen hohe Ehren zugeteilt, sie berühmt gemacht seit uralten Tagen. Da waren Herrscher über Königreiche und Männer, bekannt durch ihre Macht; da waren Berater mit tiefer Einsicht und Überbringer prophetischer Botschaft. Da waren besonnene Führer der Leute; sie kannte die Schriften ihres Volkes und belehrten es mit klugen Worten. Manche ersannen kunstvolle Weisen, andere schrieben herrliche Gedichte. Da waren Männer mit Reichtum und Einfluß, die ungestört in ihren Häusern lebten. Schon bei Lebzeiten waren sie alle berühmt und wurden von den Menschen gepriesen. Manche erwarben sich so großen Ruhm, daß man noch heute ihre Namen nennt. An andere denkt keiner mehr; es ist, als hätten sie nie gelebt. Sie sind gestorben und vergessen, genauso wie später ihre Kinder.

Wir wollen jene frommen Männer preisen, deren gute Taten man nicht vergißt. Ihr guter Ruf bleibt als Erbe bestehen für ihre Kinder und Kindeskinder. Ihre Nachkommen halten sich an den Bund und folgen seinen Regeln wie die Väter. Nie sterben ihre Familien aus, und ihr Ruhm bleibt für immer unvergessen. Ihr Körper wurde in Frieden begraben, ihr Name lebt weiter für alle Zeiten. Die Völker erzählen von ihrer Weisheit, und die Gemeinde verkündet ihr Lob.

Henoch

Henoch führte ein Leben, das dem HERRN gefiel; darum wurde er zu ihm in den Himmel geholt. Er gab allen späteren Generationen ein Beispiel zu GOTT.

Noah

Noah erwies sich als ein Mann, der GOTT in jeder Hinsicht die Treue hielt. Bei dem Strafgericht ließ GOTT ihn anstelle der ganzen Menschheit am Leben. Um seinetwillen blieben einige auf der Erde übrig, als die große Flut kam. GOTT schloß einen Bund mit ihm, der für immer gültig bleibt. Dabei machte er die Zusage, daß kein zweites Mal eine Flut alle Geschöpfe vernichten werde.

Abraham

Abraham wurde der große Stammvater vieler Völker; an Berühmtheit gibt es niemand seinesgleichen. Er hielt sich an den Bund mit GOTT, dem Höchsten, und befolgte seine Vorschriften. Die Beschneidung, das Kennzeichen für den Bund, nahm er an sich selber vor. Und als er auf die Probe gestellt wurde, blieb er treu. Deshalb sicherte ihm GOTT mit einem Eid zu, seine Nachkommen würden zum Segen für die Völker; sie sollten so unzählbar werden wie der Sand auf der Erde und so mächtig wie die Sterne am Himmel, ihr Land würde von einem Meer zum anderen reichen, vom Euphrat bis zu den Enden der Erde.

Isaak und Jakob

Für Isaak bestätigte GOTT die Zusagen, die sein Vater Abraham bekommen hatte. Er übertrug den Bund auf Jakob, er legte den Segen für alle Menschen auf ihn und sicherte ihm alle Segnungen zu. Er übertrug ihm das Land als Erbbesitz und teilte es unter die zwölf Stämme auf.

Kapitel 45: Mose

Unter den Nachkommen Jakobs sonderte GOTT einen frommen Mann aus, der bei allen angesehen war, den GOTT und die Menschen liebten: Mose, dessen Andenken in Ehren gehalten wird. GOTT stellte ihn an Ehre den Engeln gleich und machte ihn so groß, daß seine Feinde Angst vor ihm bekamen. Auf Moses Wort hin ließ er die Katastrophen schnell hereinbrechen; damit verschaffte er ihm Achtung bei Königen. Er gab ihm die Gebote für sein Volk und ließ ihn etwas von seiner Herrlichkeit sehen. Wegen seiner Treue und Bescheidenheit wählte der HERR ihn aus allen Menschen aus und nahm ihn in seinen Dienst. Er ließ ihn seine Stimme hören und führte ihn in die dunkle Wolke hinein. Dort sprach er zu ihm Auge in Auge. Er gab ihm die Gebote, das Gesetz, das zu Leben und Erkenntnis führt, damit Mose den Israeliten die Satzungen des Bundes bekanntmachen konnte.

Aaron

Auch Aaron stellte GOTT heraus und berief ihn zum Dienst wie seinen Bruder Mose; beide gehörten zum Stamm Levi. GOTT schloß einen für immer gültigen Bund mit ihm und übertrug ihm den Priesterdienst für das Volk des HERRN. Er zeichnete ihn aus durch herrliche Gewänder und glänzenden Schmuck, hüllte ihn in vollendete Pracht und stattete ihn aus mit den Kennzeichen seiner Würde: leinene Kniehosen, Priesterhemd und Obergewand. Granatäpfel und viele goldene Glöckchen waren ringsum am Saum des Gewandes angebracht. Bei jedem Schritt Aarons im Heiligtum erklangen die Glöckchen und erinnerten GOTT an sein Volk. Er gab Aaron den heiligen Amtsschurz, kunstvoll aus Goldfäden, und blauer und roter Wolle gefertigt, dazu die Brusttasche mit den heiligen Losen für die Rechtsentscheide, aus karmesinrotem Garn von Künstlern gewebt, und die kostbaren Steine mit eingravierten Namen, von einem Edelsteinschneider in Gold gefaßt und auf die Brusttasche gesetzt, um den HERRN an die zwölf Stämme Israels zu erinnern. Er gab ihm den Turban und den goldenen Schmuck darüber mit der eingravierten Inschrift "Dem HERRN geweiht!, ein Zeichen hoher Ehre, ein prachtvolles Kunstwerk von vollendeter Schönheit. Vor Aaron hat es nie so etwas Schönes gegeben. Niemals hat ein Fremder diesen Schmuck getragen, und auch in Zukunft wird das nie geschehen. Nur einer von Aarons Söhnen war dazu berechtigt, und so wurde es auch bei seinen späteren Nachkommen gehalten. Seine Opfer müssen regelmäßig zweimal täglich dargebracht und vollständig verbrannt werden.

Mose setzte Aaron als Priester ein und salbte ihn mit dem heiligen Öl. Ein unverbrüchlicher Bund wurde mit ihm und seinen Nachkommen geschlossen, der gültig bleibt, solange der Himmel besteht. Sie sollen dem HERRN als Priester dienen und das Volk in seinem Namen segnen. Der HERR wählte Aaron aus allen Menschen aus, um dem HERRN Opfer darzubringen und duftenden Weihrauch zu verbrennen, um ihn an sein Volk zu erinnern und Sühne für die Schuld des Volkes zu erwirken. Durch seine Anweisungen gab der HERR ihm die Vollmacht, Rechtsentscheidungen zu treffen und Israel in seinem Gesetz und seinen Vorschriften zu unterweisen.

Als sie in der Wüste waren, wurden einige, die nicht zu Aarons Familie gehörten, neidisch auf ihn und lehnten sich voller Wut gegen ihn auf. Es waren die Leute um Datan und Abiram sowie Korach und seine Anhänger. Der HERR sah es und wurde darüber so zornig, daß er ein Wunder geschehen ließ und die ganze Bande durch ein loderndes Feuer vernichtete. Aber die Ehre Aarons machte er noch größer: Er gab ihm das Anrecht auf die ersten Früchte jeder Ernte, die als Abgabe dargebracht wurden, so daß er immer genug zu essen hatte. Die Priester ernähren sich von den Opfern, die dem HERRN dargebracht werden; er hat sie Aaron und seinen Nachkommen zugeteilt. Doch im Gegensatz zum ganzen Volk bekam Aaron keinen Anteil am Landbesitz, denn der HERR hatte zu ihm gesagt: Ich selbst bin dein Anteil, von mir bekommst du alles, was du brauchst.

Pinhas

Dem Ruhm nach an dritter Stelle steht Pinhas, der Sohn Eleasars, der sich leidenschaftlich für die Ehre des HERRN einsetzte, als das Volk sich empörte. Seine Mutige Entschlossenheit erwirkte für Israel die Vergebung der Schuld. Darum schloß der HERR einen besonderen Bund mit ihm, der für alle Zeiten gültig ist: Pinhas sollte dem Heiligtum und dem ganzen Volk vorstehen, ihm und seinen Nachkommen sollte die Würde des Obersten Priesters zukommen. Durch den Bund GOTTES mit David, dem Sohn Isais vom Stamm Juda, wurde verfügt, daß das Königtum immer vom Vater auf einen einzigen Sohn vererbt werden sollte. Das priesterliche Erbe Aarons aber geht auf alle seine Nachkommen über.

Ihr Priester, der HERR verleihe euch Weisheit, gerechte Richter für sein Volk zu sein, damit das Glück und der Ruhm Israels in allen kommenden Generationen nicht aufhört.

Kapitel 46: Josua und Kaleb

Josua, der Sohn Nuns, war ein tüchtiger Kriegsmann. Er war Moses Nachfolger in der Aufgabe, prophetische Weisungen zu geben. Er machte seinen Namen wahr und wurde der große Retter des Volkes, das der HERR sich erwählt hatte. Er besiegte die Feinde, die sich ihm entgegenstellten, und brachte die Israeliten in den Besitz des Landes. Wie gewaltig war er, wenn seine Hand das Schwert hochreckte, um die feindlichen Städte anzugreifen! Keiner vor ihm war so unbesiegbar, denn er führte Kriege für den HERRN. Er war es auch, auf dessen Befehl die Sonne stillstand und der Tag so lang wurde wie sonst zwei. Als die Feinde ihn von allen Seiten bedrängten, betete er zu GOTT, dem Höchsten, und der mächtige HERR antwortete mit einem Hagelsturm von ungeheurer Wucht. Den ließ er auf das feindliche Heer los und vernichtete es, als es die Steige von Beth-Horon herabfloh. Die Völker sollten erkennen, über welche Waffen Josua verfügte und daß ihr Krieg sich gegen den HERRN selbst richtete. Josua hielt immer dem HERRN die Treue.

Schon zur Zeit Moses tat er das und mit ihm Kaleb, der Sohn Jefunnes: Sie traten der ganzen Volksversammlung entgegen, hielten sie vom Ungehorsam zurück und brachten die aufrührerischen Anklagen zum Schweigen. Darum blieben die beiden am Leben, als einzige von sechshunderttausend Israeliten, die den Zug durch die Wüste angetreten hatten. Nur sie durften das Land betreten, in dem Milch und Honig fließen. Der HERR verlieh Kaleb große Kraft; noch in hohem Alter war er stark genug, das Hügelland als Erbbesitz für sich und seine Nachkommen zu erobern. An ihm sollten alle Israeliten erkennen, wie gut es ist, dem HERRN zu gehorchen.

Die Richter

Auch die Richter wären zu nennen, jeder mit dem Ruhm, den er erlangt hat. Sie haben sich nicht vom HERRN abgewandt und sind nicht dem Götzendienst verfallen. Wir wollen ihr Andenken in Ehren halten! Könnten doch ihre Gebeine aus dem Grab wieder aufstehen! Könnte doch ihr Ruhm in ihren Nachkommen zu neuem Leben erwachen!

Samuel

Samuel wurde von GOTT, seinem HERRN, geliebt. Als Prophet des HERRN richtete er das Königtum ein und salbte Männer zu Herrschern über sein Volk. Nach dem Gesetz sorgte er in der Volksversammlung für das Recht, und der HERR beschützte die Nachkommen Jakobs. Durch seine Treue erwies er sich als wahrer Prophet, und an seinen Weisungen erkannte man ihn als zuverlässigen Seher. Als die Feinde ihn von allen Seiten bedrängten, betete er zu seinem mächtigen HERRN und brachte ihm ein junges Lamm als Opfer dar. Der HERR antwortete vom Himmel mit lautem Donnergrollen und vernichtete die Anführer der Feinde und alle Fürsten der Philister. Bevor Samuel sich zu letzten Ruhe niederlegte, bezeugte er vor dem HERRN und dem König: Niemals habe ich etwas genommen, das einem anderen gehörte, nicht einmal ein Paar Sandalen. Und niemand widersprach ihm. Selbst noch nach seinem Tod sagte er dem König voraus, was für ein Ende er nehmen würde. Aus dem Innern der Erde sprach er als Prophet, um die Verfehlung des Volkes auszulöschen.

Kapitel 47: Natan

Nach Samuel kam Natan, der zur Zeit Davids prophetische Weisungen verkündete.

David

Wie die Fettstücke aus den Mahlopfern herausgelöst werden als Anteil für den HERRN, so wurde David unter den Israeliten ausgewählt. Er spielte mit Löwen und Bären, als wären es Ziegenböckchen und Lämmer. Er war noch ein junger Bursche, da tötete er den Riesen und befreite dadurch sein Volk von der Schande. Nur mit Schleuder und Stein trat er Goliath entgegen und machte seinem vermessenen Höhnen ein Ende. Er betete zum HERRN, dem Höchsten, und der stärkte Davids rechte Hand, so daß er den erfahrener Krieger niederstreckte und die Macht seines Volkes wieder aufrichten konnte. Darum ehrte man ihn, als hätte er zehntausend erschlagen; man pries ihn, weil der HERR ihm so sichtbar geholfen hatte, und krönte ihn zum König. Alle Feinde ringsum rieb er auf, und seine allerschlimmsten Gegner, die Philister, schlug er so vernichtend, daß ihre Macht für immer gebrochen war.

Bei allem, was er tat, pries er den heiligen GOTT, und dankte dem Höchsten mit rühmenden Worten. Er liebte seinen Schöpfer und sang ihm mit ganzem Herzen seine Loblieder. Er stellte Sänger beim Altar auf, die schöne Weisen erklingen ließen. Den Feiertagen gab er eine vollkommene Ordnung und machte sie zu glanzvollen Festen. Vom frühen Morgen an hallte das Heiligtum wider von Musik und Gesang, um den heiligen Namen des HERRN zu preisen. Der HERR vergab David seine Verfehlungen und festigte seine Macht für alle Zeiten. Er schloß einen Bund mit ihm und sagte ihm zu, daß auch seine Nachkommen auf dem ruhmreichen Thron Israels sitzen sollten.

Salomo

Auf David folgte sein Sohn, ein kluger und verständiger Mann. Seinem Vater David zuliebe ließ GOTT ihn in Sicherheit leben. Solange Salomo regierte, gab es keinen Krieg. GOTT schenkte ihm Frieden mit allen Nachbarvölkern, so daß er einen Tempel zu Ehren des HERRN bauen konnte, ein Heiligtum von dauerndem Bestand.

Salomo, wie weise warst du in deiner Jugend! Deine Klugheit glich einem überfließenden Strom, dein Wissen umfaßte die ganze Erde. Deine tiefsinnigen Aussprüche waren überall bekannt, dein Ruhm reichte bis zu den fernsten Inseln, und alle liebten dich, weil du ihnen den Frieden brachtest. Die ganze Welt bewunderte dich wegen deiner Lieder und Sprichwörter, wegen deiner Gleichnisse und ihrer Deutung. Du wurdest nach dem Namen des HERRN, deines GOTTES, genannt und häuftest Gold und Silber in solchen Mengen an, als wäre es Zinn und Blei.

Aber deine Leidenschaft für Frauen brachte dich unter ihre Herrschaft. Damit beflecktest du deine Ehre und die deiner Nachkommen. Die bekamen den Zorn GOTTES über deine Torheit zu spüren und hatten viel darunter zu leiden. Deine Herrschaft zerfiel in zwei Teile, im Gebiet von Ephraim erstand ein rebellisches Königreich. Aber der HERR hört nicht auf, sich zu erbarmen. Er läßt keine seiner Zusagen unerfüllt. Die Nachkommen seines Erwählten der ihn liebte, läßt er nicht zugrunde gehen. Darum hat er einen Rest der Nachkommen Jakobs überleben lassen und David einen neuen Sproß geschenkt.

Rehabeam und Jerobeam

Als Salomo starb, hinterließ er als Nachfolger einen seiner Söhne: Rehabeam. Der war arm an Verstand, aber reich an Dummheit. Durch seine Entscheidung brachte er einen Teil des Volkes dazu, sich von ihm loszusagen.

Jerobeam, der Sohn Nebats, führte die Nordstämme Israels auf Abwege und verleitete sie zur Sünde. Sie trieben es so schlimm, daß sie aus ihrem Land fortgetrieben wurden. In jeder Schlechtigkeit übten sie sich, bis die Vergeltung über sie kam.

Kapitel 48: Elia

Dann trat der Prophet Elia auf. Er glich einem Feuer, und seine Worte brannten wie eine Fackel. Er brachte eine Hungersnot über das Volk, und sein leidenschaftlicher Eisatz für den HERRN brachte vielen den Tod. Auf Befehl des HERRN hielt er den Regen zurück, und dreimal ließ er Feuer vom Himmel fallen.

Elia, welchen Ruhm hast du erlangt durch deine Wundertaten! Wer könnte so vermessen sein, sich mit dir zu vergleichen? Auf Befehl des HERRN holtest du einen Verstorbenen aus der Totenwelt ins Leben zurück. Könige stürztest du ins Grab, berühmte Männer schicktest du von ihrem Krankenlager in den Tod. Am Sinai hörtest du, wie der HERR dich tadelte. Aber du hörtest dort auch, wie er seinen Feinden das Strafurteil sprach. Du setztest Könige ein, um das Urteil zu vollstrecken, und Propheten, die deinen Platz einnehmen sollten. In einem feurigen Wirbelsturm wurdest du in den Himmel geholt, auf einem Wagen mit Pferden aus Feuer. Von dir heißt es in den heiligen Schriften, daß du bereitstehst, für die letzte Zeit, um GOTTES Zorn zu besänftigen, ehe er losschlägt. Du sollst das Herz der Eltern den Kindern zuwenden und die Stämme der Nachkommen Jakobs wiederherstellen. Wie glücklich sind alle, die dich dann sehen werden, und alle, die in sehnsüchtigem Warten auf dich gestorben sind! Ja, auch wir werden leben!

Elisa

Als Elia im Wirbelsturm den Blicken entschwand, ging sein Geist auf Elisa über und erfüllte ihn. Solange Elisa lebte, hatte er vor keinem Herrscher Angst und ließ sich von niemand Vorschriften machen. Keine Schwierigkeit war für ihn unlösbar, noch im Grab handelte er als Prophet. Im Leben wie im Tod vollbrachte er erstaunliche Wundertaten.

Aber trotz allem wollte das Volk nicht umkehren und von seinem verkehrten Leben lassen, bis es aus seinem Land weggeführt und über die ganze Erde verstreut wurde. Nur noch ein kleines Volk blieb übrig, aber es hatte noch einen Herrscher aus dem Königshaus Davids. Einige Leute taten, was dem HERRN gefiel; die anderen häuften Schuld auf Schuld.

Hiskija und Jesaja

Hiskija befestigte seine Stadt und stellte die Wasserversorgung sicher. Mit eisernen Werkzeugen ließ er einen Tempel durch den Fels graben und im Inneren der Stadt Vorratsteiche anlegen. Während seiner Regierungszeit rückte Sanherib gegen ihn vor und schickte seinen obersten Heerführer zu ihm. Dieser wollte die Zionsstadt angreifen und prahlte mit vermessenen Worten. Die Bewohner der Stadt verloren allen Mut und zitterten vor Angst, sie wanden sich wie eine gebärende Frau. Sie schrien zum HERRN, der voll Erbarmen ist, und streckten ihm ihre Hände entgegen. Da antwortete ihnen der heilige GOTT vom Himmel her und half ihnen durch Jesaja. Der HERR schlug das Heerlager der Assyrer, sein Engel löschte sie aus; denn Hiskija tat, was dem HERRN gefiel. Er folgte dem Vorbild seines Ahnherrn David, wie es ihm der große Prophet Jesaja befohlen hatte. Er ließ damals die Sonne zurückgehen und verlängerte das Leben des Königs. Unter dem mächtigen Einfluß des Geistes sah er in die letzte Zeit und machte den Verzagten in der Zionsstadt Mut. Er sagte für alle Zukunft voraus, was kommen wird; von verborgenen Dingen sprach er, ehe sie eintrafen.

Kapitel 49: Joschija

Die Erinnerung an Joschija ist wie der Duft einer Weihrauchmischung, die von Kennern zubereitet wurde. Von ihm zu reden, ist für jeden Mund süß wie Honig, für jedes Ohr wie Musik bei einem Festmahl mit gutem Wein. Er folgte dem richtigen Weg, als er das Volk zur Umkehr bewegte und dem abscheulichen Götzendienst ein Ende machte. Mit ganzem Herzen wandte er sich dem HERRN zu und festigte die Treue zu GOTT in jener Zeit des Unrechts.

Jeremia

Alle Könige außer David, Hiskia und Joschia haben fortgesetzt gesündigt. Sie hielten sich nicht an das Gesetz, das GOTT, der Höchste, uns gegeben hat. Die Könige von Juda sind untergegangen; sie mußten ihre Macht und ihre Ehre Fremden überlassen, die die erwählte Stadt und ihr Heiligtum durch Feuer zerstörten und ihre Straßen menschenleer machten. So hatte es Jeremia vorausgesagt. Man hatte ihn mißhandelt, ihn, den GOTT schon vor seiner Geburt zum Propheten erwählt hatte, der ausreißen und vernichten sollte, aber auch aufbauen und anpflanzen.

Hesekiel

Hesekiel schaute in einer Vision die Herrlichkeit GOTTES über dem Wagen mit den Cheruben. Er sprach auch von dem Unwetter, das die Feinde vernichtet, und tat Gutes für alle, die auf dem rechten Weg blieben.

Die zwölf Propheten

Könnten doch die Gebeine der zwölf Propheten aus dem Grab wieder aufstehen! Denn sie gaben den Nachkommen Jakobs neuen Mut und retteten sie mit ihrer unerschütterlichen Hoffnung.

Serubbabel und Jeschua

Wie sollen wir Serubbabel preisen, ihn, der wie ein Siegelring an GOTTES rechter Hand war, und mit ihm Jeschua, den Sohn Jozadaks? Sie bauten damals den Tempel wieder auf, das Heiligtum des HERRN, das zu bleibendem Ruhm bestimmt ist.

Nehemia

Nehemia - auch sein Andenken sei in Ehren gehalten! Er richtete unsere zerfallenen Stadtmauern wieder auf, stellte die Tore und Riegel wieder her und baute unsere Häuser wieder auf.

Rückblick auf die ersten Großen

Unter allen Menschen, die auf der Erde gelebt haben, ist keiner mit Henoch zu vergleichen; denn er wurde von der Erde entrückt.

Keiner wurde geboren, der Joseph gleicht, dem Oberhaupt seiner Brüder und Helfer seines Volkes. Seinen Gebeinen wurde hohe Achtung erwiesen.

Auch Sem und Set waren berühmt unter den Mensch; doch über allen Lebewesen in der Schöpfung steht Adam.

Kapitel 50: Der Oberste Priester Simeon

Der Oberste Priester Simeon, der Sohn von Onias, besserte den Tempel aus und erneuerte ihn. Er legte die Fundamente für die hohe Doppelmauer und die Befestigungen am Tempel. Zu seiner Zeit wurde der Wasserspeicher angelegt, er hatte den gleichen Umfang wie das Meer aus Bronze. Simeon machte sich Gedanken, wie er das Volk schützen könnte; darum befestigte er sie Stadt für den Fall einer Belagerung.

Wie herrlich war, wenn er hinter dem Vorhang hervortrat und das Heiligtum durchschritt! Er war wie der Morgenstern, der zwischen den Wolken hervorleuchtet, wie der volle Mond, wie die Sonne, die über dem Tempel des Höchsten strahlt, wie der Regenbogen mit seiner leuchtenden Pracht in den Wolken, wie die blühenden Rosen zur Frühlingszeit, wie Lilien an einer Quelle, wie das Grün des Libanons im Sommer, wie brennender Weihrauch auf der Räucherpfanne, wie ein Gefäß, ganz aus Gold getrieben und mit Edelsteinen aller Art verziert, wie ein Ölbaum voller Früchte, wie eine Zypresse, die bis in die Wolken ragt.

Wenn er seine Amtskleidung anlegte und sich mit all ihrer Pracht schmückte, um zu dem heiligen Altar hinaufzugehen, dann erfüllte er den Vorhof des Tempels mit herrlichem Glanz. Wenn er aus den Händen der Priester die Teile des Opfers entgegenahm und dabei neben dem Herdfeuer des Altars stand, von seinen Brüdern umgeben wie von einem Kranz, dann war er wie eine Zeder auf dem Libanon, die in einem Kreis von Palmen steht. So standen die Nachkommen Aarons in ihrer Pracht vor der ganzen Gemeinde Israels und hielten die Opfergaben für den HERRN in ihren Händen. Wenn Simeon seinen Dienst am Altar vollzog und das Opfer bereitet hatte für GOTT, den Höchsten, den HERRN der Welt, dann griff seine Hand nach der Schale, um daraus Wein an den Sockel des Altars zu gießen, eine duftende Gabe für den Höchsten, den König der Welt. Dann stießen die Priester laute Rufe aus und bliesen die Trompeten aus gehämmertem Silber. Mit dem lauten Schall erinnerten sie den Höchsten an sein Volk. Sogleich warf sich das ganze versammelte Volk nieder, um den HERRN anzubeten, GOTT, den Höchsten, den HERRN der Welt. Und dann fingen die Sänger an, ihn zu preisen, und ihre wunderschönen Weisen ertönten mit mächtigem Schall. Währenddessen betete das Volk zum HERRN, dem Höchsten, der voll Erbarmen ist, bis der Gottesdienst zum Abschluß gekommen war. Dann kam Simeon vom Altar herab, hob seine Hände über die Gemeinde der Israeliten und erteilte ihr den Segen des HERRN, wobei ihm die Ehre zuteil wurde, den heiligen Namen auszusprechen. Die Gemeinde hatte sich unterdessen zum zweitenmal niedergeworfen, um den Segen des Höchsten zu empfangen.

Segensgebet

Nun preist den GOTT, dem die Welt gehört, der überall Gewaltiges vollbringt! Von Mutterleib an sorgt er für uns, beschenkt uns mit Glück und Gelingen und erweist uns täglich sein Erbarmen. Er fülle unsere Herzen mit Freude und schenke uns in unserer Zeit den Frieden, den Israel in der Vorzeit hatte! Sein Erbarmen bleibe beständig bei uns und rette uns unser Leben lang!

Verhaßte Nachbarvölker

Zwei Völker gibt es, die ich nicht ausstehen kann, und das dritte ist gar kein richtiges Volk: die Bewohner des Berglandes von Seir, die Philister und die unverständigen Samaritaner.

Schlußwort des Verfassers

Unterweisung voll von Einsicht und Wissen habe ich, Jesus, der Sohn Sirachs und Enkel Eleasars aus Jerusalem, in diesem Buch niedergeschrieben; alle meine Kenntnisse und Erfahrungen habe ich darin einfließen lassen. Unvergängliche Freude ist dem gewiß, der sich immer wieder mit dieser Unterweisung beschäftigt. Wer sie sich zu Herzen nimmt, wird weise. Wenn er sie in die Tat umsetzt, wird er in jeder Lage stark sein; denn die Ehrfurcht vor dem HERRN leitet ihn.

Kapitel 51: Ein Danklied von Jesus, dem Sohn Sirachs

Ich danke dir, HERR und König; ich preise dich, GOTT, mein Retter! Deinen Namen will ich Rühmen, denn du bist mein Beschützer und Helfer. Du hast mich vor dem Grab bewahrt, mich aus der gefährlichen Schlinge befreit, die Verleumdung und Lüge mir ausgelegt hatten. Du warst mein Beistand gegen meine Feinde. Weil dein Erbarmen so unendlich groß ist und deine Ehre auf dem Spiel stand, hast du geholfen und mich gerettet vor dem wütenden Haß meiner Gegner, aus den Händen aller Mordgesellen, aus vielen Nöten, die mich bedrängten, aus erstickender Hitze, die mich umringte, aus Feuern, an denen ich unschuldig war, aus den tiefsten Tiefen der Totenwelt, vor Lügenworten und Verleumdung, vor den Pfeilen einer boshaften Zunge.

Mein Leben war dem Ende ganz nah, ich stand schon mit einem Fuß im Grab. Von allen Seiten umringten mich Feinde, und keiner war da, der mir helfen konnte. Ich blickte mich um nach Beistand von Menschen, doch weit und breit war keiner zu sehen. Da dachte ich an dein Erbarmen, HERR, an deine Taten seit uralter Zeit: Du rettest alle, die auf dich hoffen, und befreist sie aus der Macht ihrer Feinde. Da schrie ich zu dir hinauf um Hilfe und bat dich um Rettung vom sicheren Tod. Ich betete: HERR, du bist mein Vater, du bist mächtig und kannst mich retten. Überhebliche Feinde bedrücken mich, ich bin ohne Hilfe; verlaß mich nicht! Ich werde nicht aufhören, dir zu danken und deinen Namen mit Liedern zu preisen. Du hast meinen Hilferuf gehört, mich vom Rand des Grabes zurückgeholt und der Zeit des Unglücks ein Ende gemacht. Darum danke ich dir und preise dich und rühme deinen Namen, HERR!

Auf der Suche nach der Weisheit

Als ich noch jung war und noch nicht angefangen hatte, in der Welt umherzureisen, betete ich schon ausdrücklich um Weisheit. Ich stand vor dem Tempel und fragte nach ihr, und ich werde bis zum Ende nach ihr streben. Von ihren ersten Blüten in meinem Leben bis zum Reifen ihrer Früchte war sie meine ganze Freude. Meine Füße waren immer auf dem geraden Weg; denn von Jugend auf folgte ich ihrer Spur. Ich brachte ihr nur ein klein wenig Aufmerksamkeit entgegen, und schon wurde sie mir zuteil und brachte mir umfassendes Wissen. Durch sie bin ich Schritt für Schritt weitergekommen. Darum preise ich den, der mir zur Weisheit verholfen hat. Ich war entschlossen, ihre Lehren in die Tat umzusetzen und das Gute zu tun. Und ich habe es nicht zu bereuen! Ich habe tüchtig um sie kämpfen müssen; mit dem Befolgen des Gesetzes nahm ich es sehr genau. Oft genug mußte ich im Gebet traurig bekennen, wie weit ich noch von ihr entfernt war. Aber ich blieb dabei, ich wollte sie erlangen; und ich fand sie, als ich mich von Verfehlungen fernhielt. Von Anfang an gab sie mir Einsicht, deshalb werde ich sie nie verlassen. All mein Wünschen und Sehnen galt ihr, darum habe ich in ihr einen herrlichen Besitz erworben. Der HERR hat mir die Gabe der Rede geschenkt; mit dieser Gabe will ich ihn preisen. Ihr alle, die ihr unwissend seid, kommt zu mir, lernt in meiner Schule! Warum redet ihr ständig von eurer mangelnden Bildung und von eurem Wissensdurst? Ich kann euch nur sagen: Weise zu werden, kostet kein Geld. Nehmt die Mühe auf euch und seid bereit zu lernen; die Weisheit ist euch ganz nahe! Überzeugt euch selbst, wie wenig Mühe ich mir geben mußte, um so große Befriedigung zu finden! Selbst wenn ihr eine Menge Silber für die Weisheit hingeben müßtet, sie würde euch eine ebenso große Menge Gold einbringen. Freut euch über die Güte des HERRN und schämt euch nicht, ihm öffentlich dafür zu danken. Erfüllt eure Aufgabe, ehe eure Zeit abgelaufen ist! Dann wird er euch zu seiner Zeit dafür belohnen.

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